Gedanken

grüner Nachmittag

Noch immer hat es nicht geregnet. Jetzt gibt es amtlicherseits eine Anordnung, dass es untersagt ist, die Grundstücke zu bewässern. Meinem Gärtnernachbarn schmerzt das sehr – und mich auch, wird doch so langsam und viel früher Herbst!

Noch sitzen wir draußen. Ich friere, obwohl es nicht kalt ist. Langsam sollte der Infekt – denn die Lungenentzündung war doch einer – so langsam sollte es mir besser gehen. Genug Medikamente habe ich und nun auch noch ein Probiotikum!

Noch können sich die Herrschaften wunderbar alleine beschäftigen, sind aber langsam an dem Punkt angelangt, an dem sich der Blödsinn, den sie verzapfen, löst. Da sie in Geheimsprache miteinander reden und Fantasieworte benutzen, die für mich keinen Sinn ergeben – es aber eine lustige Unterhaltung ist – werde ich zusehends unruhiger, was sie nun wieder aushecken. Irgendwas mit Klogehen, Fußball, Käse und den auf den Nacken schmieren.

Noch interessiert mich das alles nicht. Ich bin froh im Gartenstuhl sitzen und die Ruhe genießen zu können. Die Bauarbeiter haben endlich Feierabend und die Nebenerwerbswinzer lesen bislang Weinsorten, die es hier nicht gibt. Nächste Woche wird es anders aussehen. Da rollt der Traktorverkehr mit bis zu drei Anhängern.

Noch sind die Wolken weiß und noch habe ich keinen Spekulatius gekauft. Rosenwasser allerdings schon, denn selbstgemachtes Marzipan schmeckt jetzt auch schon lecker.

Noch liegt der Staubsauger im Spielzimmer. Da liegt er gut – ich habe die Tür zugemacht und übersehe geflissentlich die schwarzen geflügelten Toten mit den Facettenaugen. Dicke fette Schmeißfliegen und eine dumme Libelle hat den Weg nach draußen nicht gefunden. Bei Libellen bewahrheitet sich wieder die These, dass Schönheit nicht gleich klug ist.

Noch lese ich mindestens 4 Bücher gleichzeitig. Eins über eine Hirnblutung, eins über Scheiß, eins von elf Kindern, die in Schweden wohnen, eins mit Krawumms (aber das ist ein Autoprospekt) und das von den Brüdern in Nagijala. Der neue Manufaktumkatalog liegt auch offen rum. Ich liebäugle mit einer Tischlampe. Aber – entweder Familienkutsche oder Licht in der Hütte – beides geht sich nicht aus.

Noch liegt die Einladung der Cousinentochter auf Eis. Sie fliegt mit ihrer Cousine erst einmal nach Hawai – aber dann nehme ich die Einladung gerne an!

Noch ist nicht Abend, aber müde bin ich für zwei …

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*-  In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

2 Gedanken zu „grüner Nachmittag“

  1. Ursula sagt:

    Ich lasse mal nächtliche Grüße da. Hab schon bissle geschlafen und bin jetzt hellwach. Gestern war ich ja auf der Beerdigung meines letzten Onkels. Bei aller Trauer war es auch schön die entferntere Verwandtschaft wieder zu sehen. (einen kleinen traurigen Touch gab es leider auch- schreib ich dir persönlich)

    Grade sind die Winterstiefel fertig geworden (nur noch Fäden vernähen) und in meinem Kopf entstehen Moonboots. (an alle außer Petra: ist ein Insider 🙂 )

  2. Paula sagt:

    Und ich lasse mal frühmorgentliche Grüße da! Sehr stimmungsvolle Beschreibung, das Klima in Deiner Gegend ist doch ziemlich anders als hier im Norden, den Regen muss man ja regelrecht feiern, hier kommt er immer noch zuverlässig und hält die Bäume und das Gras grün. Heute zieht es mich wahrscheinlich zum letzten Mal dieses Jahr an die Ostsee. Hab vor zwei Wochen meinen Badeanzug auf dem Strandkorb in Warnemünde vergessen und fahre heute wieder hin um ihn abzuholen (ein guter Vorwand um die Fahrtkosten zu rechtfertigen).
    Schönen faulen Samstag wünsche ich Euch dreien!

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