Gedanken, Kuddelmuddel

so oder so

Es war Nacht. In der Enge der Höhle war es bitterkalt, da halfen auch die unzähligen Decken und Eisbärfelle wenig – sie wärmten einfach nicht! Der Mann, an den ich mich kuschelte, legte liebevoll den Arm um mich, denn er spürte, mich machte das Geheule der Wölfe nervös. Sehen konnte ich sie nicht, aber ihre Anwesenheit war spürbar in dieser unendlichen Weite, da draußen im Winter. Wie nah waren sie schon an uns herangekommen? Was haben sie vor?

Ich habe Angst – aber haben diese Tiere nicht auch Angst?

Da schaut eins vorsichtig durch die Öffnung in die Höhle hinein. – Ich schreie!!! Verschreckt springt die Wölfin zurück und rennt in der Dunkelheit davon. Es war Nacht und mir war bitterkalt.

Manchmal bin ich die Wölfin, manchmal die zu beschützende Frau. Aber immer bin ich die, die Sehnsucht nach Geborgenheit hat. Denn auch die Wölfin, die sich vorsichtig an die Höhle gewagt hat, hat dies nicht ohne Grund getan. Vielleicht war sie nur die Leitwölfin, die für ihr Rudel einen sicheren Platz in einer geschützten Umgebung gesucht hat.

Kuddelmuddel

Anselm Grün

Es gibt heute so viele Menschen, die ihrer eigenen Wahrheit aus dem Weg gehen. Sie haben Angst, sich der Wirklichkeit ihres Herzens zu stellen. Sie geraten in Panik, wenn sie einmal still sein sollen. Denn da könnte ja in ihnen etwas auftauchen, was ihnen unangenehm ist. So müssen sie sich ständig beschäf­tigen, nur um der eigenen Wahrheit aus dem Weg zu gehen. Sie sind ständig getrieben und gehetzt. Das Schlimmste, das ihnen passieren kann, ist ein Augenblick, in dem nichts los ist, in dem die eigene Wahrheit ans Licht kommen könnte.

Dieser Mönch aus Münsterschwarzach ist heute mein Impulsgeber und ich habe ne Menge nachzudenken.