Kategorie: Gedankenchaos

mag sein


…, dass es heute den ganzen Tag regnet. Es ist okay, solange es nicht schüttet und die Erde wegschwemmt. Der Wind, oder gar ein Sturm, macht mir nichts aus. Ich mag es am Fenster zu sitzen und hinauszublicken, am liebsten mit Carsten an meiner Seite. Dann erzählen wir uns gegenseitig Geschichten und der Kerle redet davon, wohin er reisen möchte. Ganz wehmütig wird mir dann immer, weil ich leider alleine nicht mit ihnen verreisen kann.

Dieser Sonntag beginnt besinnlich, mit einer Kaffeetasse in meiner Hand und einer Kakaotasse in des Kerles. Wiebke trinkt seit jeher aus der Glasflasche mit Trinkschnute und sie kann keine fünf Minuten mit uns am Fenster stehen bleiben. Sie ist rastlos und rollt und rollt durchs Haus – manchmal rummst es und die Türrahmen leiden …

Morgengedanken

Darum bedeutet Würde auch Freiheit. Weil alle Menschen es verdienen, nicht ohne Grund eingesperrt zu sein.

Faktisch sind wir nicht eingesperrt, praktisch kommen wir nur bedingt aus dem Haus. So, wie es ist, ist es gut. Ich möchte noch nicht, dass die Junioren in die Lebenswerkstatt gehen – sie wollen es selber nicht und dürften es auch gar nicht, da beide den Mundnasenschutz nicht wirklich aufbehalten können. Wir haben uns eingerichtet…

Wie jeden Morgen singt Wiebke ihr winnewinnewuppa und Carsten dreht sich auf die andere Seite.

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Haare sind nicht alles

Haare schneiden kann ich, das mache ich seit Jahren bei mir und den Junioren. Darum geht’s eigentlich auch gar nicht – das kann ich daheim machen und dafür muss ich nicht unbedingt raus, obwohl mir sehr danach ist, für die fluseligen Haare (sie fallen mir stark aus) einen professionellen Haarschnitt zu bekommen.  Okay, ich kann damit leben! Ist ja sowieso nicht alles.

Was mich nach und nach ausbremst, ist die Tatsache, dass ich nur schwerlich einkaufen kann. Mit zwei Rollstuhlfahrern gestaltet sich das schwierig. Zwar husche ich ab und zu in den größeren Einkaufsladen. Dieses Einkaufen ist heftiger Stress und ich vergesse dabei auch prompt oft etwas mitzunehmen. Ich weiß, dass es die Möglichkeit gibt Einkaufszettel zu schreiben. Es ist nicht dasselbe, wenn ich unter Druck einkaufe. Wenn ich denke, dass die Junioren alleine sind und eventuell Panik bekommen, weil ich nicht da bin, dann beeile ich mich doppelt. Abzusehen, wann sie wieder in die Lebenswerkstatt können, ist nichts. „Das kann noch dauern!“, sagte man mir am Telefon. Soweit ist es auch gut – wir schaffen das. Ich kann Carsten und Wiebke beschäftigen, sie können sich beschäftigen. Menschen vermissen wir, andere Menschen. Es kommen immer welche und es kommen wunderbare Menschen – das freut mich – leider kommen manche nicht und diese fehlen uns.

„Mama, wir brauchen noch dringend Blumen!“ Carsten guckt sich auf der Terrasse um und vermisst Farbe, blühendes, duftendes und überhaupt die Fülle. „Wenn wir schon nicht in Urlaub fahren können, dann wollen wir es wenigstens Zuhause schön haben!“ Natürlich. Ja, richtig! Aber wann soll ich die Pflanzen einkaufen – siehe oben, es ist kompliziert mit zwei Rollstuhlfahrern.

Jetzt regnet’s erst einmal …

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Nachtrag: Wenn der Kopf ein Rummelplatz ist – so fühle ich mich manchmal auch!

 

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