Klärchens Lied

Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Langen
Und bangen
In schwebender Pein;
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt –
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.

Johann Wolfgang von Goethe

… und jetzt sollte und wollte ich etwas Weises schreiben! Da mir aber nichts dergleichen einfällt und ich zudem auch noch vom Töchting gerufen werde, möchte ich dem Geheimrat – der übrigens auch sehr unter Stimmungsschwankungen litt – nichts hinzufügen. Gute Nacht, euch allen!

eigentlich

…und uneigentlich!

Bin ich wirklich so?
So undurchsichtig,
so wenig erkennbar?

Bin ich so unnahbar,
so stachelig
in meiner Haut?

Eigentlich bin ich
doch ganz anders.
Ich komme nur
so selten dazu!

Bin doch weich
nicht fern
im hier und jetzt.

Möcht‘ sichtbar sein,
gesehen werden,
möcht‘ selber sehen.

[…]


In mir bammelt es. Je näher die Kur rückt, die Reha der Junioren und meine Kur für pflegende Angehörige, umso mehr bammelt es in mir. Meine Bedenken sind nicht vom Tisch, ich habe mich lediglich arrangiert! Ich weiß nicht, was auf mich und die Junioren zukommt. Das macht mir Angst! Gedanken geistern in meinem Kopf herum und dieses Ungewisse, dieses nicht eingreifen können, nennt es von mir aus keine Macht haben, lässt mich zittern.

Es ist niemand da, der meine Ängste versteht, ich fühle mich missverstanden und verstehe miss. Da steht mir mein Autismus wieder einmal sehr im Weg. Ich denke, dass mein gegenüber denkt und der denkt, dass ich denke – nur denken wir beileibe nicht dasselbe, möglicherweise das Gleiche! Aber wir sind verschieden. Ich kann mich schwer austauschen, denn meine Ironie scheint nicht verständlich zu sein und auch mein Witz ist anscheinend (wenigstens) merkwürdig.

Gerade jetzt sitze ich und gucke mich um und denke, dass wir ungefähr vier Wochen weg sind und währenddessen hier die Fliegen sterben. Ich sitze und denke darüber nach, was ich in die Koffer der Junioren packe. Denke, ob sie wohl auch einmal Süßigkeiten bekommen. Denke, ob Carsten gut gepflegt und rasiert wird und Wiebkes Haare schön frisiert werden – alles Dinge, die ich als Asperger-Autistin gerne geklärt hätte, die aber nicht zu planen sind. Ich könnte tausend Pläne machen – und habe auch im Vorfeld einiges schon telefonisch regeln wollen (ob es geregelt ist, kann ich nicht sagen), aber meine Panik, dass ja das und das und das und das (es spielt keine Rolle was) eintrifft und ich nicht den Überblick habe, ist riesig. Eins, weiß ich aber jetzt schon; wenn die Junioren ‚auf Kur‘ sind, dann sind meine Ängste verflogen, dann habe ich die Verantwortung abgegeben. Während der Zeit werde ich ruhig sein und nur im Nachhinein mir selber wieder Vorwürfe machen, dass ich dieses oder jenes ja hätte bedenken und ansprechen können …

Mich nerven diese autistischen Züge. Wenn mich jemand trösten möchte und mir sagt, dass das ja gar nicht eintreffen muss, dann könnte ich dem Tröster an die Gurgel springen, weil er ja gar nicht nachvollziehen kann, was ich denke…

… und so beißt sich die Katze in den Schwanz! Einerseits möchte ich jemanden zum Reden, andererseits weiß ich es eh besser. Eigentlich möchte ich, dass mich jemand unterstützt – uneigentlich möchte ich es doch alleine machen, weil ich es kann!

Kuddelmuddel mal wieder.

… und dann dieses Lied: