Behinderung, Junioren, Kuddelmuddel

Power

Es war schwierig, eine Überschrift zu finden, denn ich möchte weder Mitleid noch Lob für mein Verhalten.

Der gestrige Tag war eine Herausforderung, schon im Vorfeld. Die Junioren waren angespannt, und wenn sie angespannt sind, reicht ein falsches Wort, um die Situation eskalieren zu lassen. Ich wäge jedes Wort dreimal ab, doch trotzdem tappe ich ins Fettnäpfchen. Das Töchting pinkelt in die Hose und ist peinlich berührt. Anstatt mich sie umziehen zu lassen, wehrt sie sich mit Händen und Füßen dagegen überhaupt hochgenommen zu werden. Ich muss meine gesamte Kraft aufbringen, um sie aufs Klo zu setzen.

Gleichzeitig wirft mir der Kerle vor, diktatorisch zu sein. Das schaukelt das Töchting hoch, und sie schreit noch mehr. Nebenbei läuft mir die Zeit davon. Wir müssen rechtzeitig los, und ich muss beide ins Auto setzen und die Rollstühle in den Kofferraum heben. Die dicken Winterjacken sind zwar sehr weich, aber dennoch unbequem und schränken die ohnehin schlechte Beweglichkeit noch weiter ein.

Wie soll ich das allein auf dem Friedhof schaffen? Wie komme ich mit zwei Rollstühlen zur Aussegnungshalle?

Wir haben es geschafft. Ein unbekanntes Pärchen hat mir geholfen, den Berg hochzuschieben, und Bekannte haben mir geholfen, wieder zum Auto zu kommen. Von den aufgeregten Junioren fiel der Druck ab, von mir noch lange nicht! Erst spät in der Nacht, als beide schon lange schliefen, kam ich zur Ruhe. Ich war ausgepowert!

Heute sind wir noch einmal unterwegs (auf Wunsch der Junioren) und fahren zum Spielnachmittag ins entfernte Dorf zu Freunden.

Alltag, Familie, Gedankenchaos

was bei mir so an den Wänden hängt

Im Frühjahr ist mir dieser Spruch begegnet. Keine Ahnung mehr wo. Damals habe ich die unsäglich Tagesklinikerfahrung gemacht. Statt mich aufzubauen, wurde ich dort als renitent und nicht therapierbar eingeschätzt. Sie wollten mir unbedingt einreden, dass ich depressiv sei. Die Erzählungen der alten Leute passten so gar nicht zu mir – ich fand mich nicht wieder. Meine Ängste wurden nicht ernst genommen und meine Neurodivergenz, und mein Autismus wurde als überkritisches Getue abgetan. Mir wurde Unhöflichkeit attestiert und Wortklauberei. Diese Indoktrination hat bei mir Spuren hinterlassen. Ich konnte mir selbst kaum noch trauen und zugetraut habe ich mir immer weniger.

In der Tagesklinik war ich die, die andere Menschen aufgebaut hat, die ihnen zugehört hat – meine eigene Geschichte fand ich zu speziell und uninteressant für die anderen. 

Jetzt bin ich lange Zeit mit der Bewältigung von Behindertenproblemen beschäftigt gewesen. Das klärt sich! Zwar nicht so, wie ich es mir erhofft habe, aber immerhin ist ein Ende in Sicht. Ich kann also wieder mehr an mich selbst denken.

Als erstes habe ich meine Fitnessuhr aktiviert und sie sagt mir, dass meine BodyBattery extrem am Limit ist. Sie sagt mir auch, dass ich an normalen Tagen, ohne Spaziergang 10000 Schritte laufe – ich bin quasi immer in Bewegung. Eine Bekannte fragte mich letztens, ob ich denn auch mal 10 Minuten still sitzen könnte? Ob mir allerdings Yoga, Meditation oder autogenes Training hilft? Keine Ahnung. Ich würde gerne Feldenkrais machen.  Aber es gibt vormittags keine Kurse und abends kann ich nicht. Wie kann ich cool bleiben, ohne langweilig zu werden?

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Ach ich bin froh, wieder Kuddelmuddelbeiträge schreiben zu können – wenn ihr auch nichts kapiert (nicht böse gemeint), so bin ich’s doch wenigstens los!

Behinderung, Familie, Gedankenchaos

kämpfen

Zeitfragen Feature – so kämpferisch bin ich nicht. Ich habe die Kraft dazu nicht. Nur ein bisschen kämpfe ich auch um die Teilhabe am Leben für die Junioren. Auch deswegen bin ich momentan ein bisschen schweigsamer. Ich streite mit dem Sozialamt, habe aber Unterstützung dabei. Nebenbei kämpfe ich noch massiv mit meinen Ängsten, denn anfreunden kann ich mich mit ihnen nicht.