mündiger Patient

Es geht schon wieder los! Ist das eigentlich üblich? Medikamente anordnen, ohne zu besprechen was diese für eine Wirkung haben und überhaupt – anordnen und dann, wie Gefolgsleute einfach unhinterfragt nehmen. Dann steht in der Patientenakte, dass ich dreimal täglich inhaliert habe. Ich weiß von nichts. Ja, Inhalierflüssigkeit war im Zimmer – diese haben sie uns gleich am ersten Tag, zur ersten Stunde hingestellt – mit zwei Inhaliermasken. Zu dem Zeitpunkt stand überhaupt noch nicht zur Debatte, dass ich auch aufgenommen werden sollte. „Vorsorglich“, sagte die Schwester. Aber dann kam nichts mehr. Weder eine Erinnerung, noch eine Anordnung der Stationsärztin. Ich habe jedenfalls nicht inhaliert und die Junioren auch nicht!

Carsten hat eine enge Brust, anatomisch bedingt. Das ist die Ursache für seinen Husten und wahrscheinlich auch für seinen Sauerstoffsättigungsabfall, weil seine Bronchien ebenfalls verquer sind. Die Untersuchungen waren umfangreich, aber ein Bedarfsmedikament ist nicht angesetzt worden. Falls der Sauerstoff mal wieder so weit runtergeht und Betreuer und ich, ob der Reaktion des Kerles, in Panik geraten haben wir nichts an der Hand. Meme für mich: Unbedingt nachfragen!

Wiebkes Lunge ist frei. Alles okay. Es scheint ein reiner Solidaritätshusten zu sein und nicht bedenklich.

Meine Lungenmedikamente sind komplett umgestellt worden – völlig über den Haufen geschmissen und nichts wurde erklärt. So etwas macht mir Oberstress. Wenn ich nicht weiß, was ist. Und dann gibt es nur Wirkstoffnamen. Mit denen kann ich als Laie nichts anfangen. Der Pfleger sagt mir, dass er nur das ausgibt, was im Computer steht. Ja tut er, aber nicht vollständig. Nur weil ich nachgefragt habe, habe ich noch ein Bedarfsspray bekommen und das Prednisolon – das ich heute Morgen als 20mg genommen habe, entpuppte sich heute Abend als 50mg. Die Ärztin sprach von 20mg! Im Computer steht 50mg. Mal wieder fühle ich mich als unmündige Patientin, mit der man es ja machen kann. Nein. Mit mir nicht! Natürlich ist jetzt am Abend niemand der Ärztinnen mehr da, den/die ich fragen kann. 

Mag sein, dass ich zu kritisch bin. Aber es geht schließlich um unsere Gesundheit und damit mache ich keine Experimente. 

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Kann sein, dass mehrere Nachträge kommen. Die Junioren wollen versorgt werden, ich sollte zur Ruhe kommen, denn das Töchting hatte heute einen Tag mit mehreren Komplettumzügen (unser Wäschevorrat ist aufgebraucht). Der Kerle hat die Bronchoskopie souverän gemeistert, war anschließend aber erst mal groggy. Danach ist er zur Höchstform aufgelaufen. Ich? Ich bin sauer und doch nicht sauer. Mir gehts gut und doch wieder nicht. Ich fühle mich sehr stark respektiert und doch nicht für voll genommen. Dass ich im Autismus-Spektrum bin, habe ich leider im Vorfeld nicht gesagt und genau das bereue ich zutiefst. 

20:49 Uhr – wie kann man nur so einen Beitrag liken?

21:07 Uhr – Der erste wirkliche Nachtrag und eine zugegeben rhetorische Frage: Sind nur Menschen im Autismus-Spektrum so überkritisch und sehr korrekt? Ich stelle immer wieder fest, dass Patient*innen widerstandslos alles schlucken, was ihnen verordnet wird und die Therapie nicht einen Deut hinterfragen. Ja, noch nicht einmal nachfragen warum die Medikation so ist.

