Gedanken, Musik

Meine Güte

Warumfragen sollte man nicht stellen. Warumfragen sind müßig, weil es meistens keine Antwort darauf gibt. Warum ist dieses oder jenes so, wie es ist? Wenn man Warumfragen stellt, dann ist es schon geschehen und nicht mehr zu ändern – jedenfalls dieses Ereignis. Obwohl, wenn ich jetzt darüber nachdenke, sind diese Fragen doch nicht kontraproduktiv. Ach, ich glaube, man sollte nie pauschalisieren. Fragen sind immer gut! Allerdings sollte man damit rechnen, auch mal keine Antwort zu bekommen.

Es ist doof (anders kann ich es nicht bezeichnen), dass ich nicht zur Kur fahren kann. Wer Schuld hat – hat überhaupt jemand Schuld? Wer Schuld daran hat, ist mir zwar nicht egal, aber ändern tut es an der Tatsache nichts, dass ich nicht fahren kann. Dabei hätte ich Erholung dringend nötig. Ich merke es jetzt. Nach einer Woche bin ich bereit, richtig abzuschalten, die Seele baumeln zu lassen, ich kann endlich schlafen und träume wieder. Morgen kommen die Junioren heim und am Donnerstag fahren wir nach Hameln zur Beerdigung. Mein Kopf rattert. Ich habe sogar Schiss. Weil ich wahrscheinlich wieder ganz alleine dastehe und meine Geschwister, die hier ja gar nicht mitlesen, von anderen Verwandten nur Fragmente zugetragen bekommen und mir Herzlosigkeit vorwerfen. Ich hätte nach dem Fiasko beim Geburtstag meiner Mutter geschrieben, dass ich sie nicht wiedersehen wollte. Ich habe geschrieben […] auch auf die Gefahr hin, dass ich sie nicht lebend wiedersehe […], was ja wohl ein Unterschied ist! Aber, keiner meiner Geschwister will meine Sicht hören oder lesen. Stattdessen schweigen sie sich aus. Ich bekomme keine Antworten, auch nicht, wenn ich darum bitte. Meine Güte, was ist da schiefgelaufen in der Kommunikation? Diese Trauerfeier wird für mich zur Mutprobe. Ich muss das alles alleine schaffen, mit zwei traurigen behinderten Menschen. Ich schaffe das, das weiß ich – aber der Preis ist ganz schön hoch!

Die Tage in Hamburg waren gut, wichtig und schön. Auch wenn es gesundheitlich eine Blamage war, so habe ich es dennoch genossen. Ich gäbe was drum, ich hätte so eine Freundin hier vor Ort. Jemand, der mich respektiert, akzeptiert und annimmt, wie ich bin, mir auch mal zuhört …

… so und jetzt ziehe ich mich an!

Behinderung, Bücher, Familie, Gedanken, Kuddelmuddel, Kuddelmuddel

Überraschung im August

Eigentlich ist das heute ein Schiettag! Denn, ich fahre nicht, wie geplant, in 3 Wochen zur Kur. Die Kurzzeitunterbringung der Junioren findet nämlich nicht statt. Irgendwas ist schiefgelaufen. Möglicherweise sogar mein Fehler, weil ich mich auf Zusagen verlassen habe und diese nicht nachgeprüft habe. Dumm gelaufen. Es gibt in der Zeit, in der ich zur Kur fahren will, nirgends 2 Kurzzeitplätze für meine Kinder. Eventuell im Altersheim – aber das kommt nicht in die Tüte. Den Schreier heute Morgen hättet ihr nicht hören wollen und die zuständige Krankenkassenangestellte hat leider einiges hören müssen. Kismet, keine Kur, keine Kurzzeitunterbringung, keine Erholung.

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Dafür Post. Schöne Post. Aber auch eine offizielle Zustellung vom Amtsgericht – damit befasse ich mich später, hat irgendwas mit einem Baum zu tun, der auf dem elterlichen Grundstück steht und den eine Nachbarin gefällt haben möchte…

Die bunten Karten kommen von einer Hochebene hier im Ländle. Dieser netten Schreiberin kann ich antworten und ich werde ihr auch schreiben, dass ich mich sehr gefreut habe. So sehr, dass ich versuche, ihre Telefonnummer herauszubekommen. Und dann war da noch das Buch! Lebe, lache, liebe und sag den Sorgen Gute Nacht! Kein Absender. Kein handschriftlicher Hinweis. Kein Zettel mit einer Nachricht. Geld war in dem Buch noch drin. – Aber von wem ist diese Buchüberraschung? Ein Seelenbuch! Ich möchte Danke sagen für das Seelenbuch! Bitte melde dich! Wer hat mir das himmelblaue Tröstebuch geschenkt?

Leute, ich bin überwältigt. Wirklich! Dieser Zeitungsartikel, den Mut dieses Interview zu geben, hat einiges in Gang gebracht. Ich bin insgesamt mutiger geworden, habe mir etwas zugetraut, habe Menschen vertraut, habe mich auf Abenteuer eingelassen …

Mittags war ich gleich noch bei der Krankenkasse und habe einen neuen Kurantrag ausgefüllt. Noch vor einiger Zeit hätte ich den Kopf mindestens für 8 Wochen in den Sand gesteckt. Nebenbei habe ich gesehen, dass es bald in Heilbronn einen Unverpackt-Laden gibt, hab‘ mir endlich eine gescheite Handcreme gekauft – weil mir in Hamburg ein leicht dicklicher Mann mit Bart und kurzen Hosen in der S-Bahn erklärt hat, dass ich meine Nägel völlig falsch pflege. Rafael, man sah es ihm nicht an, war Naturwissenschaftler und hatte außer den Tipp mit der Fingerpflege noch so einiges auf dem Petto. Das Gespräch habe ich genossen, auch wenn der Typ nicht mein Typ war, so haben wir uns doch wundervoll intelligent unterhalten. Und, mir soll niemand sagen, dass man im öffentlichen Verkehr nicht ins Gespräch kommt. Ein Rollifahrer schimpfte mit seinem Begleiter. Na ja, eher frotzelten sie miteinander. Das fand ich toll! Ich habe mich einfach eingemischt und mit gequatscht und die Frau dann später neben mir auch. Dabei habe ich mich verfahren – aber das war’s mir wert.

… übrigens habe ich in der Zeit in Hamburg und Umgebung keine 10 Fotos gemacht. Ich habe geguckt und alles in mich aufgesogen – hoffentlich zehre ich noch lange davon!

… und jetzt könnt ihr wieder Kuddelmuddelgedankenkarrussel dazu sagen. Ist es ja auch, stimmt ja!

Gedanken, Gedicht

Nicht alle

Nicht alle Schmerzen sind heilbar

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.

Ricarda Huch

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Nicht alle Menschen mögen mich – muss ja auch nicht sein. Aber das, was jetzt jemand für mich macht; extra aus Hamburg kommt und mich abholt, damit ich nicht alleine durch halb Deutschland zu ihrem Geburtstag fahren muss, das hat noch nie jemand für mich gemacht! Endlich – endlich kann ich weinen!