Kategorie: Behinderung

Vertragen

Vorweg: den Junioren geht’s hervorragend. Sie haben tapfer ihren Oberarm freigemacht und sich anstandslos piksen lassen. Ich auch – tapfer und piksen lassen.  „Gegen Corona …“ „Das ist nicht gegen Corona, wenn denn, dann höchstens gegen Covid-19, aber der Impfstoff ist doch noch gar nicht voll ausgetestet und auf dem Markt!“ Wiebke guckt perplex, sie lässt sich nicht gerne unterbrechen und schon gar nicht so schlaumeierisch vom Bruder. Im Auto gab’s ne heiße Diskussion auf Juniorenebene – da mische ich mich lieber nicht ein und halte besser meinen Mund.

Daheim hat es mich etwas umgehauen – diese Grippeimpfung hat mich geschafft! Leicht bedröppelt werde ich der Junioren ihre Koffer packen und sie morgen in einen sehr kleinen Kreis reiselustiger Menschen entlassen.

Himmelhochjauchzend usw.

Nein, warum das alles, mag ich nicht schreiben. Es ist viel zu persönlich und würde mich nackig machen und das wisst ihr ja, das mag ich nicht. Jedenfalls hatte ich ein Wechselbad der Gefühle. Selbst meinem ärgsten Feind würde ich diese Achterbahnfahrt nicht gönnen!

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Die Kurfragebögen für die Junioren sind da. Wir werden zur Reha fahren können. Wahrscheinlich wird es frühestens nächstes Jahr im Sommer sein, aber immerhin. Carsten & Wiebke wissen noch nichts davon und bei ihnen wird vermutlich auch eine Achterbahnfahrt mit Doppellooping starten. Das kann ich ihnen nicht abnehmen, aber ich hoffe sehr, dass diese Einrichtung, die spezialisiert ist auf Essstörungen, uns als Familie auffängt, hilft und Hilfestellungen, Methoden und sonstiges mit auf den weiteren Weg gibt. Da warte ich gerne! Momentan erfordert die Esserei vom Kerle meine ganze Kraft. Ich trickse, wo ich kann. Will ihn aber auch nicht übervorteilen. Es ist – wie so vieles bei uns – eine Gratwanderung. Carsten weiß, dass er essen muss um zu überleben, aber er kann nicht …

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Euch danke ich für den Zuspruch für meine Kritzeleien – mal gucken, was draus wird. „Schaun wa ma!“, hat der Kaiser gesagt. Stift und Papier habe ich jetzt hier jedenfalls immer liegen.

weitermachen

Natürlich weitermachen – was habe ich für eine andere Wahl? Den Kopf in den Sand stecken, darauf warten, dass sich plötzlich alles schlagartig ändert. Artig ändert? Mir wäre schon lieb, wenn sich überhaupt etwas ändert! Aber da sich anderweitig nichts ändert – jedenfalls nicht zum Guten, was immer das auch sein mag  – muss ich mich ändern. Mein Verhalten ändern, meine kruden Gedanken in eine andere Richtung lenken. Oje, ganz leicht dahin geschrieben, aber verdammt schwer umzusetzen. Habt ihr schon mal versucht das Gedankenkarussell im Kopf abzustellen? Das läuft immer weiter. Die steigenden Infektionszahlen halten mich in griff. Unsere Aktivitäten werden mehr und mehr beschnitten. Es heißt, sich einzuigeln in der eigenen Wohnung und sich zu überlegen, was mit Junioren anzufangen ist, denn spazieren gehen ist, sobald es draußen regnerischer und kälter wird mit diesen beiden Frostkötteln nicht drin.

Weitermachen, wie bisher geht nicht – aber weitermachen im Sinne von nicht aufgeben, das werde ich mit all meinem Mut, den die Angst zulässt, tun…

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