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Kein Glaube

Hier nehme ich euch gefangen …

Hier nehme ich euch gefangen
ihr Worte
Wie ihr mich buchstabierend bis aufs Blut
gefangen nehmt
ihr seid meine Herzschläge
zählt meine Zeit
diese mit Namen bezeichnete Leere

Laßt mich den Vogel sehen
der singt
sonst glaube ich die Liebe gleicht dem Tod –

Nelly Sachs


Eben bin ich überfallen worden, von einer Panikattacke – wie gelähmt sitze ich am Esstisch. Hätte sie sich angekündigt, wäre ich ihr geschminkt und gut frisiert entgegen getreten!

Lorazepam hilft mir nicht – im Grunde hilft mir kein Antidepressiva – am ehesten noch Doxepinhydrochlorid, aber das habe ich nicht hier …

Es gibt heute so viel zu tun – Verschwinde Angst!

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Frage | 21. Februar 18

 

Was habt ihr in eurer rechten Hosentasche?

Ich frage deswegen, weil ich gerade, als ich mein Taschentuch herauskramen wollte, in eine Menge Krümel gegriffen habe. Vorhin, beim aufräumen habe ich wohl unbeabsichtigt einen Cracker eingesteckt…

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leben und leben lassen

Immer und immer wieder stelle ich, in unseren ach so toleranten Zeiten, fest, dass Menschen, die anders sind, auffallen – nicht das sein dürfen, was sie sind oder wollen.

Ich scheine, weiß Gott, wenig sensibel, weiß aber sehr wohl, wie sich Minderheiten fühlen und bekomme eine Heidenwut wenn Menschen bloßgestellt und gemobt werden. Tagtäglich erlebe ich es. Carsten sieht anders aus, als das Schönheitsideal uns vorgaukeln will. Er ist klein, seine Proportionen stimmen nicht, er sitzt schief auf dem Rollstuhl, seine Stimme ist merkwürdig und auch sonst entspricht er nicht dem Bild eines 42jährigen. Mir tut es weh, wie manche Leute über seinen Kopf hinweg über ihn reden, ihn übersehen und sich gar lustig machen.

Dann ist da noch die große Frau aus der Buchhandlung im Nachbarort! Ihre Stimme klingt männlich, der Körperbau ist es und ihre Pumps sehen aus, wie Elbkähne. Ihre Haare sind sorgfältig frisiert und diesen kurzen Rock würde ich im Winter nicht anziehen, weilˋs mir einfach zu kalt wäre. Ich habe so eine Hochachtung vor ihr! Welchen Mut muss sie haben, jeden Tag, raus zu gehen und ihre Frau zu stehen. Sie ist kein Mann, auch wenn sie sich täglich rasiert und ihre Stimme versucht, einige Töne heller klingen zu lassen. Geduckt geht sie, um ja nicht aufzufallen, als Frau und dennoch ist sie eine wunderbare – in ihrer ganzen Ambivalenz. Angefeindet wird sie – ganz offen – als Tunte bezeichnet und „er“ sollte sich schämen, denn der Natur sollte man nicht ins Handwerk pfuschen.

Wiebke wird, wenn sie einmal wieder – noch dazu als behinderte Frau – stur darauf beharrt in ihrem Zimmer zu essen, nachgesagt, dass sie schlecht erzogen ist. Dabei kann sie manche Essensituationen hier am gemeinsamen Tisch schlichtweg nicht aushalten. Der Druck, der auf mir lastet, ist gigantisch. Einerseits möchte ich Normalität, andererseits niemanden zu etwas zwingen, das wider deren Natur oder Interesse steht. Menschenskinder, solange eigene Rechte nicht eingeschränkt werden, lasst doch andere Leute so leben, wie sie sind und wollen. Ob groß, ob klein, dick oder dünn, doof oder gˋscheit – leben und leben lassen.

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