Es gibt kaum eine Erinnerung, die mehr in mich eingebrannt ist wie die erste Begegnung mit meinem Mann. Ich sehe ihn mit seinen befreundeten Kollegen in der Setzkastengasse stehen – schulterlange Haare, eine Jeans im Schritt eingerissen, T-Shirt in undefinierbarer Farbe, hellbraune Wildlederboots und ein frecher Blick, der mich Lehrmädchen im zweiten Jahr abschätzenden taxierte. Ich weiß noch, dass ich mich sehr schnell ins hinterste Eck der Lehrwerkstatt verkrochen hatte, um immer wieder aus der Deckung heraus diesen neuen Mann anzugucken.
Jahre später hat er mir gesagt, dass ihn eine Kollegin vor mir gewarnt hat; ich wäre unberechenbar!
Kleinkrieg
Darauf habe ich keine Lust mehr, das hatte ich schon viel zu oft. Mir wird vorgeworfen, dass ich mich auf »so bin ich halt« zurückziehe. Hab ich nicht, scheint aber so angekommen zu sein. Tatsächlich bin ich den Konflikt, an dem ich maßgeblich beteiligt war, sehr selbstreflektierend angegangen. Natürlich bin ich Autistin, das kann ich nicht leugnen und ehrlich gesagt wäre ich das gerne nicht. Dann hätte ich das eine oder andere Mal besonnener reagiert. Dass ich zu schnell für manche Menschen bin, hat man mir gestern wieder unverblümt gesagt. Ich stünde hinter mir als Sklaventreiber und leider würde ich diese Maßstäbe auch an andere anlegen.
Mir ist vorgeworfen worden, dass ich Menschen kränke, durch meine schroffe Art. Ja stimmt zum Teil, aber ich mache das niemals mit böser Absicht. Kommt nur leider anders an.
wir machen weiter mit den Nachrichten
Ein neuer Krieg, nein es ist der alte
Die Katastrophen sind auch nicht neu
Nur anders
Der Preis wird höher
Die Aktien steigen nicht
Es wird geputscht
Woanders wird gehungert
Wasser ist knapp
Es brennt
Ich schalte ab
Wolken, Regen und noch mal Regen
© petra ulbrich
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07:38 Uhr – Die Junioren haben schlecht geschlafen. Okay, besser heute, als am Wochenende – da sind wir kulturell unterwegs! Deswegen gibt‘s heute einen Ruhetag. Audio im Kommentar!