Gedanken, Musik

Abwesend

„Du wirkst so abwesend, bist du nicht da?“ Meine Nachbarin stupst mich an, während ich die Unkräuter wegflamme.  Erschrocken blicke ich hoch und zurück zum Brenner, schaue wieder Gerda an und sehe, als ich in den Rinnstein gucke, nichts. Nichts mehr, nur verkokelte Asche.

Ich lasse Gerda stehen und gehe ins Haus. Gehe ins Bad, besprühe mich mit Bulgari Man. Muss haushalten, fast ist nichts mehr da. Im Zimmer riecht es nach Aftershave und der PC brummt. Die grüne Decke liegt achtlos am Boden. Die Computerkabel habe ich in die dazu angeschafften Kanäle gezwängt. Es gibt keinen Grund – keinen Bastler – dass sie dort nichts zu suchen haben.

Erst kürzlich habe ich den Aschenbecher aus Las Vegas in die Tonne geschmissen, das rote Feuerzeug gleich mit. Ich rauche nicht. In der Tabaksdose sind die Stecknadeln.

Der Geruch verwirrt mich. Ich suche. Dabei weiß ich doch – nicht nur ich bin abwesend!  

© petra ulbrich

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*-  In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

4 Gedanken zu „Abwesend“

  1. Wechselweib sagt:

    Macht Lust auf mehr. :mail:

  2. Myriade sagt:

    Der Text gefällt mir seeeeeehr gut!

  3. B sagt:

    Mir gefällt er auch sehr!!!! Und den Song habe ich auch vor ein paar Monaten gepostet, der ist cool!

  4. rabenzahn sagt:

    In solchen Momenten bedaure ich, nicht zu rauchen.

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