Behinderung, Familie, Gedanken

ach komm

Sonntagmorgen sechs Uhr und ein paar Minuten: aus dem Kerlezimmer kommt ein erbärmlicher Schrei – irgendwelche ‘Sirdische’ wollen meinen Sohn entführen. Ich bin hellwach, versuche Carsten zu trösten. Dieser schläft binnen Minuten wieder ein und ich bleibe zurück! Verknittert, verschleimt, mit Husten – ach, das geht euch gar nichts an – jedenfalls sitze ich hier, habe inzwischen mindestens zwei Tassen Kaffee intus, gucke aus dem Fenster und schaue dem Regen zu. Meine Kakteen ersaufen! Es ist verdammt Herbst geworden. Während trockener Zeit krakeelen Vögel am Futterhäuschen, ich lasse sie einfach ein Haus weiterfliegen, dort gibt’s einen gedeckten Tisch für sie.

Manchmal, manchmal – so auch jetzt – sitze ich und fange an zu sinnieren. Die frühen Stunden sind es, die meine sind, die ich nicht nutze und stattdessen Wäsche wasche. Stimmt ja gar nicht! Würde ich sonst aus dem Fenster gucken?

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Nachtrag am Mittag:  Die Herrschaften sind aufgestanden, es geht beiden gut, es regnet weiterhin, für heute kommt keine Helferin (hat gerade abgesagt), ich werde vorlesen und irgendwann einmal für ein warmes Essen sorgen. Momentan mag niemand, allerdings wird schon seitens des Töchting für morgen vorgesorgt: “In die Werkstatt will ich nicht, da ist es grad gar nicht schön – weißt du, Corona und so weiter!”

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Wenn ihr wollt, dürft ihr uns gerne etwas in den imaginären Hut werfen!  Die Helferin heute hat einen lukrativeren Job an der Tankstelle, dort verdient sie in kürzerer Zeit eine ganze Menge mehr. Da können wir nicht mithalten!  Oder ihr kommentiert mal, denn viel lieber als alle Likes der Welt mag ich echte Kommentare!

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

4 Gedanken zu „ach komm“

  1. mo sagt:

    Das mit den Vögeln hat mich stutzig gemacht. Heißt das, daß Du Dich nicht immer um andere sorgen mußt? Dich nicht immer sorgen willst?

    1. piri ulbrich sagt:

      Mag sein! Das ist ein neuer Gedanke, der unterschwellig da war, aber während ich es schrieb, vielleicht nur im Hinterkopf waberte.

  2. freiedenkerin sagt:

    So was wie Sirdische haben mich neulich nachts auch in einem Traum heimgesucht. Nur wollten die mich nicht entführen, sondern mein Blut austauschen. Ich war mit vielen Schläuchen und Pumpen mit drei Anderen verbunden, die ich nicht erkennen konnte, und fest auf einen OP-Tisch geschnallt. Und dann hieß es, man würde mich jetzt für ein paar Minuten sterben lassen, dann aber wieder zurück ins Leben holen. Ich bin zum Glück aufgewacht und war von Kopf bis Fuß in Schweiß gebadet… Gruselig…
    Kommt gut durch den Sonntag.

    1. piri ulbrich sagt:

      Auch nicht gerade der schönste Traum!

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