Familie

und dann war da noch

… der Zusammenbruch vor eineinhalb Stunden beim Radiologen! Dabei gab es gar keinen Grund, denn der Befund ist okay – bis auf die üblichen Zipperlein.

Nur ein Wort war falsch, in einem rüden Ton gesprochen, für den sich der Arzt auch sofort entschuldigt hat. Ein Wort zu viel – ein kleiner Nebensatz und meine Schleusen öffnen sich.

Dieser Geburtstag meiner Mutter, dieser schwelende, nicht zu klärende Streit mit meiner mittleren Schwester, dieses über dem Abgrund hängen, diese Nichtachtung von meiner Ursprungsfamilie – all das macht mich krank und furchtbar traurig. Furchtbar im wahrsten Sinne des Wortes. Ich fürchte mich sogar davor, den Brief, den ich skizzenhaft an diese Leute geschrieben habe, zu vervollkommnen und abzuschicken. Aber, ob ich das tue oder nicht – eine Reaktion, in Form eines Anrufes, Brief oder Mail wird nicht kommen – also kann ich es auch gleich bleibenlassen. Sie werden sich nicht melden. Niemand wird sich melden – auch meine Mutter nicht. Inzwischen bin ich sogar der Meinung, dass ich besser daran täte, keinen Brief zu schreiben. Auch keinen, in dem ich mich erkläre!

Warum-Fragen sind müßig. Entweder heißt die Antwort: Deshalb oder es gibt mindestens so viele Antworten, wie sie Adressaten hat. Wenn, dann noch diese sich weigern mit einem zu reden, dann ist es doppelt müßig – tut dennoch verdammt weh!

Wie viele Tränen können in einem Körper sein? Was hält ein Mensch aus? Wann zerbricht er? Wie ist das mit der Resilienz? … mit der Vulnerabilität? Wann habe ich endlich abgeschlossen? Bin ich zu anspruchsvoll an das Leben?

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

20 Gedanken zu „und dann war da noch“

  1. B sagt:

    Ich kenne diesen Schmerz. Ich kann die anderen nicht ändern. Ich habe auch das klärende Gespräch gesucht. Mehr kann ich nicht machen.
    Nachdem ich mir das klar gemacht habe, ging es mir besser.

    1. piri ulbrich sagt:

      Loslassen – verdammt schwer!

  2. socopuk sagt:

    Gelesen.

  3. Frau Lakritz sagt:

    SO gut verstehe ich dich! Habe all das auch mitgemacht. Und mich gefragt (im Hinblick auf meine Mutter): Will ich kostbare Lebenszeit damit vergeuden, auf eine Liebe zu hoffen, die ich in diesem leben nicht mehr bekommen werde? Die Antwort war “NEIN” – und seit ich den Kontakt abgebrochen habe, geht es mir gut. Ich möchte dir gern anbieten, dass du dich immer an mich wenden kannst ( du telefonierst nicht gern, ich weiß, aber es gibt ja WhatsApp… ;).
    Liebe Grüße!

    1. piri ulbrich sagt:

      … oder noch besser besuchen!

  4. mijonisreise sagt:

    Gelesen …

  5. violaetcetera sagt:

    Ist schon eine echte Zwickmühle. Wenn es hilft, wir hören dir zu…

    1. piri ulbrich sagt:

      Nee, es war eh schon wieder viel zu viel.

  6. mo sagt:

    Du anspruchsvoll an das Leben? Da muß ich lachen! Eigentlich möchte ich Dich nur in den Arm nehmen und halten, einfach halten und Dir sagen, dass Du alles Recht hast diesen klärenden Brief zu schreiben und hoffentlich findest Du den Mut es auch zu tun.

    1. piri ulbrich sagt:

      Noch bin ich sehr furchtsam und leider auch hoffnungslos – der Brief wird verdorren.

  7. Der Emil sagt:

    Jeder Mensch hat genug Tränen, um alle Weltmeere dreimal damit zu füllen. Und es gibt Dinge, mit denen kann ein Mensch nur abschließen mit seinem Lebensende.

    Ich schrieb schon einige Briefe “ins Wäschefach”, aber ich schrieb sie.

    Ach, wenn nur alles nicht so kompliziert wäre …

    1. piri ulbrich sagt:

      Wie viele Briefe ich ins Leere geschrieben habe, ist nicht zu zählen. Meinem Vater habe ich einen mit ins Grab gegeben.
      … und – deswegen ist das Meer so salzig! Aber nicht nur von einem einzigen Menschen.

      1. Der Emil sagt:

        Nein. Von allen, die zu Herzlichkeit fähig sind. (Ich habs gestern nicht geschafft, starte heute einen neuen Versuch.)

  8. Paula sagt:

    Ich stimme dem Emil zu, Briefe fürs Wäschefach geschrieben, aber nicht abgeschickt, habe ich auch schon. Und es hat mir geholfen. Das einzig Richtige ist der endgültige Abschied – für immer. Erst dann kann man wirklich frei sein.

    1. piri ulbrich sagt:

      Für immer. Das sagt sich leicht – ist aber schwer umzusetzen!

      1. Paula sagt:

        Der Weg ist das Ziel, die Erkenntnis bestimmt das Handeln, Fühlen und Denken, das heißt ja nicht, dass es leicht oder gar sofort geht!

  9. Wechselweib sagt:

    Nein, du bist nicht zu anspruchsvoll.
    Ich habe in so Fällen schonmal alles aufgeschrieben, was mich belastet und dann einer Schüssel angezündet. War Tipp von Freundin mit Psychologieausbildung. Hat mir etwas Erleichterung gebracht. Würde den Brief nicht abschicken, bringt nur neue Aufruhr.
    Was ein Mist alles!

    1. piri ulbrich sagt:

      Ja, ich werde ihn nicht abschicken. Aber schreiben werde ich noch ganz viele und nicht verbrennen – für mich aufheben und von Zeit zu Zeit drin lesen.

  10. Irène in Indien sagt:

    Wünsche dir einfach ganz viel Kraft!

    1. piri ulbrich sagt:

      Danke. Eins weiß ich: Die habe ich!

Kommentare sind geschlossen.