Behinderung, Familie

Tür zu

Es ist gut! Alle sind zufrieden! Carsten schreit die Sportschau  – ob an oder mit oder aus oder was weiß ich, das kann ich nicht sagen. Jedenfalls ist er sehr laut! Wiebke hat mich gerade angemeckert, dass wir vergessen haben, ihr keine Mütze aufgesetzt zu haben:  “Meine Ohrenschmerzen sind heftig! Das wirst du (sie meint mich) auch noch büßen!” Ich habe ihr die neue Mütze angeboten, bevor wir losstiefelten. Aber diese wollte sie nicht: “Ich bin doch nicht blöd und trage bei Sommerschein ‘ne Mütze über die Ohren!” Tja!

Oh Gott, ich muss die Tür schließen. Dritte Bundesliga scheint dramatisch zu sein – was ist dann erst in den oberen Ligen?

Die Herrschaften sind nicht ausgepowert – ich bin’s. Wir waren den ganzen Nachmittag unterwegs. Endlich mal wieder richtig spazieren gehen. Nicht nur ein kurzes Stück bis zu den Eseln und zurück. Ein bisschen weiter und im flotten Tempo. Schön war’s. Anstrengend war’s. Aber schön! Spätsommerwetter am Herbstanfang, am Bach entlang zum Rückhaltebecken, über die abgeernteten Felder zum Aussiedlerhof mit Café. Schon lange kein Geheimtipp mehr und recht überlaufen. Aber den Kaffee haben wir uns verdient! Eine Bandkollegin von Carsten & Wiebke hatte heute Zeit für uns… Ich danke dir M., auch wenn du es nicht liest!

Mein Töchting meint mich befreien zu müssen und öffnet die Tür zum Wohnzimmer. Gleich kommt mir wieder Fangeheule ins Ohr. Wiebke klagt: “Carsten hat so laut Sportschau!” “Na, dann geh doch in dein Zimmer!” “Dann hör’ ich doch nix mehr!” Ja, was denn nun? Zwischendurch meldet sich der Kerle und meint: “Du Mama, du brauchst jetzt nichts mehr zu essen zu machen. Ich bin satt von der Sportschau – ziemlich bedient!” Ich glaube, ich mache die Tür wieder zu! Und ich wünsche Carsten einen Mann an der Seite, der seine Fußballleidenschaft teilt. “Mama, du hast keine Ahnung!” Mir wünsche ich eine Schüssel, meine geschundenen Füße drin zu baden. Zwischen kleinem und zweitem Zeh habe ich – glaube ich – eine Blase. Und Wiebke – so glaube ich zu hören – plündert gerade den Kühlschrank. Ich muss mal in die Küche humpeln und ihr zum Käse auch ein Brot geben!

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*-  In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

3 Gedanken zu „Tür zu“

  1. mo sagt:

    Also, das sind schon beide ziemliche Persönlichkeiten! Gabˋs denn noch was zu essen für den Kerle?

  2. Barbara sagt:

    Mir geht es auch immer besser, wenn ich ausgepowert bin.
    Deine Junioren sind so unterschiedlich und doch so ähnlich. Ich mag, wie sie die Welt sehen.

  3. christine b sagt:

    während ich diesen eintrag gelesen habe mußte ich mehrmals kichern und schmunzeln.
    so lieb sind deine beiden! sehr kurzweilig bei dir….aber wenn man müde und mit schmerzenden füßen heimkommt, würde man die beiden sicher auch gerne mal 2 stündchen “abschalten”, denke ich.

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