Alltag, Behinderung, Junioren

unverblogbarer Pflegealltag

Seit Wochen suche ich sporadisch Kurzzeitpflegeplätze für die Junioren. Nicht, dass wir sie akut bräuchten, aber da die mir bekannten Heime keine oder oder immer nur einen Pflegeplatz im Haus haben und es aber doch einmal nötig sein könnte, dass wir Pflegeplätze gebrauchen, bin ich vorsorglich auf der Suche!

Es gibt keine adäquaten Plätze für die Junioren – nur in Altenpflegeheimen! Diese ganze Pflegeversicherung ist von vornherein für alte Menschen gemacht worden. Zynisch gesprochen: wir müssen nur noch eine Weile warten, dann sind auch die Junioren alt! Für Kinder, Jugendliche und erwachsene körperlich und geistig behinderte Menschen ist kein Platz da. 

Ich bin beschäftigt! Wenigstens ist es heute draußen ungemütlich. So können wir nicht spazieren gehen – ach so, wir hätten ja eh keine Begleitung.

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Das Chaos ist unendlich, aber die Liebe ist es auch. | Gisbert Zu Kyphausen

Mein Lied, um ja zu sagen für mein/unser Leben! Ist es nicht ein schönes Lied?

Veröffentlicht von piri

✨ In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschafft habe, anzuschauen. Dann geht's wieder. ✨

10 Gedanken zu „unverblogbarer Pflegealltag“

  1. dergl sagt:

    Man braucht gar nicht körperlich UND geistig behindert zu sein. Ich glaube nicht, dass du glaubst, ich bekäme irgendeine Hilfe, wenn ich ins Krankenhaus gehe. Das wird richtig hart, sollte ich durch irgendein Wunder ohne erst einklagen zu müssen die Therapie bekommen, die mir gestern im Klinikum vorgeschlagen wurde. Ich habe anderswo von dem Hickhack, den ich schon für die ambulanten Termine habe berichtet. Gibbet nich, soll die Familie machen, bin zu jung mit Mitte 40. Na toll. Selbst wenn M. und ich miteinander klar kämen und sie keine psychischen Probleme hätte, wie soll die in ihrem jetzigen körperlich völlig heruntergewrackten Zustand so was leisten? Antwort Beratung: „Ist egal“ und hab ich nicht irgendjemand anderes in der Familie? Ähm, nein?! „Aber Sie haben doch einen jüngeren Bruder. Ist der nicht zur Pflege erzogen worden?“ Nein, ist er nicht. Behinderung als individuelles Problem… Mal wieder und immer noch mal.

    Die ganzen Gesetze sind gemacht worden zu einer Zeit, in der noch Konsens war, entweder wir gehen alle mit spätestens 25 ins Altenheim oder wir sterben mit spätestens 30. Deshalb gibt es auch keine Pläne in dem ganzen Konzept, um Angehörige in deinem Alter zu unterstützen oder aufzufangen. Es wurde von den für diese Regelungen Verantwortlichen immer davon ausgegangen, dass zum Beispiel die Eltern aus deiner Generation nie in die Situation, in der jetzt viele sind kommen würde, weil wir sowieso nicht lange leben (angeblich).

    1. piri sagt:

      Ja, egal ob man geistig behindert oder kognitiv gut drauf ist, wenn man behindert ist, dann sieht es nicht gut aus. Ich möchte nicht dran denken und tu es doch immer.

      Die Gesetze sind gemacht worden, nach welcher Prämisse möchte ich nicht beurteilen. Vielleicht sogar, um behinderten Menschen das Leben zu ermöglichen, aber irgendwas ist da gehörig schief gelaufen.

      1. dergl sagt:

        Das hat nicht unbedingt mit moralischem Urteil aus heutiger Sicht zu tun. Man muss nur schauen, wann sie gemacht wurden und wie der Zeitgeist damals war. Vieles wurde ja nie modernisiert oder angepasst. Wie viele Jahrzehnte gab es keine Anpassung der Freibeträge oder Lehrpläne? Das war Rechtssprechung aus den 70er. Damals mag es irgendwie okay gewesen, etwa 50 Jahre später ist es nichtmehr zeitgemäß und dennoch sind viele damals gemachte oder entschiedene Dinge noch genauso oder nur minimal abgeändert in Kraft. Seitdem läuft vieles nach dem Motto „Aus den Augen aus dem Sinn“ und wenn man uns alle in Einrichtungen, Gruppen oder zu Hause einsperrt, weil die veralteten Gesetze das eben so vorgeben, dann sieht man uns natürlich auch nicht und kann den dringenden Reformbedarf verdrängen.

