Kategorie: Familie

gesehen werden

Gesehen werden ist heilsam. Gesehen werden hat nichts mit bewerten zu tun. Loben – eine Bewertung, die immer auch die Seite der Kritik mit einschließt, – ist fast schon das Gegenteil von sehen in diesem Sinne!

Sehen heißt: „Es ist so. Ich sehe, dass es so ist.“ Sehen bedeutet und stärkt Verbindung. Wenn man gesehen werden will, lädt man am besten durch Sehen ein.

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Zugegeben, diese Gedanken sind nicht allein auf meinem Mist gewachsen. Aber sie spiegeln. Ich werde oft gelobt, wie toll ich das doch mit den Junioren mache, wie fröhlich sie sind, was sie für Möglichkeiten haben: Heute zum Beispiel ist wieder ein Bandauftritt. Wunderbar, sie werden eine Menge Applaus bekommen, darüber freue ich mich sehr. Ich habe tatsächlich ein bisschen Angst davor, ist es für mich im Vorfeld schon ein enormer Aufwand. Beruhigen, motivieren, schick anziehen, dafür sorgen, dass sie ausreichend trinken, an Windeln denken, Klo eruieren, etc. Die Bandmitglieder sind vor dem Auftritt zum Essen eingeladen – nur ist das so, dass die Junioren nicht einfach alles essen können, geschweige denn sich vom Büfett was holen. Sie werden was zu trinken bekommen, aber das steht dann am Abend noch genauso da, wenn niemand sagt: Trink! Ich werde im Hintergrund agieren. Es ist nicht meine Veranstaltung. Ich werde mich ein bisschen auch um die anderen behinderten Bandmitglieder kümmern, mit ihnen reden, ihnen das Lampenfieber nehmen. Ich mache das gerne, das tut mir auch gut. Aber ich werde dennoch traurig sein, weil ich das alles am besten unauffällig tun sollte…

… es ist okay, es ist nicht mein Tag!

Schietschulter

Das kann ich haben wie Bauchweh! Den ganzen Tag ging’s gut. Es war ein schöner Tag mit Freunden. Ohne ein einziges Foto, mit tollen Junioren, mit Gesprächen über dies und das. Mit Rollstühlen aus dem Auto hieven, wieder rein, wieder raus. Die Junioren in ihre Autositze setzen, wieder raus und wieder rein. Das Töchting wiegt ca. 26kg, der Kerle die Hälfte, die Rollis irgendwas dazwischen und gut ist’s. Bis wir Zuhause waren, bis ich den zweiten Rollstuhl aus dem roten Bus gewuchtet hatte – da fährt‘s mir in die rechte Schulter. Sehnenscheidenentzündung im Schultergelenk!

Die Herrschaft werde ich gleich ins Bett bringen, den rechten Arm in eine Schlinge legen, die Zähne zusammenbeißen, denn verträgliche Schmerzmittel* hab ich natürlich nicht im Haus… Eisbeutelumschlag! Nun ja – es geht dennoch immer weiter.

brummel

Es gibt so wenig Begegnung mit nichtbehinderten Menschen. Wir sehen sie, der Kerle spricht – wenn er gut drauf ist – sie an, manche schauen kurz und drehen sich wieder weg. Mit Kindern ist es noch spezieller. Sie gucken, gucken, gucken interessiert und wenn nicht ich die Kinder anspreche, dann passiert nichts und eine Chance der Begegnung ist vertan.

Bald ist Diakoniefest und die Band in der die Junioren mitspielen, wird dort auftreten. Das wird garantiert ein großer Spaß für die Musikerinnen und auch für die Zuhörerinnen. Es wird leider nicht die Resonanz bekommen, die sie eigentlich verdient haben. Sie werden immer den Behindertenbonus haben. Dabei sind sie gut! Nach dem Konzert wird uns kaum jemand ansprechen und wenn ja, werden es dieselben Menschen wie letztes Jahr sein. An diesem Tag werden mehr behinderte Menschen jedweder Art zu sehen sein – einen Moment im Fokus zu stehen ist gut. Aber wir wollen gar nicht im Mittelpunkt stehen, wir wollen selbstverständlich dabei sein. Überall dabei sein. Nicht als besonderes Grüppchen, sondern normal mittendrin. Mein Traum ist, loszugehen ohne nachzudenken, dass ich vorher Helferinnen akquiriere – ich werde genug Hilfe vor Ort finden, denn es ist völlig okay behinderten Menschen zu helfen. Dieser Traum ist schön, aber leider nur ein Traum!

11:00Uhr – Oh happy day. Morgen beginnen die Special Olympics World Games, leider viel zu weit weg vom Dorf!

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