etwas zum nachdenken

Meine Geschichten von heute kann ich euch nicht zumuten. Es ist schon manchmal komisch – ja komisch – was in meinem Kopf passiert. Dann sprudelt es, aber ist kein reines Wasser. Diese Gedanken sind versetzt mit Arsen ohne Spitzenhäubchen und reichlich dreckig, gar schmuddelig, farbverschmiert und außerirdisch verträumt. Gibt’s nicht, sagt ihr! Gibt es ganz bestimmt, nur bestimmt sind diese, meine, Gedanken nicht für die Öffentlichkeit. Jedenfalls im Moment nicht.

Da tummeln sich unselbständige kleine Mädchen, die vorgeben besonders emanzipiert zu sein mit Damen im gesetzteren Alter, die sich nach dem Matriachat sehnen und im realen Leben noch nie eine Entscheidung getroffen haben. In meinen Gedanken ist der junge Arzt ein Nobelpreisanwärter, weil er Menschen ganzheitlich behandelt und nicht nur Leber, Galle, Herz. Der Junge an der Ecke darf weinen und die 13jährige dem Boxclub beitreten. Ich habe keine Angst mehr und meine Kinder – alle Menschen haben ein erfülltes Leben. Utopie? Man darf doch mal nachdenkend träumen!

ob das gut war?

Ja, ich glaube schon! Wir waren schwimmen. Es war toll. Mit den Junioren schwimmen zu gehen ist einfach schön, wenn auch das Drumherum sehr anstrengend ist. Wenigstens ist in dem Bad, in das wir gehen, ein Wickeltisch in einem gesonderten Umkleideraum. Aber das an- und ausklatern in ungewohnter Umgebung ist schwieriger, als Zuhause.

Heute hatten wir einmal wieder eine richtig gute Helferin dabei. Und das, obwohl sie das erste Mal mit uns schwimmen war. Ohne Federlesen hat sie geholfen, was sie konnte. Ein kleines Mädchen – ca. 5 Jahre alt – wollte auf Toilette. Wiebke hat ihr den Vortritt gewährt, aber das Mädchen schrie nach ihrem Papa. Der hatte ein 2einhalbjähriges im Schlepptau und das schrie auch als es Carsten sah. Der Vater nahm seine Mädchen auf den Arm, diese hielten sich die Augen zu und er rannte förmlich an uns vorbei. Peinlich! Nicht für uns!

Im Wasser eine Begegnung der anderen Art. Ein Mädchen, auch ca. 5 Jahre, schwimmt auf Carsten zu und quatscht ihn an… Geht auch anders, erleben wir immer wieder – zum Glück, denn die meisten Begegnungen sind positiv. Die Mutter des Wassermädchen spricht mich an und sagt, dass sie die Reaktion – sie hätte es beobachtet – des Vaters nicht verstehen könnte und dass er eine große Chance vertan hätte. Ihre Tochter wüsste, dass Behinderung nicht ansteckend ist. Ich hätte diese Frau küssen können.

Jetzt ist der Kerle fix und fertig, das Töchting ist freiwillig vom Rolli abgestiegen und beide sind ‚muuuuude‘. So kurz nach dem Kranksein schwimmen zu gehen, war bedingt eine gute Idee. Die Junioren sind dennoch stolz, froh, fröhlich und eben auch müde – aber es war ein schöner Tag. Trotz alledem. 

Erika Pluhar

Erika Pluhar ist schon 80 Jahre alt. Von ihr habe ich einige Bücher gelesen. Eins ist mir sehr in Erinnerung, das über ihre Tochter Anna, die an einem Asthmaanfall starb. Ich kenne einen Asthmaanfall, hatte selber oft welche – zum Glück in letzter Zeit weniger. Ich nehme auch zuverlässig meine Medikamente!

Ein Zitat, das mich begleiten könnte: Solange man lebt, muss man sich auch immer wieder mal rütteln und schütteln lassen von allem Möglichen, wovon man dachte, es wäre schon vorbei. Ich bin jemand, der auch diese Zeit voller Abschiede auslebt. Aber morgens bin ich fast immer sehr dunkel und muss mich aus dieser Dunkelheit im wahrsten Sinne des Wortes erst erheben, bevor es wieder geht. Wirklich gelassen bin ich nicht.

