ein Unfall, zu viel gegessen und schlecht geschlafen

Irgendwie ist die Luft raus. Das merke ich jetzt, da die Junioren nicht da sind, ganz massiv. Den Unfall habe ich nur gesehen, aber auch das hat mir schon gereicht. Ich muss hier weg, muss raus, was anderes sehen und habe doch so große Angst davor – bin ich dann noch mehr alleine, woanders alleine, als hier im Haus.

Ich muss mich auf fremde Menschen einlassen, muss mit ihnen sprechen und charmant und höflich sein. Kann ich alles, aber das kostet mich unglaublich viel Kraft und Überwindung – ist es das wirklich wert? Die Erfahrung wird sich erst im Nachhinein zeigen und wenn ich es nicht ausprobiere, dann werde ich es nie wissen.

Nein

Nein, klagen will ich nicht – auch wenn es den Anschein hat. Ich mag mich nicht beklagen. Mich nicht beschweren, noch mehr beschweren. Ich möchte nur Verständnis aufbauen, zeigen warum ich in manchen Augen so harsch reagiere. In meinen Augen ist es konsequent und logisch und rational. Ich bin, so wissen es einige, Asperger-Autistin. Ich brauche klare Strukturen, einen Plan, Sicherheit und immer wiederkehrende Rituale. Dabei muss der Ablauf nicht zwingend immer gleich sein, die Grundstruktur sollte erkennbar sein und für mich logisch erscheinen. Vieles ist bei mir verstandesmäßig zu erfassen – ich bin ein Kopfmensch, ich denke, überdenke, bedenke, zerdenke, bin ein Reichsbedenkenträger. Wenn einmal etwas gut gegangen ist, dann hat das lange Zeit Bestand. Dann aber mag ich das Außergewöhnliche, möchte nicht in der Masse untergehen, möchte gesehen werden. Möchte, dass meine Leistung gesehen wird, anerkannt wird und dass man mir das auch sagt.

Es ist eine Leistung 2 Autistinen und einen extrovertierten Menschen unter einen Hut zu bekommen und Autismus ist nicht gleich Autismus. Sturköpfigkeit wird Wiebke nachgesagt. Gerade erst haben wir die Logotherapie ausgesetzt, weil irgendetwas (was, das kann mein Töchting kognitiv nicht erklären) nicht so ist, wie es für sie notwendig erscheint. Vielmals nimmt sie sich die Möglichkeit weiter zu kommen, weil ein Detail nicht stimmig ist. Ich kann das so gut nachvollziehen! Was habe ich Dinge aufgegeben, nur weil der eine oder die andere Teilnehmerin mich nervten mit ihrem Aussehen, ihren (unlogischen) Handlungen, mit ihrer Liebenswürdigkeit, auf die ich neidisch bin und die ich nie erreichen kann, auch wenn ich mich noch so sehr bemühe. Allein meine Wortwahl ist da schon eine große Schranke. Dazu kommt, dass ich Mimik nicht deuten kann. Ich ahne nur und interpretiere, setze das um, was ich bei Sammy Molcho gelernt hab und liege dennoch oft falsch, weil die feinen Nuancen viel Spielraum lassen und bei mir manches nur schwarz-weiß ist. Als Autistin fällt es mir gar nicht einmal so schwer arrangierte Beziehungen eine Weile aufrecht zu erhalten. Ich ordne mich unter. Aber je länger die Beziehung dauert, erhoffe ich mir, dass Freunde meine Strukturen tolerieren und mich nicht in ihre zwängen. Ich, die auf Freundschaften hofft, mache anfangs viel zu viele Kompromisse und ordne mich unter. Bis ich nicht mehr kann, weil ich das nicht bin und dann kracht es meistens. Wie finde ich einen Weg, dass es gar nicht erst so weit kommt? Wiebke hat es gut, sie zieht sich zurück und macht ihr Ding – notfalls setzt sie ihre Bedürfnisse mit weinen und Geschrei durch. Das kann ich nicht, dann bin ich noch mehr unten durch – verrückt bin ich eh schon.

Fortsetzung folgt! Ich muss die Junioren wecken – sie fahren sehr früh los, um sehr spät an der Ostsee anzukommen.

Gebt mir bitte Rückmeldung, soll ich das Thema überhaupt vertiefen?

nicht passwortgeschützt

Ich tät‘ jetzt so gerne einen passwortgeschützen Beitrag schreiben, mache es aber nicht. Depressionen sind in aller Munde, in allen Medien und momentan salonfähig. Wie lange? Bis was Neues kommt? Dabei sind Gemütserkrankungen, wie es schon früher hieß, keine Moderescheinung. Wer will diese Mode schon haben? Ich nicht. Ich hasse diesen Wehdam. Ich mag diese Trauer, diese Angst nicht – diese undefinierbare.

Jetzt wird sicherlich so mancher anmerken wollen, dass ja kein Wunder ist, dass ich traurig bin. Sicherlich gibt es gute Gründe. Meine Kinder sind mehrfachbehindert, ich selber habe Fibromyalgie und ein Lungenemphysem. Aber damit bin ich lange Zeit gut klargekommen. Seit längerer Zeit ist es aber so, dass zur normalen Antriebsschwäche, eine Lethargie hinzukommt – ich schaffe gar nichts mehr. Alles strengt mich unbändig an, vieles wird mir zuviel. Wenn Carsten (fast) jeden Tag mit Wechselwäsche nach Hause kommt und Daheim dann auch noch kotzt mag ich das hier nicht mehr schreiben – es ist Alltag geworden. Sch…alltag, zermürbend. Wenn Wiebke jedes Mal ein Theater macht und zusammenzuckt, wenn Carsten nur hustet, dann ist das für mich immer eine Qual, sie so mitleiden zu sehen. Wenn dann der Kerle absichtlich seine Schwester in Panik versetzt und diese deswegen schreit und Randale macht, dann überkommt mich der hochheilige Zorn. Diese, meine Hilflosigkeit nagt an mir und ich weiß nicht ein noch aus.

Wenn meine seelische Verfassung stabiler wäre, dann … Tja, was wäre dann? Hätte ich dann mehr Kraft? Habe ich nicht genug Kraft? Ich habe viel Kraft …

… und jetzt höre ich auf, setze den halbfertigen Beitrag ins Blog und denke nicht, dass es euch nichts angeht, denke nicht, dass ich eventuell den Nerv der Zeit nicht getroffen haben könnte, denke nicht so viel etc. pp. Morgen fahren die Junioren in Urlaub und ich muss noch Koffer packen. Habe ich schon einmal gesagt, dass ich Koffer packen hasse?