Behinderung, Familie, Gedanken

stark sein

Es heißt landläufig, dass man nicht immer stark sein muss, dass man sich eine Schwäche eingestehen darf und dass das sogar als Stärke ausgelegt werden kann. 

Tja, wer macht dann meine Arbeit? Und kümmert sich dann jemand um mich? Greift mir unter die Arme? Oder ist es nicht eher so, wenn pflegende Angehörige – da spreche ich ganz bewusst auch für andere – noch mehr allein gelassen werden, weil niemand etwas falsch machen möchte und deswegen gar nichts tut. Dabei ist es gar nicht die Pflege, die getan werden muss. Dies ist oft Routine und flutscht von der Hand. Manchmal ist es das immergleiche, das mürbe macht. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass Wiebke jeden Morgen über ihr Vesper meutert. Wenn ich weiß, dass Carsten seine Wäsche nach Hause bringt und wieder gekotzt hat. Wenn ich nicht weiß, wie ich dem Kerle Essen schmackhaft mache. Wenn mir niemand dabei helfen kann und ich denjenigen, die mir Hilfe anbieten, immer und immer wieder sagen muss, dass ich das auch schon ausprobiert habe oder der Ansatz nicht passend ist. 

cut

Gestern hat mein Bruder angerufen. Er hat erzählt was er Weihnachten macht und was zu Silvester. Als ich davon sprach, dass wir Silvester auch gerne woanders wären, es aber leider nicht möglich ist und ich dabei immer trauriger wurde und anfing zu weinen – da wusste mein Bruder keinen anderen Ausweg und hat aufgelegt: „Ich erwarte einen dringenden Anruf, der sehr wichtig für mich ist!“ Urteilt nicht über meinen Bruder, er ist unsicher, er weiß mit der Situation nicht umzugehen. Auch hier im Blog habe ich das Gefühl, dass ich euch überfordere und ihr mit der Situation nicht umzugehen wisst. Das soll kein Vorwurf sein. Manchmal wünsche ich mir nur ein bisschen Mitgefühl. Manchmal nur ein gutes Wort …

Sorry! 

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*-  In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

15 Gedanken zu „stark sein“

  1. gerda kazakou sagt:

    ein gutes Wort, liebe Piri, wenn es denn hilft: sei umarmt und gedrückt. Gerda

    1. piri ulbrich sagt:

      Ja natürlich hilft das. Wenn immer alles selbstverständlich ist, das ist doch kein Trost …

  2. Sonja sagt:

    Liebe Petra,
    du bemühst dich so sehr, fast alles zu verstehen, auch das rüde Verhalten des Bruders, weil es eben hilflos ist. Das ist gut. Es könnte auch ganz anders sein, biestig, böse, bitter…Ich packe ein paar gute Worte in zartes Mandarinchenpapier und schicke sie dir!
    Sonja

    1. piri ulbrich sagt:

      Danke, aber es tut alles so weh – auch mit Verständnis!

      1. Barbara sagt:

        Auch ein liebes Wort von mir, Du bist oft in meinen Gedanken.
        Fühl Dich gedrückt.

  3. christine b sagt:

    zum eintrag Entschuldigung
    petra, bitte schreibe weiter, ziehe dich nicht zurück, schreibe dir deine sorgen von der seele, wir hören dir zu und schicken gute gedanken an euch drei, die ihr uns so lieb geworden seid!
    ich schicke euch ganze engelsscharen um dir zu hilfe zu kommen, die menschen schaffen es ja leider nicht so wie man es sich sehr wünscht.
    ich umarme dich
    christine

    1. piri ulbrich sagt:

      danke

  4. Violine sagt:

    Danke für die Erklärung!
    Weisst Du, ich bin so ein lösungsorientierter Mensch. In der Technik ist das das richtige, aber nicht im Umgang mit Menschen. Aber wenn ich weiss – von alleine bin ich da nicht draufgekommen – dass auch ein Drücker Euch/Dir schon hilft, dann sag ich das jetzt.
    Die Menschen sind da auch unterschiedlich. Meine Mutter fand so angezündete Kerzen – ich drücke es jetzt mal so aus – immer doof. Andere finden es gut. Da weiss ich immer nie so den richtigen Weg zu finden.

    1. piri ulbrich sagt:

      Angezündeten Kerzen sind nett, aber helfen tun sie nichts. Weißt du, ein an uns denken und das auch manchmal sagen, lässt mich nicht so allein. Wenn es eine Lösung gäbe, glaub mir, ich hätte sie schon gefunden. Denn ich bin ein pragmatischer Mensch. Manchmal hilft es auch, wenn man sich zusammensetzt und redet – auch wenn zum 500mal alles durchgekaut wird. Das setzt natürlich ein dickes Fell voraus.

      Ich gäbe was drum, ich hätte eine Lösung für Carstens Essproblem und für unsere Isolation!

      1. Violine sagt:

        Da gäb ich auch was drum! Ihr seid so weltoffen, alles andere als gemacht für Isolation.
        Und Carstens Essproblem … wenn es dafür nur eine Lösung gäbe. Es wäre einfach nur zu toll!

  5. fata morgana sagt:

    Liebe Petra, meist bin ich stille Leserin bei dir, weil mir oft die Worte fehlen. In Gedanken aber bin ich sehr oft bei dir…und das sind nicht nur Worte.
    Immer wenn ich meine Arbeit tue, welche nicht nur Arbeit ist, sondern eine Herzenssache, denn sonst könnte man dies nicht tun – dann denke ich an dich und all die Dinge, die du tagtäglich erledigst, mit all den anstehenden Problemen und seelischen und körperlichen Belastungen die du auf dich nimmst….

    Den Schnee, der bei dir leise über die linke Seite des Bildschirms rieselt finde ich wunderschön und so beruhigend.. Manchmal sitze ich ein paar Minuten einfach da und schaue dem zu…danke dafür.
    Ganz herzliche Grüße zu dir, Antje.

    1. piri ulbrich sagt:

      Ab und zu nur ein kleines aufmunterndes Wort! Danke, fürs an mich denken – ja, ich weiß, dass viele mit ihren Gedanken oft bei uns sind. Das freut mich und ein Trost ist es auch!

  6. Rosa A. sagt:

    Ich weiß, es ist keine Hilfe, und doch möchte auch ich Dir, liebe Petra, einen herzlichen Gruß hinterlassen mit der Hoffnung, dass es wieder besser wird …
    Rosa

  7. piri ulbrich sagt:

    Was soll besser werden? Dass Carsten isst? Das tut es nicht! Doch die Hoffnung, diese nicht aufzugeben, das ist schon mal gut.

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