Gedanken

ein Freund

Wenn die Zeit endet, beginnt die Ewigkeit.

Ein alter Freund, einer der im Dorf überall dabei war, mir und den Junioren immer wohl gesonnen und der oft still im Hintergrund stand, ist einfach nicht mehr da. Er ist weg und kommt nicht wieder. Wir mussten damit rechnen, war er doch über neunzig Jahre alt. Vorgestern, so meinte ich, habe ich ihn noch gesehen – an der Ecke, etwas versteckt, alles beobachtend – da war er bereits tot. Sein stilles Lächeln vermisse ich jetzt schon und die kurzen Gespräche – eigentlich nur zwei drei Sätze hin und her – waren mir immer wichtig, denn da war kein Wort zu wenig und keins zu viel. Noch ein freundliches verständnisvolles Nicken, dann nahm er die Hände auf den Rücken und ging seiner Wege. Still bedächtig und langsam Schritt für Schritt – ich vermisse ihn!

Gedanken, Musik

Edith Piaf

∙∙∙∙∙

Mein Ohrwurm für heute!

Die Putzhilfe war das zweite Mal da. Ich habe gelitten. Sie putzt okay, hat ein bisschen ihre eigene Ordnung, aber das ist es nicht. Eine fremde Person, mit der ich mich nicht unterhalten kann, weil ihr deutsch sehr rudimentär ist – eine fremde Frau in unseren Privaträumen stresst mich allein durch ihre Anwesenheit. Nach einer Stunde habe ich gedacht: Kann sie denn nicht endlich mal wieder gehen! Das sind typische Gedanken von jemanden, der im Autismus-Spektrum unterwegs ist. Außerdem komme ich mir ausbeuterisch vor – ich lasse jemanden unseren Dreck wegputzen. Eigentlich fühle ich mich bemüßigt ihr zu helfen… Aus dem Haus mag ich auch nicht, sie kennt sich noch nicht aus und fragt mich immer wieder wo was an Putzmitteln ist und etwas hingehört.

Jetzt ist sie weg und ich spüre, dass so ganz langsam meine Anspannung weicht. Könnt ihr das verstehen? Oder ist das ein typisches Asperger-Ding?

Gedanken

dies herrliche Abendlicht

Ein Sommerlicht, aber kein echtes. Irgendwas stimmt nicht. Ist es der wolkenverhangene Himmel? Oder ist es die ungewohnte Stille, in der kein Vogelgezwitscher zu hören ist? Verdächtig ruhig! Aber das Licht ist einfach schön. Sattgrün sind die Hecken und Bäume, der erste Lavendel blüht, die ersten Rosen schon vorbei. Margeriten öffnen ihre Blüten und jetzt höre ich zaghafte Vögel singen. Im roten Baum gegenüber bewegen sich einzelne Zweige und Nachbars Katze schleicht über unsere Terrasse, guckt neugierig ins Wohnzimmer, reckt sich und zieht langsam Leine. Dies klare Licht verzaubert mich. Einzelne Sonnenstrahlen finden sehr tief den Weg durch die Wolken. Es sieht aus, als ob jemand den Vorhang ein ganz klein bisschen hochgehoben hat. Das Theaterstück hat noch nicht angefangen. Ob ich es überhaupt sehen will? Momentan ziehe ich das Kammerspiel dem Freilufttheater vor. Nicht, weil ich nicht sehen will – sondern, weil dann wenigstens Theater ist …

Der Himmel verdüstert sich und die Vögel werden aufgeregter!