Behinderung, Familie, Gedanken

Was habe ich schon zu erzählen?

Das immer gleiche! Seit Wochen geschieht hier nichts großes mehr. Ist jemals etwas Großes passiert? Erst war ich krank, die Junioren woanders untergebracht – sie haben sich dort bedingt wohlgefühlt. Jetzt sind beide seit Wochen daheim, keine Werkstatt, keine Freizeitaktivitäten von Außerhalb, keine Kurse und keine Bandproben – das geht ihnen am meisten ab. Langeweile! Das ewig gleiche. Anstrengend. Nicht nur für mich. Für Carsten besonders. Er braucht Input, er braucht andere Menschen, will nicht jeden Tag Mensch Ärgere Dich Nicht spielen, möchte was erleben, selbst erleben und nicht nur auf dem Tablet sehen. Es ist so beliebig im Moment, so ein Dahinplätschern ohne Höhen und Tiefen. Dabei geschieht so viel. Nur, es tangiert uns nicht! Wir gehen nicht essen, nicht gemeinsam einkaufen – noch nicht einmal Eis – Wiebke möchte so gerne neue Klamotten haben, geht nicht, weil wir nicht in die Stadt kommen. So langsam habe ich das Gefühl, behinderte Menschen werden noch mehr abgehängt. Nein, sie sind ja schon abgehängt, aber jetzt fährt gar kein Zug mehr!

Ich mag nicht erzählen, wie ich mich abstrample, dass hier etwas passiert, dass die Langeweile der Junioren nicht noch größer wird, Carsten kognitiv nicht noch mehr abbaut, sich Wiebke in ihrem Zimmer einigelt und es nur sporadisch verlässt. Das, was ich zu erzählen habe, ist vielfach dröge, öde und das immer gleiche …

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Es ist alles gut und doch wieder nicht!

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

4 Gedanken zu „Was habe ich schon zu erzählen?“

  1. Verwandlerin sagt:

    Das sind genau die Phasen, wo meine Tochter sich dann Muster in den Sidecut rasiert, sich die Haare schneidet oder färbt, sich im Mangastyle schminkt usw.

    Um irgendwie der Langeweile zu entkommen.

  2. isa sagt:

    Gerade die Menschen mit mehrfacher Behinderung wurden abgehängt. Hoffentlich erinnert man sich daran, wie wichtig Input und Übung und das soziale Miteinander für die Erhaltung von Fähigkeiten sind. Im Betreuungsbereich ist die Angst vor Ansteckung sicher besonders groß. Es ist so schade, dass es keine Ideen gibt, wenigstens ein eingeschränktes Angebot möglich zu machen. Die Verantwortung traut sich wohl niemand zu. Da kann ich mir lebhaft vorstellen, wie du dich abstrampelst

    1. piri ulbrich sagt:

      Danke isa, zum Glück sind Carsten & Wiebke meist zufrieden und ich habe das Know-how ihnen Abwechslung zu bieten.

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