Kuddelmuddel

Fragmente im Juni

… oder der Tag fängt gestresst an!

Mein Töchting hat ein Faible für Ringe. Für Ringe jeder Art. Es müssen keine goldenen sein. Wenn sie glänzen, ist das ein Vorteil. Wenn sie ein Steinchen haben, dann ist die kleine Frau glücklich! Nur, und damit beginnt der Stress am frühen Morgen, nur wenn mein Töchting den Ring, der für den Ringfinger gedacht ist, auf den Mittelfinger steckt, dieser dick wird und der olle Ring nicht mehr heruntergezogen werden kann, dann ist’s im wahrsten Sinne des Wortes eng!

Schon am Morgen habe ich alles versucht. Creme, viel Creme – funktionierte nicht. Fadentechnik lies meine Tochter nicht zu. Sie wollte kein Band um den Finger gewickelt haben. Einen scharfen Seitenschneider besitze ich nicht! Was war ich froh, als eine angehende Heilerzieherin aus der Werkstatt anrief, dass sie dort den Ring abgezwickt hat.

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Irgendwie ist das jetzt gar kein Fragment mehr.

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Himbeeren gibt es! Der Kerle isst, isst Himbeeren. So schön.
Mücken gibt es! Allein drei Stiche dieser Viecher habe ich im Gesicht.
Eis gibt es und Schokolade.
Dicke Finger gibts zum Glück keine (mehr). Dafür Füße, die anschwellen und im Wasser baden.
Hunger hab ich keinen, dafür umso mehr Durst.

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am Ende des Tages

Ein klitzekleines Wunder ist passiert! Carsten hat in der Werkstatt gut gegessen, kein einziges Mal gespuckt und ausreichend getrunken. Ich freue mich sehr, weiß aber auch, dass das nur eine Momentaufnahme ist. Doch – alles wird gut! Ganz bestimmt. Vielleicht ist auch bald eine Entspannung ganz nah. Wer weiß?

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kotzen

Mir rutscht jedesmal mein Herz in die Hose, wenn Carsten zu schnell seine Aufbaunahrung trinkt und prompt anfängt zu husten.

Es ist ein Trauma – definitiv! Der Kerle muss doch was essen! Warum lässt man mich so alleine? Den Spruch, dass man so schnell nicht verhungert, diesen Spruch kann ich nicht mehr hören, ohne zu schreien. Ja, ernsthaft – schreien! Denn diese Menschen kennen Carsten nicht. Und glaubt mir, man kann! Carsten hat kein Hungergefühl und sein Magen fasst keinen Eierbecher voll Essen – alles, was darüber hinausgeht, ist zu viel!

Und meine Angst – wenigstens diese Angst – ist sehr real und keinesfalls diffus.

Schonungslos
  • Weil es so ist
  • weil ich nichts beschönigen will
  • weil mich diese Angst auffrisst
  • weil ich so alleine damit bin
  • … und wer damit nicht klarkommt, der soll wegbleiben
  • ich komme auch nicht damit klar – muss aber bleiben
    [collapse]

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Miniabriss | mit Fortsetzung

Wiebke will im Bett frühstücken. Es ist Sonntagmorgen und somit ist das okay für mich. Sie bekommt ihren Kakao und ein paar Kekse, denn eigentlich ist das Töchting ein Frühstücksmuffel.
Carsten will nicht, aber muss. Wenn man ihn fragt, will er immer nicht. Geschickt ist es, ihm die Astronautenkost im Bett hinzuhalten, damit er nur trinken muss. So haben wir das heute – gerade eben – auch gemacht. Ihr müsst euch das so vorstellen, dass ich neben dem Bett knie, das ca. 15 cm hoch ist* – vom Boden aus. Quasi hocke ich gekrümmt auf dem Teppich und halte ein Fläschchen hochkalorische klebrige Nahrung in der Hand, aus dem der Kerle hastig trinkt. Ich sage noch: „Mach langsam!“, da schießt es auch schon fontänenmäßig aus ihm heraus.

  • zum besseren Verständnis: der Kerle liegt nicht im Bett. Er sitzt in der Hocke aufrecht, denn liegend wäre es eine Quälerei.

Ich schreie
zittere
heule
fange an zu weinen!

Carsten kann nichts dafür. Er ist total bedröppelt. Aus Wiebkes Zimmer höre ich eine ängstliche Stimme. Aber ich kann grad nicht zu ihr. Da höre ich etwas durch die Gegend fliegen. Zum Glück nicht ihr Tablet. Zum Glück nur ein paar Schlümpfe und ihre Uhr.

Der Morgen beginnt mal wieder völlig unentspannt – es kann also nur besser werden!

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Nachtrag: übrigens hat Wiebke eine Stunde später ihren Kakao noch immer nicht ausgetrunken. Ich rede ihr jeden Schluck in den Mund. —> Fortsetzung