Schlagwort: behindert

Momentaufnahme

Hast du was getrunken? Jaaaaa! Naja, nur ein Minischlückchen. Carsten hat auch nichts getrunken. Carsten trink was! Hab ich schon. Ja, nicht viel. Aber immerhin was. 

Zehn Minuten und einen Schweißausbruch später: Könnt ihr bitte noch was trinken? Der Kerle nippt, das Töchting beginnt zu diskutieren: Mag keinen Eistee! Dann trink endlich deinen Kakao aus. Aber nicht alles. Fang wenigstens an. Jaaaaa, mach ich doch, nimmt ihre Flasche, setzt sie an die Lippen, befeuchtet diese und stellt sie wieder ab. Ich werde energischer; trink! Wiebke fängt unvermittelt an zu weinen. Der Kerle hört es, springt in die Bresche und erzählt, dass wir nicht so laut sein dürfen, weil sonst die Polizei kommt und uns wegen Ruhestörung verhaftet. Ich gebe klein bei und das Töchting bekommt Orangensaft! Davon nippt sie auch nur ein Schlückchen.

Argumente, wie, dass sie bei der Hitze viel trinken müssen, werden damit abgeschmettert, dass sie dann so oft aufs Klo müssen und dass das viel Arbeit für mich wäre. Verdursten und vertrocknen zählt nicht – dafür würde ich schon sorgen, dass das nicht passiert, mit meiner ewigen Nörgelei!

So jetzt kommt ihr …

∙∙∙∙∙

Wiederholungen passieren so den ganzen Tag. Beide haben überhaupt kein Durstgefühl!

∙∙∙∙∙

20:28 Uhr – wir sind ins Souterrain geflüchtet. Hoffentlich habe ich morgen früh die Kraft mein Töchting die Treppe hoch zu tragen!

Eigentlich sollte ich …

… doch mal fragen, wer ich bin? Mich selber fragen; denn jemand anderes gibt mir ja doch keine Antwort!

Es ist verdammt schwer. Leichter würde es mir vielleicht mit ein bisschen Abstand fallen – quasi in dritter Person über mich schreiben. Würde es mir wirklich leichter fallen? Vermutlich nicht. Denn es zeugt, meiner Meinung nach, von wenig Selbstbewusstsein wenn man von sich mit Vornamen spricht. Klingt wieder vorverurteilend, ich weiß.

Also: wer bin ich? Zumindest nicht diejenige, die ich äußerlich vorgebe zu sein. Ich spiele Rollen. Für den einen die, für andere wieder andere. Immer wieder bin ich die Verständnisvolle, aber auch diejenige, die unbequem ist, weil sie so manches infrage stellt. Mein ganzes Wesen wäre ambivalent, sagt eine Freundin: „In einem Satz kannst du zweierlei gegensätzliche Botschaften unterbringen und man kann es dir nicht widerlegen.“ Ich habe Angst vor dem Tag und dennoch weiß ich, dass ich alles schaffe. Ich sehe was hinter dem Berg ist, nur den leichten Weg sehe ich nicht. Nehme stattdessen den, der kurvig und steinig ist und geh ihn auch noch gerne!

Eigentlich bin ich’s leid über mich zu reden. Viel lieber möchte ich ‚sein‘. Angenommen sein, wie ich bin. Gesehen werden. Möchte, dass jemand hinter meine Potemkinsche Dörfer guckt und sieht: dort ist Substanz und nicht nur heiße Luft. Wir wollen doch alle gesehen werden, als die, die wir sind und nicht, als die, die wir vorgeben zu sein! 

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Nachtrag 11:12 Uhr: Schon vor Jahren habe ich das auch schon geschrieben. Bin ich eigentlich gar nicht lernfähig? Oder woran liegt‘s?

Türen

Türen werden nicht nur zugeschlagen, es gehen auch Türen auf – nur macht das weniger Lärm. | Hans Derendinger

Jetzt habe ich ein Zitat und der Text dazu fällt mir schwer! Endorphine schießen ein und dennoch habe ich das Gefühl eine Dampflok hat mich überrollt.

Sorry, dass das so kryptisch klingt – ich muss erst selbst sortieren.

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19:26 Uhr  – Entschuldigt, wenn ich jetzt vorgreife und erzähle dann gefährde ich womöglich meine Chancen. (Sagt man das überhaupt so?) Wieder einmal müssen schwierige logistische Probleme gelöst werden, die auch mit den Junioren zusammenhängen. Drück mir die Daumen, auch wenn ihr nicht wisst worum es geht. Wenn’s klappt, bin ich 10 Schritte weiter und möglicherweise bekomme ich endlich die, von mir so sehnlich erhoffte Autismus-Diagnose.

19:39 Uhr – P.S.: Manchmal (nein sehr oft) zahlt es sich aus, nicht immer alles so hinzunehmen. Etwas zu hinterfragen macht nicht nur Sinn, sondern bringt einen auch weiter. 

 

 

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