Gedanken

für GuLö

Die Bohnen des Dankes

Man erzählt sich die Geschichte von einer weisen Frau, die sehr, sehr alt wurde und tief glücklich lebte. Sie war eine Lebensgenießerin par Excellence. Nie verließ sie das Haus, ohne eine Handvoll Bohnen einzustecken. Sie tat dies nicht, um die Bohnen zu verkaufen. Nein, sie nahm sie mit, um so die schönen Momente des Lebens bewusster wahrnehmen zu können.

Für jede Kleinigkeit, die sie tagsüber erlebte – so zum Beispiel einen fröhlichen Schwatz auf der Straße, ein köstliches Brot, einen Moment der Stille, das Lachen eines Menschen, eine Tasse Tee, eine Berührung des Herzens, einen schattigen Platz in der Mittagshitze, das Zwitschern eines Vogels – für alles, was die Sinne und das Herz erfreute, ließ sie eine Bohne aus der rechten in die linke Jackentasche wandern. Manchmal waren es gleich zwei oder drei.

Abends saß sie zu Hause und zählte die Bohnen aus der linken Jackentasche. Sie zelebrierte die Minuten. So führte sie sich vor Augen, wie viel Schönes ihr an diesem Tag widerfahren war und freute sich. Und sogar an einem Abend, an dem sie nur eine Bohne zählte, war der Tag gelungen – es hatte sich gelohnt, ihn zu leben.

Mündlich überliefert

Veröffentlicht von piri

Ich danke fürs lesen. Hier gibt es die Möglichkeit etwas in den, wenn auch nur virtuellen Hut zu werfen. Herzlichen Dank! ✨ Bitte nichts kopieren und mein Urheberrecht berücksichtigen. ✨ In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

3 Gedanken zu „für GuLö“

  1. Ursula sagt:

    So schön! Genau das hat mir gestern eine liebe alte Bekannte, die ich schon ewig nicht gesehen hatte und zufällig traf, erzählt.

  2. Gerel sagt:

    Eine beachtenswerte Geschichte!
    Ja, auch ich sollte mich besinnen, mein Herz wieder mit Dankbarkeit für all die schönen kleinen Dinge des Tages zu füllen!

  3. M. - K. sagt:

    Die Geschichte war mir nicht unbekannt, aber sie, gerade jetzt, hier noch einmal zu lesen, war ein wunderbarer Fingerzeig.
    Ich glaube nicht so sehr an Zufälle.
    Dafür möchte ich mir ein paar Bohnen zulegen und auch welche zu Weihnachten verschenken.
    Danke für den wohltuenden Impuls.
    Kerzenscheingrüsse!

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