Gedanken, Gedicht

gewartet

Ich habe gewartet.
Ich bin Treppen gestiegen.
Ich habe Papierschiffchen gefaltet.
Ich habe etwas zerrissen.
Ich bin vor einem Spiegel gesessen.
Ich habe meinem Töchting beim Singen zugehört.
Ich habe gesungen.
Ich habe einen Gottesdienst im Radio angehört.
Ich habe geweint.
Um die Toten des vergangenen Jahres und um die davor.
Ich habe meine Erinnerungen hervorgekramt.
Ich habe mir alte Fotos angeguckt.
Mir wurde ein Bild des Familiengrabes geschickt.
Ich habe mich gefreut.
Ich habe auch gelacht.
Ich habe gebetet.
Ich habe vorgelesen.
Ich habe gelacht und zugleich geweint.
Ich habe meinen Frieden mit den Lebenden und den Toten gemacht.

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

8 Gedanken zu „gewartet“

  1. mijonisreise sagt:

    Gedenken … Da werden irgendwann die schönen Sachen im Vordergrund stehen, an die man sich erinnert. Komm gut in den Tag, piri

    1. piri ulbrich sagt:

      Ist es nicht schon so?

  2. Paula sagt:

    Schöner Text, habe gar nicht bemerkt, dass Totensonntag war. Für mich ist jeder Tag Gedenktag an die Toten, oder auch manchmal nicht.

    1. piri ulbrich sagt:

      Oder eben auch manchmal nicht – oder es überrollt einen…

  3. Sonja sagt:

    Gutes “Innenfutter”, auch für mich…und die Aufnahme mit der wunderbaren Musik im Hintergrund stellt dich irgendwie in eine Dichterinnentradition…so schön und wahrhaftig!
    Gruß von Sonja

    1. piri ulbrich sagt:

      Nicht nur irgendwie – ich fühle mich als Dichterin!

  4. christine b sagt:

    was du sagst geht mir ganz tief in die seele hinein.

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