        1. M. - K. sagt:

          piri, ich habe es beruflich erlebt, dass jüngere Menschen, die nicht in einem Seniorenheim leben sollten, eben nirgendwo andere untergebracht wurden. Ob es wirklich keine Plätze gab oder es eben einfacher war, liegt nicht in meiner Beurteilungskompetenz.

          Wenn es nicht Häuser in erreichbarer Nähe gibt, die Pflege für jüngere Menschen anbieten, dann ist es richtig schwer beziehungsweise eigentlich unmöglich, das Seniorenpflegeheim zu umgehen.

          Auch, wenn die Überschrift „unverblogbarer Pflegealltag“ lautet, liegt es Dir auf der Seele und ich finde es gut, dass Du es bloggst, denn nur so verändert sich in winzigen Schritten Bewusstsein. Leser mit anderem Hintergrund lesen Dich, erzählen bei passender Gelegenheit davon in ihrem Umfeld.. Nein, keine schnelle Lösung, aber Bewusstsein schaffen. Ich sende Dir liebe Grüße, habe mich sehr über Deine gefreut, !

  2. dergl sagt:

    Was mir gerade noch einfällt – ja, ich weiß, es ist eine Ecke von euch weg, aber vielleicht besser als nichts – kennst du das SRH Pflegehotel in der Ludwig-Guttmann-Straße neben der Fachhochschule in Heidelberg? Vielleicht geht da was. Zur Pflegequalität kann ich nichts sagen, eine Kommilitonin hat früher auf der Etage wo das ist gelebt und sowohl mein Freund der Saxophonist als auch ich wurden in dem Haus mal kurzzeitig zwischen“geparkt“. Damals war der Rehazweig der SRH noch größer und die Leute aus dem Pflegehotel lebten mitten bei und drin. Die haben zwar da gegessen, aber es war nicht wie in manchen Einrichtungen, wo man dann nicht raus darf oder so. Die waren auf dem Campus unterwegs, konnten mit Assistenz zum Einkaufen etc. Ausflüge etc. an sich gab’s nicht, aber es war halt Kurzzeitpflege, da ist wahrscheinlich generell kein großes Freizeitprogramm drin.

    1. piri sagt:

      Da rufe ich mal an.

  3. Gudrun sagt:

    Liebe piri, es gibt sie, die Heime oder Wohngruppen für junge Menschen, auch mit Mehrfachbehinderung. Wie die Aufnahmekapazitäten sind, weiß ich natürlich nicht. Eine solche Einrichtung ist gleich bei mir um die Ecke. Daher weiß ich davon.
    Ich schicke dir mal einen Link. Ist das so etwas, was du suchst? Dann sollten wir mal schauen, ob es das auch in deiner Nähe gibt. Wenn du es willst, frage ich dort mal nach Standorten und ob die auch Kurzzeitpflege machen.

    https://seb-leipzig.de/wohnen-und-betreuung/wohnen-fuer-kinder-und-jugendliche-mit-behinderung/wohnheim-dahlienstrasse

    1. piri sagt:

      Danke Gudrun, die Junioren sind keine Kinder mehr – ich suche was dazwischen, für mittelalte Menschen hier in der Nähe. Ich gebe aber die Info gerne an Eltern mit behinderten Kindern weiter.

      1. Gudrun sagt:

        Vielleicht gibt es das auch für jüngere Erwachsene. Mit ganz alten Menschen sollten sie nicht zusammensein.
        Ich drücke euch die Daumen bei der Suche.

  4. C Stern sagt:

    Zuerst möchte ich M.-K.’s Worte unterstreichen: Es ist wichtig, dass Du über Deine Herausforderungen bloggst. Es ist eine Möglichkeit, Aufmerksamkeit für essenzielle Themen zu erreichen. Auch, wenn die Mühlen für soziale Strukturen und Entscheidungen leider sehr langsam mahlen.

    Ich bin immer wieder erstaunt, was es nicht gibt. In den reichsten Ländern der Welt!
    Und bin dankbar, dass es zumindest Wohnformen in Ö gibt. Der Bedarf an Plätzen kann vermutlich nicht überall abgedeckt werden, aber es ist schon seit längerem ein Anfang gemacht. Inwieweit es hier auch um Pflege geht, kann ich nicht vollends beurteilen, aber ich weiß, dass in diesen Wohngruppen auch für Menschen mit sehr schwerer Behinderung gut gesorgt wird.
    In Pflegebereichen liegt der Fokus sicher immer noch auf alten Menschen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass nicht weiter gedacht wird. Initiativen in der Politik müssen immer wieder eingefordert werden, sensible Politiker*innen und Verantwortliche für diese Themen gibt es nur dann, wenn sie selbst in ihrem Umfeld mit Menschen, die Unterstützung, Assistenz oder Pflege brauchen, persönlich in Berührung kommen.
    Nachdenkliche Grüße, C Stern

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