Kuddelmuddel, Kuddelmuddel

Es tut mir leid

Heute schicke ich die Junioren wieder in die Werkstatt – es tut mir so leid, aber es geht nicht anders. Es ist Wochenende und ich muss einkaufen. Es macht kein anderer. Wenn wir etwas essen wollen, muss ich los und da sind der Kerle und das Töchting dann doch besser in der Lebenswerkstatt aufgehoben, als dass ich sie mit durch die Läden schleife. Für die Zeit, eines großen Einkaufs, kann ich sie nicht allein zuhause lassen. 

Dabei wollen sie – beide – einkaufen gehen, in die Stadt und da dreht es mir das Herz um – es gibt niemanden, der mitkommt. Diese sehnsuchtsvollen Augen, es ist kaum auszuhalten. Auch einen größeren Spaziergang, den sie sich so sehr wünschen, kann ich nicht alleine bewältigen – sollte ich mir jetzt wünschen, dass es regnet? Nachvollziehen kann das nur jemand, der in einer ähnliche Lage ist. 

Wiebke sitzt viel zu viel und zu lange auf dem Rollstuhl. Ihr Rücken leidet. Welche Schmerzen sie hat, weiß ich nicht. Sie sagt es nicht! Carstens Knie sind geschwollen und dick. Ganz sicher sind diese arthrotisch. Auch er meutert nicht. Ich möchte Ihnen so gerne helfen, aber ich weiß nicht wie? Sie sind so tapfer…

Dabei sind beide nicht gesund – unabhängig von der Behinderung – sie husten, zum Glück ist das Fieber weg, aber die Bronchien pfeifen. Mit Murren sind sie heute aufgestanden und ungern in die Betreuung der Werkstatt gefahren. Mir bleibt ein schlechtes Gewissen. Aber, ich kann nicht anders.

Kuddelmuddel, Kuddelmuddel

Wegen Husten geschlossen

Heute Morgen – das Badewasser ist eingelassen, ich gehe zum Kerle, um ihn zu wecken und bekomme eine Hustenarie zu hören. Eine, der besonderen Art. Eine, bei der es röchelt und knistert und bellt und von ganz weit unten die Aufbaunahrung hervorgeholt wird. Nicht lustig, aber sehr vielseitig. Etwas fiebrig und mordsmüde! 

Na gut, dachte ich mir, gehe ich eben ins andere Zimmer und wecke das Töchting. Sie guckt kurz hoch, bellt mich an, ich schaue in ihre glasigen Augen und decke sie sanft zu, schleiche aus dem Zimmer, setze mich an den Badewannenrand und rekapituliere, heute ist Homeoffice angesagt – ich lege mich jetzt auch noch mal ins Bett!

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Montag

Meine Güte, bin ich müde! Es war ein spannender Tag, aber ich hatte bis jetzt keine 10 Minuten um durchzuschnaufen. Das ist ja eigentlich ein bisschen weit hergeholt, denn ich war 4 Stunden laufen. Vier Stunden durch die Gegend, vier Stunden heulend im Nirgendwo. Die Wengerter, denen ich begegnet bin, haben meine Tränen nicht gesehen. 

Laufen Sie! Laufen Sie und wenn Sie nicht laufen können, dann gehen Sie ein flottes Tempo – ohne Handy, ohne Musik auf den Ohren, ohne erreichbar zu sein. Es wird die Welt schon nicht untergehen und wenn später eine wichtige Nachricht auf dem Handy ist, dann können Sie immer noch reagieren.

Hui, das war schwer! Im ersten Moment habe ich gedacht, ich stecke mein Handy in die Tasche und stelle es auf stumm. Dann kam der Gedanke, dass ich es ausmache und mitnehme. Schlussendlich habe ich es tatsächlich im Auto gelassen und bin ganz langsam losgegangen – auf einen Rundweg, den ich kenne. 

…und dann habe ich das Denkkarussell angeschmissen. Am Anfang eine Achterbahnfahrt im Geisterbahngruselkabinet, wütend, traurig, zornig, verletzt, betroffen – ach alles! Aber nach ca. 2Stunden habe ich das Denken eingestellt und nur noch geweint. Wieviel Tränen in einem sind, das ist so lange unvorstellbar, bis man es tatsächlich erfahren hat.

Jetzt bin ich leer. Leer an Gedanken, leer an Tränen. Meine Güte – und müde bin ich, unendlich müde.