Samstagsgeschichten

8:49 Uhr: Mein Töchting ist wach und singt Wochenendlieder. Ich habe nur kurz ins Zimmer geguckt und wurde sofort wieder rauskomplimentiert: „Raus Mama, ich brauch noch Ruhe!“ Ob das Bett nass ist? Keine Ahnung, aber wahrscheinlich ist es, weil sie gestern Abend nicht auf dem Klo war.

Ich habe Kopfweh, eine verstopfte Allergienase und keinen passenden Badeanzug für morgen. So wird wohl das altbackene Ding mein Begleiter sein. Wir werden schwimmen gehen und heute wohl – wie üblich am Samstag – nichts machen.

9:31 Uhr: Die Sonne scheint aus allen Knopflöchern und meine Herrschaften gedenken im Bett liegen zu bleiben. Und bald kommen die Rasenmäher aus dem Süden zurück – ich höre sie schon scharren…

11:34 Uhr: Sie hat es geschafft, mein Töchting hat es in die Badewanne geschafft und hat sich auch schon die Haare waschen lassen. Sollte es tatsächlich so sein, dass wir heute noch einen kleinen Ausflug machen können?

13:07 Uhr: Der Kerle hat auch gebadet und jetzt sieht es wirklich gut aus. Allerdings haben wir noch die Hürde des Mittagessens zu bewältigen – drückt mal die Daumen, dass die Junioren etwas essen!

13:12 Uhr: „Mama, du bist viel zu ernst! Werd mal lockerer!“ Carsten ist mir immer eine große Hilfe!

15:12 Uhr: Unsere Runde ist beendet. War schön mit den Rollis durchs Dorf zu laufen – jetzt bin ich aber erst mal kalone.

17:01 Uhr: Die Terrasse lockt, die Herrschaften halten mich auf Trab – aber bei dem Wetter ist es wunderbar, draußen! Sie wollten nicht fotografiert werden und das respektiere ich selbstverständlich.

18:00 Uhr: Sportschau – Bundesligazeit! Bitte den Kerle nicht stören.

Fortsetzung folgt…

nur ein Stück Papier

 Oft schreibe ich mit der Hand kleine Gedanken in Ringbücher. In Ringbücher deswegen, damit ich die Blätter auseinanderreißen und als Zettel in gelesene Bücher verstecken kann. Manchmal lege ich die gesammelten Bücher auch für eine Weile auf einen Stapel ins Regal und wundere oder freue mich über die vergangenen Notizen.  Diese sind selten datiert – auch dieses Fragment nicht. Davor und dahinter stehen Daten, es ist ca. 4 Jahre alt und hat an Gültigkeit nichts verloren!

Es tut mir leid

Heute schicke ich die Junioren wieder in die Werkstatt – es tut mir so leid, aber es geht nicht anders. Es ist Wochenende und ich muss einkaufen. Es macht kein anderer. Wenn wir etwas essen wollen, muss ich los und da sind der Kerle und das Töchting dann doch besser in der Lebenswerkstatt aufgehoben, als dass ich sie mit durch die Läden schleife. Für die Zeit, eines großen Einkaufs, kann ich sie nicht allein zuhause lassen. 

Dabei wollen sie – beide – einkaufen gehen, in die Stadt und da dreht es mir das Herz um – es gibt niemanden, der mitkommt. Diese sehnsuchtsvollen Augen, es ist kaum auszuhalten. Auch einen größeren Spaziergang, den sie sich so sehr wünschen, kann ich nicht alleine bewältigen – sollte ich mir jetzt wünschen, dass es regnet? Nachvollziehen kann das nur jemand, der in einer ähnliche Lage ist. 

Wiebke sitzt viel zu viel und zu lange auf dem Rollstuhl. Ihr Rücken leidet. Welche Schmerzen sie hat, weiß ich nicht. Sie sagt es nicht! Carstens Knie sind geschwollen und dick. Ganz sicher sind diese arthrotisch. Auch er meutert nicht. Ich möchte Ihnen so gerne helfen, aber ich weiß nicht wie? Sie sind so tapfer…

Dabei sind beide nicht gesund – unabhängig von der Behinderung – sie husten, zum Glück ist das Fieber weg, aber die Bronchien pfeifen. Mit Murren sind sie heute aufgestanden und ungern in die Betreuung der Werkstatt gefahren. Mir bleibt ein schlechtes Gewissen. Aber, ich kann nicht anders.