Kategorie: Junioren

nach Mitternacht

Mitternacht ist längst vorüber und immer noch schlafe ich nicht. Dabei sollte ich lange schon – müde bin ich sowieso – im Reich des Morpheus unterwegs sein. Da allerdings die Träume, die mich dort erwarten, welche sind, die weder sanft noch ruhig sind, scheue ich den Schlaf.

Gerade nachts kreisen Gedanken gerne. Keine Außengeräusche übertönen, nichts lenkt ab. Keine Fenster können geputzt werden. – Wenn ich es denn wenigstens täte! Nein, die kleinen biestigen Gedanken drängen in den Vordergrund. Es geht mal wieder darum, dass ich Entscheidungen treffen muss, ohne mich beratschlagen zu können. Mir fehlen Helfer:innen! Menschen, die mehr Zeit für uns übrig haben, nicht nur einen halben Nachmittag! Aber diese gibt es nicht. Wenn schon eine große Behindertenorganisation händeringend ehrenamtliche Mitarbeiter:innen sucht und nicht findet, wie soll ich da – mit meiner schlechten Vernetzung – welche finden?

Kuddelmuddelgedankenchaos kurz vor der nächtlichen Wendezeit der Junioren.

okay?

Ist das okay, wenn ich im Moment sehr einseitig tagebuchblogge?

Montagmorgen und mein Töchting ist wach. Sie singt ihre Lieder und trommelt. Ihre große Trommel ist im Wohnzimmer. Zum Glück, oder vielleicht doch nicht, weil sie dort nicht übt! Der Himmel ist ein bisschen diesig – oh, ich springe mit meinen Gedanken hin und her – vielleicht wird’s kein Terrassenwetter, das wäre schon schade! Der Kerle, er pennt. Das kann er richtig gut und Pläne schmieden. Ja, und da bin ich wieder beim Thema: Helfer:innen und die Bezahlung derer. Beide wollen reisen. Mit mir und ganz ehrlich, ich möchte es auch!

Jetzt ist erst mal heute. Anziehen, waschen, eventuell baden, dann irgendwie ein Frühstück in die Junioren reinreden, auf die Rollis setzen und zur Apotheke, testen.

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wie gestern werden es auch heute mehrere Seiten …

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mein Sonntagmorgen

Er beginnt heute ohne Bauchweh. Ohne, dass etwas grummelt. In den Juniorenzimmern ist es still, ich höre Kakadu – noch im Bett. Kleckere mit dem Kaffee und wische die kleine Pfütze einfach weg. Die Vögel haben ihr Morgenkonzert langsam beendet und ich mag nicht aufstehen. Zum Anziehen liegt da immer noch die olle Jeans von gestern, doch ich will wenigstens eine schicke Bluse anhaben.

Der Kerle pennt, ich scheuche ihn kurz hoch und bestücke die Magensonde. Fertig. Keine zwei Sekunden liegt er wieder in Morpheus Armen – es sei ihm gegönnt, wir können eh nirgendwohin. Mein Töchting schläft. Wie man so schlafen kann, ist mir immer noch ein Rätsel. Der linke Arm nach oben gestreckt, der rechte unterm Po, das eine Bein fast lang und das andere bis unters Knie hochgezogen. Just im Moment wird sie wach, ich höre sie murmeln, leise singen. Ein Lied, dessen Text ich nicht kann, weil ich die Sprache nicht kenne. Mein Mädchen bekommt einen Kakao. Ich hoffe inständig – sie trinkt ihn auch.

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Maimorgen

So mag sich wieder blinde Nacht
zum reinsten Morgen klären,
sich Lebensglück aus Lebensmacht
in neuem Glanz gebären.

Der Nebel flieht, als ob er Ried
und Wald auf ewig flöhe,
und meine Seele ist das Lied
der Lerchen in der Höhe.

Christian Morgenstern

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