Kategorie: Gedanken

dies herrliche Abendlicht

Ein Sommerlicht, aber kein echtes. Irgendwas stimmt nicht. Ist es der wolkenverhangene Himmel? Oder ist es die ungewohnte Stille, in der kein Vogelgezwitscher zu hören ist? Verdächtig ruhig! Aber das Licht ist einfach schön. Sattgrün sind die Hecken und Bäume, der erste Lavendel blüht, die ersten Rosen schon vorbei. Margeriten öffnen ihre Blüten und jetzt höre ich zaghafte Vögel singen. Im roten Baum gegenüber bewegen sich einzelne Zweige und Nachbars Katze schleicht über unsere Terrasse, guckt neugierig ins Wohnzimmer, reckt sich und zieht langsam Leine. Dies klare Licht verzaubert mich. Einzelne Sonnenstrahlen finden sehr tief den Weg durch die Wolken. Es sieht aus, als ob jemand den Vorhang ein ganz klein bisschen hochgehoben hat. Das Theaterstück hat noch nicht angefangen. Ob ich es überhaupt sehen will? Momentan ziehe ich das Kammerspiel dem Freilufttheater vor. Nicht, weil ich nicht sehen will – sondern, weil dann wenigstens Theater ist …

Der Himmel verdüstert sich und die Vögel werden aufgeregter!

gestern heute morgen

Gestern verheulte Augen, heute ein verquollenes Gesicht und morgen bestimmt einen, wenn auch kleinen, Pickel auf der Nase. 

Wir waren nicht draußen, wir sind nicht raus gekommen – einer war am Wochenende immer unpässlich. Wiebkes blaue Lippen und die schlechte Sauerstoffsättigung macht mir Sorge. Das Töchting ist quengelig. Sehr unruhig rollt sie in der Wohnung herum, rummst da an die Tür und dort sehr unkonzentriert an die Einbaukommode mit den Schuhen drin. Ihre Stimme ist weinerlich, aber beunruhigend ist ihr Zustand nicht – ich habe beim Patiententelefon unserer Krankenkasse angerufen. Die nette Krankenschwester hat mir erklärt, dass Pulsoximeter an kalten Fingern – und das Töchting hat extrem kalte Finger – dass dann die Messung ungenau ist, weil die mangelnde Durchblutung der Haut falsche Werte liefert. Dennoch geht‘s Wiebke nicht gut! Sie isst nicht, trinkt noch schlechter als sonst und will nicht und will doch und mag Schokolade, aber Gummibärchen sind besser.

Der Kerle hat gute Laune. Wie macht er das nur immer? Er ist zufrieden und hat so gar keine Lust irgendwas zu tun. Chillen, Musik hören (in voller Lautstärke) und Salzstängelchen futtern …

Sonntagspätnachmittag

soziale Medien

Grenzen sind nicht da, um abzugrenzen, sondern um anzugrenzen. | Monika Kühn-Görg

Ja, alles gut und schön aber auch viel zu schnelllebig und viel zu oberflächlich. Soziale Medien ersetzen kein Miteinander. Wer so isoliert ist wie ich, der sehnt sich nach Austausch und nicht nach Huschhusch und dummen Sprüchen. Küchenweisheiten kann ich mir vom Kalenderblatt holen, die brauche ich nicht auch noch als Kommentar. Okay ich hab große Erwartungen, vielleicht zu hohe Erwartungen. Pflegende Angehörige werden in der Regel mit Kalenderweisheiten überhäuft. Auch deswegen weil aus Hilflosigkeit oft nichts anderes gesagt werden kann. Tatsächlich ist mir das auch lieber, als Schweigen. Nur ist das halt nur eine halbe Wahrheit!

….

Töchting ist wach …

12:38 Uhr – Meinen Instagram-Account habe ich gelöscht und es hat nicht einmal wehgetan. Stattdessen habe ich mir Saša Stanišić neues Buch bestellt: Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne . Hoffentlich komme ich auch zum lesen.

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