Schlagwort: pflegende Angehörige

Frage

Wieder mal Pflege-von-Angehörigen-Gedöns. Müsst ihr nicht lesen – betrifft euch ja nicht. Oder doch?

Woran erkennst du, dass du erschöpft bist?

Nicht an Tränen. Nicht am lauten Schmerz. Sondern an diesen 3 leisen Anzeichen:

1. „Du funktionierst einfach.“ Aber wenn du genauer hinhörst, steckt dahinter: Ich fühle kaum noch etwas.

2. Auf die Frage „Was brauchst du gerade?“ kommt ein langes Schweigen. Nicht, weil du nichts sagen willst, sondern weil du es wirklich nicht weißt.

3. Du lächelst, während du vom Schmerz erzählst. Nicht, weil es leicht ist, sondern weil du gelernt hast, dass du nur geliebt wirst, wenn du nicht zur Last fällst. Erschöpfung zeigt sich oft nicht laut. Sondern still. Am leeren Blick. An müden Sätzen. An einem anwesenden Körper. Aber, da ist eine Seele, die längst auf dem Rückzug ist.

[Einklappen]

Mimöschen, das

Als Prinzessin auf der Erbse mache ich mich nicht gut. Ein Mimöschen bei Eis und Schnee zu mimen, ist eine dumme Idee – da friert’s jeden. Manchmal strotze ich vor solchen Ideen! 

∙∙∙∙∙

Ihr müsst es nicht, niemand muss es verstehen. Manche werden es verstehen. Ein Freund sagte mir: „Die Fallhöhe ist dann einfach höher […]“ Pflegende Angehörige haben kein Recht (wer hat das schon?)  Sensibelchen zu sein.

ich hab‘s verkackt

Hab ich es verkackt? Oder waren das die Umstände? Oder was?

Gestern Abend war ich sehr aufgewühlt. Wir waren mit einer unerfahrenen Helferin auf einem Akkordeon-Konzert. Es war virtuos! Doch vorher und danach haben beide Junioren gezickt ohne Ende. Ich konnte mich weder um meine Kinder noch um die Helferin noch um mich kümmern.

Ich war wieder einmal viel zu ehrlich und zu offensiv und weiß doch genau, dass ich manche Menschen damit hoffnungslos überfordere. Gehakt hat es, weil ich verboten hatte, Lego mit zum Konzert zu nehmen. Carsten meinte, ich wäre ein Tyrann und autoritärer Oberbestimmer! Es gab Stress ohne Ende. Der Kerle zerriss sein Perlenarmband, schmiss seine Uhr weg und wollte die Brille verbiegen. Das Töchting fing aus Solidarität an zu schreien und warf alles, was ihr in die Finger kam, irgendwohin – egal wohin. Hauptsache weg!

Die neue Helferin stand da und wusste nicht, was sie machen sollte. Ich konnte niemandem gerecht werden. Meinen Kindern nicht und der Frau nicht. So zwischen all den Stühlen zu sitzen, das wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht.

Während des Konzerts beruhigte sich die Situation wieder. Carsten hat dirigiert und Wiebke saß da und schaute den Künstlern auf die flinken Finger. Der Weg nach Haus war okay. Aber daheim war das Töchting völlig überfordert. Ich ehrlich auch. Reizüberflutungen allenthalben. Die Situation eskalierte und die wundervolle, nette, verständnisvolle Frau wurde zunehmend stiller und unruhiger. Am Schluss habe ich geweint – auch weil ich selbst völlig überfordert war und alle anderen ebenfalls überfordert hatte.

Obendrein habe ich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen, weil es nur Verlierer in diesem Spiel gab!

Copyright © 2026 voller worte

Theme von Anders Norén↑ ↑

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.