 

Kategorien: Behinderung, Gedanken, Junioren, Kuddelmuddel

11 Kommentare

  1. Puh, ich lass das erst mal sacken…Sitze auch nicht mehr am Computer, sondern am Handy!
    Morgen schreibe ich dir mehr!

    Ich wünsche euch eine ruhige und gute Nacht

    LG Anne

    • Danke Anne, für deine Rückmeldung. Ich weiß das sehr zu schätzen.

      • Guten Morgen liebe piri!

        Ich weiß nicht, wann du heute auf die ersten Ärzte antriffst…aber eines weiß ich! Schreibe dir unbedingt Punkt für Punkt alles auf, was dir hier gestern auf dem Herzen lag. Dann erkäre du dich unbedingt, dass du im Autismus-Spektrum bist!!! Das ist mehr als wichtig.

        „Mal wieder fühle ich mich als unmündige Patientin, mit der man es ja machen kann. “ schreibst du. Aber…sieh es nicht unbedingt als „unmündige Patientin“ an, auch Götter in weiß machen Fehler. Du musst halt immer sofort alles hinterfragen!!! (auch wenn es schwer fällt)

        Und zu deiner rethorischen Frage: Das Bedürfnis nach Genauigkeit, Logik und Korrektheit ist nicht ausschließlich bei Menschen im Autismus-Spektrum zu finden – es kommt auch bei vielen anderen Persönlichkeiten vor. Allerdings ist es bei autistischen Menschen oft stärker ausgeprägt und hat bestimmte Hintergründe.

        Herzlichst

        Anne

  2. Ganz schön blauäugig aber, so unkritisch zu sein.

  3. Ich habe bisher alles verfolgt, es ist gut, dass Ihr alle drei gut aufgehoben seid, das heißt jedoch nicht, dass alles gut ist.
    Fühl Dich gelesen und wahrgenommen.
    Eine gute Nacht für Euch drei!

  4. Das hat mMn nicht mit Autismus zu tun. Du gibst die Verantwortung nicht ab und das ist gut so. Ich bin ein ähnlicher Patient und übernehme Behandlungen und Medikamente nicht ohne genaue Informationen.
    Du machst das genau richtig.

  5. Nein, du hinterfragst nicht zu kritisch. In Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen werden häufig Fehler sowohl bei der Anordnung als auch bei der Abgabe von Medikamenten gemacht. Nur ein Beispiel. Meinem Vater wurde im Rahmen einer Reha eine Reihe von Medikamenten verordnet. Diese entsprachen jenen, die er regelmäßig einnahm. Das sagte man ihm aber nicht. Die Folge: er nahm mehrere Tage lang sowohl seine eigenen Medikamente als auch die neu verordneten ein, also die doppelte Dosis.

    • Schlimm. Aber das lag vielleicht auch daran, weil die Medikamente verschiedene Produktnamen hatten. Auch so werden Patienten verunsichert und wissen nicht wirklich Bescheid!

  6. Oh, ihr seid alle drei im Krankenhaus. Die Daumen für einen guten Verlauf drücke ich mal vorsorglich.
    Du bist ganz sicher nicht zu kritisch. Gut, dass man in der Patientenakte u.A. auch löschen und korrigieren kann. Auf dem PC von meinem HA stand auch schon eine Diagnose, die gar nicht zu mir gehörte.
    Noch habe ich die ePA nicht auf meinem PC, um sie barrierearm nutzen zu können. Es hat sich als sehr umständlich erwiesen. Kürzlich habe ich in einer Praxis den Eintrag in die ePA nicht erlaubt, weil ich keinen Zugang habe. Wer weiß welche Überraschungen die Patientenakte noch beinhalten wird, wenn ich sie denn zu Gesicht bekomme. Macht es gut ihr drei und kommt möglichst bald wieder nach Hause.

    • Wir sind wieder Daheim! ePA ist bei mir zwiegespalten. Auch ich habe diverse Probleme beim installieren und es noch nicht geschafft.

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