Behinderung, Familie, Gedanken

kein Bett zu waschen

Welche ein Glück! Dieser Morgen war völlig entspannt. Falls jemand anderes dazu kommen würde, würde die Person sagen, dass der Morgen ein ziemlicher Stress war. Für mich ist das Alltagsroutine.

Alltag ist es auch, dass Carsten mir ein Loch in den Bauch fragt und gerade ist Covid-19 sein Hauptthema. Im Grunde genommen ist er gut informiert, ist aber noch verunsicherter als ich. Ein Helferfreund, der auch im offenen Treff dabei war, kommt nicht mehr dazu, weil ihm das Hygienekonzept nicht ausreichend genug erscheint. Jetzt bin ich beunruhigt und weiß nicht, ob ich die Junioren schicken soll. Wollen, hingehen wollen sie auf jeden Fall. Soziale Kontakte sind so selten, da nehmen sie – und ich auch – die wenigen die da sind, gerne mit. Aber was ist, wenn meine Kinder sich anstecken? Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll? Sollen wir uns wieder isolieren, freiwillig in Quarantäne gehen? Oder sollen wir auf Herdenimmunität hoffen? Je mehr ich über Corona und die daraus resultierende Krankheit lese, je unsicherer werde ich. Wie soll ich einen neuerlichen Lockdown schaffen? Wie schaffe ich es, meinen Junioren meine Angst nicht zu sehr zu zeigen? Wie halte ich, halten wir die Balance zwischen sozialer Isolation und guten Kontakten?

Es ist eine Gratwanderung! Daran bin ich gewöhnt, laufe ich eigentlich ständig auf Graten herum. Aber immerhin habe ich heute Morgen kein Bett waschen müssen!

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

5 Gedanken zu „kein Bett zu waschen“

  1. dergl sagt:

    Herdenimmunität funktioniert nicht, darauf brauchst du, so wenig ich doch ernüchtern möchte, nicht hoffen. Selbst bei guten Bedingungen dauert das Jahre. Jahre, die gerade vulnerable Menschen nicht haben. Sich also an den Strohhalm zu klammern ist vielleicht im ersten Moment beruhigend, aber letzten Endes nur ein zusätzlicher Stressor.

    Eine Freundin von mir sitzt im Heim fest und die hatte ab März die Hoffnung, und sich daran festgehalten, im Dezember zum Cranger Weihnachtszauber zu können, da hat sie sich so drauf gefreut, falls der stattfindet, kann sie sich das auch knicken. Hat ALS in fortgeschrittenem Stadium, heißt, sie ist hochvulnerabel. (Cranger Weihnachtszauber ist ein Mittelding aus Weihnachtsmarkt in Wanne-Eickel und Kirmes und sie möchte seit Jahren mal wieder zur Kirmes gehen.)

    Ich kann deine Gedanken ob schicken oder nicht schon verstehen. Vielleicht abklären: Wie groß ist der Raum, klappt die Lüftung und wie ist die feste Teilnehmerzahl. Und ob die Junioren bereit sind die ganze Zeit in voller Montur im Raum zu sitzen, also Jacke und gegebenenfalls Schal, damit sie keinen Zug vom Lüften bekommen. Wobei ich natürlich sowieso unqualifiziert daherrede, weil ich ja auch nicht wissen kann ob das mit dem Abstand behinderungsbedingt klappt. Wenn zum Beispiel die Sicht auf zwei Meter schon schwierig ist, wäre es dann ja bei allem Vermissen des realen Kontaktes vermutlich eher eine frustrierende Erfahrung. Interaktion oder was spielen oder so ist dann ja nur bedingt machbar.

    Ich persönlich (aber ich bin davon geprägt, dass ich weiß, ich käme wahrscheinlich nicht durch eine Triage und habe außerdem links und rechts von mir Städte mit kritischen Zahlen) würde, wenn das alles nicht funktioniert nicht gehen. Ich hatte dem Kind in Absprache mit den Eltern auch untersagt auf eine Feier zu gehen, bei denen die Maßnahmen zwar so umgesetzt werden können, dass sie für alle gehenden Gäste gut machbar sind, aber nicht den einen Gast im Rollstuhl. Er (Kind) selber macht seine Geburtstagsfeier auch über Videotelefonie und freut sich, dass er ausnahmsweise mal Platz hat mit allen zu feiern, mit denen er feiern will. Das ist natürlich kein Vergleich zu eurer Situation.

    1. piri ulbrich sagt:

      Wenn ich denn nur für mich entscheiden müsste! Wenn ich jetzt den Junioren die Teilnahme verweigere, dann sind sie hier und stören, wo sie können, aus lauter Langeweile – aber krank werden lassen möchte ich sie auch nicht. In jedem Fall obliegt es meiner Verantwortung und ich darf die Konsequenzen tragen und die Nörgelichkeit aushalten.

      Ach, so kompliziert. Ich frag noch mal nach dem Hygienekonzept und entscheide ad hoc.

  2. B sagt:

    Ich glaube auch, dass man aus dem Bauchgefühl heraus entscheiden muss. Letztendlich geht es auch um Lebensqualität. Ich wüsste an Deiner Stelle auch nicht, wie ich entscheiden sollte. Andererseits sehe ich auch kein Ende in den nächsten Monaten.

  3. Paula sagt:

    Am wichtigsten beim Hygienekonzept neben dem Händedesinfizieren ist da der Abstand (am besten 2 Meter) und die Maske (FFP2-Maske, die relativ am sichersten ist, sich und andere nicht anzustecken). Wenn die beiden das nicht können, würde ich sie dort auch nicht hinschicken, so hart das klingt. Das Risiko einer Ansteckung wäre mir zu groß.

  4. Der Emil sagt:

    Sorgen mache ich mir auch, sogar viele, wegen dieses COVID-19 und wegen der undurchsichtigen und uneinheitlichen Regelungen UND VOR ALLEM wegen der vielen UNSINNIGEN Regelungen (Schulen!). Und ich habe gemerkt, daß auf die Vernunft vieler Menschen kein Verlaß ist, weil sie die Menschen scheinbar verlassen hat, die Vernunft.

    Ich wünsche Dir, daß Du auf Deinen Gratwanderungen immer ausreichend Balance und Halt findest. Grüße an die Junioren.

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