Gedanken, Kuddelmuddel

so oder so

Es war Nacht. In der Enge der Höhle war es bitterkalt, da halfen auch die unzähligen Decken und Eisbärfelle wenig – sie wärmten einfach nicht! Der Mann, an den ich mich kuschelte, legte liebevoll den Arm um mich, denn er spürte, mich machte das Geheule der Wölfe nervös. Sehen konnte ich sie nicht, aber ihre Anwesenheit war spürbar in dieser unendlichen Weite, da draußen im Winter. Wie nah waren sie schon an uns herangekommen? Was haben sie vor?

Ich habe Angst – aber haben diese Tiere nicht auch Angst?

Da schaut eins vorsichtig durch die Öffnung in die Höhle hinein. – Ich schreie!!! Verschreckt springt die Wölfin zurück und rennt in der Dunkelheit davon. Es war Nacht und mir war bitterkalt.

Manchmal bin ich die Wölfin, manchmal die zu beschützende Frau. Aber immer bin ich die, die Sehnsucht nach Geborgenheit hat. Denn auch die Wölfin, die sich vorsichtig an die Höhle gewagt hat, hat dies nicht ohne Grund getan. Vielleicht war sie nur die Leitwölfin, die für ihr Rudel einen sicheren Platz in einer geschützten Umgebung gesucht hat.

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*-  In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

4 Gedanken zu „so oder so“

  1. M. - K. sagt:

    So schön erzählt.
    Wir sind nie nur eindimensional.
    Ich bin viel mehr als ein Mensch, eine Frau…
    Manchmal zeigt sich unsere Sehnsucht deutlich. Manchmal ist anderes im Vordergrund. Wie wir damit umgehen, mit unseren Sehnsüchten, hängt auch davon ab, was in dem Moment möglich ist.
    Ich möchte mich nicht einfach jemand fremden an den Hals werfen, obwohl vielleicht meine Sehnsucht nach gehalten werden groß ist. So kann ich nicht immer alle Sehnsüchte stillen. Sie mir anzusehen und gewiss zu machen, ist ein großer Schritt, mich selbst zu sehen. Liebe Grüße an die Wölfin und an die Frau in der Höhle. Ich habe Dich wahrgenommen. Danke, das ich (als Leserin) das durfte.

    1. piri ulbrich sagt:

      Ich danke dir, denn deine Kommentare zeugen davon, dass du aufmerksam und niemals nur oberflächlich liest. Das weiß ich sehr zu schätzen.

  2. christine b sagt:

    das hast du so schön und echt beschrieben, dass es mir kalt über den rücken läuft. wir alle suchen die geborgenheit, mensch und tier.
    die wölfin ist auch in uns müttern angelegt. ich habe diese situation die du beschreibst genau vor augen und entscheide mich, diesen moment die frau zu sein, ich weiß, dass wölfe immer weglaufen, wenn man sie anschreit. hätte ich allerdings ein kleines kind neben mir liegen, würde ich vor angst zittern, ob sie es holen, wenn wir schlafen.
    wie schön müßte es sein, die hungrigen wölfe zu füttern, sich mit ihnen anzufreunden , vor 20 000 bis 40 000 jahren geschah das auch, die wölfe wurden domestiziert und zu unseren hundefreunden.
    heute kuscheln wir mit unseren hunden und das leben mit ihnen gibt uns sicherheit und lebensfreude.
    danke für diesen eintrag, der ist wunderbar, ich wünsche dir von herzen, dass du geborgenheit erfahren darfst.

    1. piri ulbrich sagt:

      Danke Christine – ich mag diese Höhlengeschichte so sehr gerne und mit deiner Interpretation gehe ich völlig konform!

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