Behinderung, Gedanken

Lass uns über den Tod reden

Wir sterben mit den Sterbenden
Sieh, sie scheiden, und wir gehen mit ihnen.
Wir werden mit den Toten geboren:
Sieh, sie kehren wieder und führen uns mit.

TS Elliot

Nee, ne oder muss das sein? Ja, ich denke schon! Die Junioren und ich haben das gestern Abend gemacht. Tod ist ja bei uns auch ein Thema – der Papa starb vor 7 Jahren sehr plötzlich, quasi aus dem Leben gerissen. Und es war notwendig, dass wir gestern geredet haben. Denn meine Kinder haben Angst, gerade weil ich so krank bin, dass ich auch sterbe. Wenn wir nicht dies heikle Thema angesprochen hätten, dann hätten sie es für sich behalten. Es für sich alleine behalten, alle Ängste mit sich alleine ausmachen, das ist nicht gut und für geistig behinderte Menschen, die ganz andere Horrorszenarien im Kopf haben, eine noch größere extreme Belastung.

Wir reden über alles! Ich rede mit den Junioren so, dass sie mich verstehen. Das heißt nicht unbedingt, dass ich eine sehr einfache Sprache verwende. Auch behinderte Menschen können komplexe Probleme erfassen und meine beiden fragen, wenn sie etwas nicht verstehen – auch über den Tod. Als der Papa starb und dieser nicht mehr da war, war es ein großes Thema, wo er jetzt ist. „Auf keinem Fall auf dem Friedhof!“ Carsten hat es erkannt – „Da ist nur Asche.” „Mal ist er bei uns und mal nicht!“ „…und wenn ich ihn brauche, dann ist er meistens nicht da – so wie früher ja auch!“

Uuups, such Life! – Wie ist das bei euch, redet ihr auch über den Tod?

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*-  In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

11 Gedanken zu „Lass uns über den Tod reden“

  1. B sagt:

    Als die anderen Großeltern meiner Enkelin starben, war sie sehr traurig. Jetzt 2 Jahre später habe ich bemerkt, dass meine Erklärung, dass beide in ihrem Papa weiterleben und durch ihn auch in ihr und je älter sie wird, das immer mehr spüren wird, sehr geholfen. Neulich meinte sie, sie könnte so gut backen, weil Oma A das ihr vererbt hätte. Sie ist jetzt 8 Jahre alt.

  2. Christel sagt:

    Tod: ein sehr wichtiges Thema.
    Ja, ich tausche mich mit Menschen über den Tod aus.
    Gerade gestern haben wir noch gesagt wie wichtig dieses Thema ist und dass es auch in den Schulen thematisiert werden müsse.

    7 Jahre eine lange Zeit –
    und doch …
    als wäre es gestern gewesen.

    Ich hatte eine Verwandte mit geistiger Behinderung. Es war immer wieder spannend, mich mit ihr zu unterhalten. Sie starb vor Jahren in einem Hospiz wo ich die zuletzt sah. Annette wurde 52 Jahre und war damals sehr krank.
    Vor Jahren habe ich eine Ausbildung in unserem Hospizverein gemacht.

  3. Olpo sagt:

    Ich spreche mit meinem Tod manches Mal über ihn
    Erzähle daß ich ihn gespürt habe wenn er mir nahe war
    Dann grinst er und meint
    Bisher hast Du Dich nicht entschließen können mich zu treffen
    Ich antworte Nein das Leben hält mich fest im Arm
    Und er geht mit den Worten er komme wenn ich ihn brauche

    Deine Situation ist eine andere, Du mußt, nach den gegebenen Möglichkeiten, Vorsorge treffen. Bei mir ist das einfacher. Ich habe meine Kinder enterbt, meine Vermieterin kriegt mein Vermögen und ich das ihre, je nachdem. Wie einfach.

    Gegenfrage: was denkst Du, wie es den Kids gehen wird nach Deinem Ableben, welche Maßnahmen kannst Du treffen, daß sie nicht irgendwo ‘verwahrt’ werden, sondern leben dürfen ?

    1. piri ulbrich sagt:

      …frag mich was anderes, denn diese Fage brennt und tut weh!

  4. M. - K. sagt:

    Ja, wir sprechen darüber.
    Es ist ein Lebensthema, gehört doch dazu – und für so viele Menschen doch nicht.
    Aber, in der Familie, wo es Thema sein müsste, war, sein wird, da ist es schwer.
    Die Einstellung, da, liegt nur der Körper, ja. Vermitteln, der Papa ist „da“, im „Himmel“, da, wenn du an ihn denkst.
    Schwer. Manchmal zu nahe und doch so wichtig, wenn das Thema aufkommt oder Ängste da sind.
    Trotzdem, eine Sicherheit für alles kann niemand aufbauen.
    Liebe Grüße!

  5. Paula sagt:

    Ja, ich rede über den Tod auch ungefragt, auf jeden Fall ist der Tod ein guter Ratgeber für die Lebenden. Ich verschwende keine Zeit mehr, weil ich weiß wie schnell das Leben zuende sein kann.

  6. Rolf MärchenMan sagt:

    Ich kann/darf nicht über das Thema Tod reden, weil es nicht erwünscht ist… also denke ich über ihn nach und das täglich!
    LG

  7. Wechselweib sagt:

    Ja, mit meinen Kindern, aber auch mit meinem Mann und meinen Eltern und mit einigen Freunden. Es gibt genug Anlässe dafür bei uns leider. Und ich finde es wichtig, darüber zu reden, auch um mit der Angst umzugehen, oder um sich liebevoll zu erinnern.

  8. mijonisreise sagt:

    Das Thema war in der Vergangenheit schon oft Thema und ja, wir reden drüber.
    Der Junior mag nicht, für ihn ist der Gedanke einfach nicht zu ertragen, das auch ich sterben werde.
    Die Mädchen? Finden es doof. Bei Mini ist dies auch mit der Frage gekoppelt, was dann mit ihr wird.
    Und ich? Ich habe Phasen, da macht es mir keine Angst. Zu anderen Zeiten verursacht es Schluckbeschwerden und dies erstaunliche Gefühl, bleiben zu wollen.

  9. Der Emil sagt:

    Der Tod war auch in meinem Leben ein wichtiges Thema, über das ich damals viel und oft redete. Nun, da ich weniger Menschen habe, mit denen ich reden kann und will, ist er trotzdem … da, vorhanden, nicht wegzudenken, gar wichtig? und will die ihm gebührende Aufmerksamkeit. (Nicht zuletzt, weil auch mir immer wieder meine Endlichkeit einfällt und auffällt, und dann rede ich zwar nicht, aber ich schreibe darüber, wenn auch nur selten öffentlich.)

  10. gerda kazakou sagt:

    Reden tue ich eigentlich selten über den Tod, aber ich habe viel mit ihm zu tun, denn er (oder sie? la muerte) war seit meiner Geburt mein Begleiter, da ich meinen Vater sehr früh verlor. Durch meine Tätigkeit als Famiienaufstellerin begegne ich oft Menschen, die einen schweren Verlust verarbeiten müssen, entweder schon als Kind oder ganz aktuell. Der Tod, so fand ich langsam heraus, ist nicht ein- und derselbe, er hat so viele Gesichter wie das Leben, von dem er Teil und Ende ist. Du kümmere dich vorrangig um dein Gesundwerden! Liebe Grüße!

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