KategorieKuddelmuddel

17. 11. 2018

Es geht mir gut – macht euch keine Sorgen!

17. November | halb eins in der Nacht

Ich halte es nicht mehr aus. Das Weinen halte ich nicht aus. Mein starker Mann weint und lässt meine Hand nicht los. Sie ist zwar sehr schlapp, aber wir halten einander. Ich rufe die 112 an! Nach quälenden 15 Minuten klingelt es – nein, es klingelt nicht. Ich habe die Tür schon aufgemacht, meine aufgeregte Mutter steht in ihrem Haus im Treppenhaus und weiß nicht, was sie tun soll. Hans kollabiert am Treppenabsatz und wird im Haus wiederbelebt.

Sie fahren ohne Blaulicht sehr vorsichtig ins Krankenhaus.

Ich ziehe mich an und fahre hinterher. Im Krankenhaus finde ich um diese Zeit keinen Arzt. Ich soll warten. Ich laufe im Kreis, wie ein Tiger im Käfig. Auf 20qm im Kreis, Schlangenlinien und 8ten, aber immer in Bewegung. Niemand sagt mir was. Abwarten. Sie wissen nichts. Haben keine Ahnung. Warum mein Mann in diesem Zustand ist, obwohl er doch nur Rückenschmerzen hatte -keine Ahnung. Ich renne im Krankenhausflur wie ein unruhiger Tiger.

Um vier rufe ich meine Schwägerin an. Sie kommt, sagt sie. Sie kommt mit ihrem Freund. Eine Stunde Fahrt. Ein Arzt sagt mir, dass mein Mann stabil ist. Ich darf nicht zu ihm. Er soll in die nächste Herzklinik, sie warten auf die Feuerwehr. Diese macht in meiner Heimatstadt den Krankentransport.

Es ist früh. Es ist nachts und ich kann nicht mehr rennen. Ich darf nicht zu meinem Mann, sie lassen mich nicht. Ich bin unruhig. Ich habe Angst. Meine Schwägerin will mich trösten, ich schiebe sie weg.

Ich sitze vor der Intensivstation auf dem Boden und kann nicht denken. Inzwischen ist es 6Uhr. Ich muss heim, die Junioren sind mit der alten Großmutti allein und wachen bald auf.

16. November | 10 vor 10

MamS weint vor Schmerzen. Ich liege neben ihm im Bett und habe Angst. Er will schlafen, kann es nicht, atmet schwer und ich liege daneben und tue nichts. 

Am Nachmittag waren wir zusammen in der Notfallambulanz. Er wurde auf Rückenschmerzen behandelt und mit drei verschiedenen Schmerzmittel nach Hause geschickt – nur waren wir nicht Zuhause. Schmerzen auf einer Skala von 1 – 10  bei 8.  Einfach nach Hause geschickt!

Mit Angst und Schmerzen. Ohne  zu röntgen. Als tapferer Mann. 

… und ich habe nichts gemacht. 

16. November | der Tag davor

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Die nächsten Tage muss ich überstehen und den Junioren dabei helfen. Heute vor 6 Jahren waren wir im Pfannekuchen! Seit 6 Jahren überlege ich welchen leckeren Pfannkuchen MamS gegessen hat – ich weiß es nicht mehr. Alles was nach 13:30Uhr passierte, ist ein festgebrannter Film auf meiner Festplatte. 

Die Nacht ist vorbei

Wenigstens draußen wird es mit Sicherheit immer wieder hell. Es gibt einen neuen Morgen.

Morgen, das ist immer der Tag danach. Egal was war. Er ist eine Chance. Es könnte ein bisschen besser sein als gestern, nur ein bisschen und das immer wieder. Es ist ein Aufbruch, ein Neubeginn, jeder Tag ist einzigartig und unwiederbringlich, er ist vergänglich.

Mein Tag war heute ein bisschen wärmer, ein wenig leichter, etwas heller.

Noch ist der Himmel in mir bewölkt, aber er hat einen leichten Schimmer. Ein sanftes Abendrot färbt die Wolken ein, es gibt die Sonne noch.

Auch wenn es jetzt bald wieder Nacht wird, in mir ist es nicht mehr ganz so dunkel. Und vielleicht gelingt es mir morgen auch, dass der neue Tag als Geschenk erlebt wird. Ich werde schlafen, um für diesen Tag gerüstet zu sein. Ich will ihn erwarten und versuchen, etwas davon zu genießen. Meine Träume sollen meiner Seele Kraft geben. Ich wünsche mir Träume, die zart und durchsichtig sind, wie das Abendrot, die den warmen Sonnenschein noch in sich tragen und die meiner Seele wieder Flügel verleihen. Noch zittert sie ein wenig in der Abendkühle, aber sie wird sich wohl nachher einkuscheln, sich anschmiegen an all die warmen Wünsche und Gedanken, die mich gestern und heute erreicht und begleitet haben – und sie wird nicht ewig frieren.

Es ist noch ein Funken in mir, das Feuer ist noch nicht erloschen. Tief in mir leuchtet noch Glut in der Finsternis. Es kann nur besser werden…

Wenn ihr wollt, könnt ihr uns gerne etwas in den Hut werfen!

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