Gedanken, Kuddelmuddel

Montag – 4:21 Uhr

Kaffeetasse

Der Nachbar steht auf, wenn ich nachts aufs Klo gehe. Er ist ein reiner Morgenmensch. Abends um halb neun liegt es schon im Bett. Für mich verkehrte Welt! Mir scheint, er ist zufrieden und das ist doch die Hauptsache.

Ich höre Podcast über Kriege, Ampelkoalitionen, geschenkten Pferden aus der Mongolei und unvermeidlichen Rüstungsausgaben. Mein Bauch grummelt nicht nur deswegen und meine rechte Schulter ist seit längerem aufgekratzt. Jetzt fängt auch noch mein linkes Knie an zu jucken und aus meiner Haut raus kann ich nicht. Aber aufkratzen! Stülpt sich mein Inneres nach außen?

Heute ist Rosenmontag! Die Jecken und Narren feiern. Dürfen sie. Aber ich muss nicht Karneval oder Fasching oder ich weiß nicht was schunkeln. Hier in der Gegend ist der Faschingsdienstag der Tag der Tage und auch nicht so politisch, wie in Mainz. Bin ich nun als absoluter Muffel verschrien?

 Der Nachbar grüßt, ich verschwinde im Haus, mache mir noch einen Kaffee, creme mir meine Haut, wecke die Junioren um halb sieben – sie baden beide schnell noch bevor sie in die Werkstatt gehen – und dann…

Behinderung, Gedanken

aufgeben gilt nicht

Allerorts lese ich, dass Menschen, die mit Menschen arbeiten – Pflegekräfte, Erzieher * innen, Lehrer * innen, Ärzt * innen, etc. pp. – ausgebrannt sind! Ich kann sie verstehen und sehe es mit großer Sorge.

Als ich letztens mit einer (fast) befreundeten Ärztin über den Streik der Lokführer sprach und ich sagte, dass pflegende Angehörige überhaupt keine dieser Möglichkeiten haben und diese sagt: „Natürlich können Pflegekräfte streiken!“, da wuchs in mir ein hochheiliger Zorn, der nur geschluckt werden konnte. Die Frau hört auf, geht in Rente, vorzeitig, weil sie nicht mehr will. Sie reitet lieber und kümmert sich um ihre Pferde! Ganz abgesehen davon, dass ich keine Pferde habe, kann ich nicht einfach den Bettel hinschmeißen. Auch nicht, wie so manche Lehrkräfte, die vor großen Klassen stehen, wo nur ein Drittel der Schüler deutsch spricht. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich diese Menschen verurteile. Nein, ich verstehe ihre Nöte. Ich verstehe, dass sie nicht mehr können. Aber wer badet das aus? Wer hat schlussendlich das Nachsehen? Wenn keine Lehrer * innen mehr unterrichten, wenn niemand mehr da ist, der pflegt. Wenn wir noch größeren Ärztemangel haben und kranke Menschen ein Dreivierteljahr auf einen Lungenfacharzttermin warten müssen? Wer kümmert sich um behinderte Menschen, und sei es nur in besonderen Werkstätten? Inklusion geht nur mir Unterstützung. Aber wenn diese niemand leisten will? Oder kann?

Mir wird immer wieder ans Herz gelegt, meine Junioren doch nun endlich in ein Heim zu geben. Nein, das kann ich nicht. Es muss auch anders möglich sein, dass sie zufrieden, fröhlich, glücklich sind – und am ‚normalen‘ Leben teilhaben können. Nee, ich gebe nicht auf! Ich bin körperlich fit. Hier und da zwickst vielleicht auch mal – vor allem in der Seele – aber ich werde nicht aufgeben!

Bücher, Familie, Gedanken

Ein Tag im Leben einer Fee

Manchmal muss ich etwas träumen und dann gebrauche ich die Suchmaschine im www und gebe irgendetwas ein. Vorhin hatte ich es schon von einer Fee, die mir helfen sollte Nein zu sagen. Leider muss ich das ganz alleine üben, aber ich habe mich erinnert, dass ich als kleines Mädchen Feen blöd fand und doch wieder toll. Feen waren für mich so was, wie Lausemädchen, die sich alles erlauben konnten und so wollte ich auch sein. Im Netz habe ich ein Bilderbuch gefunden – nicht für die Junioren, für mich,  ich sammle nämlich Bilderbücher! Es heißt: Ein Tag im Leben einer Fee.  

Diese Fee mag ich, weil sie nicht so zuckersüß ist, wie die anderen, weil sie besonders ist. Ob sie mutig ist, wird sich herausstellen. Ich war es jedenfalls heute, denn ich habe einen Bausparvertrag gekündigt, den MamS vor Jahren abgeschlossen hat und der seit seinem Tod – und der ist schon elf Jahre her – ruht. Wer mich kennt, und das tut ihr inzwischen ein wenig, weiß, dass ich vor geschäftlichen Briefen einen Mordsrespekt habe und mich davor drücke, welche zu schreiben. Aber Prokrastination nützt nichts, damit ist nichts getan. Die Mail ist weg. Die Sterbeurkunde, die ich Jahre nicht in der Hand hielt, musste ich einscannen und hat mich natürlich wieder umgehauen. Es tut immer noch weh. Trauer kommt in Wellen. Das Leben geht weiter. Mit der Zeit wird es nicht besser. Es wird nur seltener! Aber wenn eine Welle kommt, ist sie so heftig, dass sie dich mit sich reißen kann und du drohst darin zu ertrinken. 

… und schon wieder bin ich wehmütig – nein, bin ich nicht! Es hat aufgehört zu regnen. Die Junioren bekommen einen Kakao, ich eine große Tasse Milchkaffee mit viel Schaum. Kerzen werden angezündet und der Vorlesevorabend beginnt!