Zähle nicht

Vielleicht denke ich zu viel und gehe zu wenig!?

Es hat gedauert, bis ich verstanden habe, was tot bedeutet, doch nach 6 Jahren habe ich es immer noch nicht begriffen! Rein kognitiv weiß ich natürlich: Es wird kein Wiedersehen geben, kein in den Arm nehmen, keinen Streit, kein reden, kein anschauen und kein erwarten. Ich kann meinen Mann nie wieder durch die Wohnung tappen hören und mich nie wieder ärgern, wenn er seine Socken irgendwo fallen gelassen hat. Ich habe Wut. Wut darüber, dass er so mir nichts dir nichts verschwunden ist – von einem Tag auf den anderen. Wut darüber, dass er mich allein gelassen hat mit dem ganzen Schlamassel. Es gibt immer noch Nächte, ja sogar Situationen an hellen Tagen, da höre ich Autotüren zuschlagen, Schritte auf der Treppe, die Haustür, die knarzend geöffnet wird und ich denke MamS steht jeden Augenblick vor mir und zeigt mir eine lange Nase. Meine Wut ist groß, ja sogar größer als Wochen nach dem jähen Tod. Es ist sogar so, dass mein Mut ein bisschen kleiner geworden ist. 

Es jährt sich der Todestag. Wie oft haben wir schon ohne ihn den ersten Schnee erwartet? Wie viele Advent schon ohne ihn erlebt? Wie viele Weihnachten? Wie viele Urlaube sind nicht gewesen, weil MamS nicht da war und wir uns gegenseitig unterstützen konnten?

Ich könnte schreien – nein, ich tu es ja immer wieder wenn niemand mich hört: Wieso? Warum? Was habe ich getan? … und, warum steh ich so hilflos da?

 

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2 Kommentare

  1. Weil Trauer vielfältig ist. Gerade die, die man nicht wirklich zulässt. Fühl dich gedrückt.

  2. DU hast nichts getan! Dich hat ein schweres Schicksal ereilt.
    Mitfühlende Grüße, Ulli

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