Kategorie: Behinderung

Tagebuchbloggen

Wir sind alle ein schwarzes Loch an Bedürfnissen.

Nennt man das so? Das, was ich mache? So ganz stimmt das nicht – denn ich habe aufgehört aufzuschreiben, was hier geschieht. Für manche Leser zu profan, für andere nicht nachvollziehbar und für wieder andere zu aufgemotzt. Wenn aber eines meiner Kinder daheimbleiben muss, weil es etwas erhöhte Temperatur hat, sich ansonsten aber gut fühlt und gerne in die Werkstatt wollte, aber nicht darf, dann überkommt mich immer wieder einmal der heilige Zorn auf Corona! Dann werden die Tage lang, weil das Gegenüber nicht da ist, mit dem sie sich reiben könnten. Mir bringt das auch meinen Plan durcheinander. Einkaufen wird aufs Nötigste reduziert und holterdiepolter erledigt.

Es ist kalt draußen – der Mai hat begonnen! Ein milchiger Himmel grüßt. Kein Regen – noch nicht! In der Straße ist es ruhig, kein Auto ist in Klopapier eingewickelt und getanzt hat heute Nacht auch niemand. Wir wären gerne in einen Zoo gegangen oder auch nur in einen Tierpark, aber die Junioren werden sowieso schon zweimal in der Woche getestet, noch öfter will ich ihnen das nicht zumuten. An schwimmen, essen, Kino gehen, mag ich gar nicht mehr denken, dann wird mir der Kloß in meinem Bauch erst recht zum Wackerstein! Ich lasse den Kerle und das Töchting schlafen, die Maiwanderung und angrillen fällt eh ins Wasser …

einzigartig

Alle Menschen werden als Unikat geboren, doch die meisten sterben als Kopie.

Nein, sterben wollen wir noch nicht – aber in der Masse untergehen wollen wir auch nicht! Ein Dilemma! Jeder Mensch ist etwas Besonderes, auch wenn er oder sie es selbst nicht sieht. Da können wir von den Kindern lernen, wenn sie noch nicht verbogen und erzogen sind. Es ist ja grundsätzlich nicht falsch, jemanden nachzueifern. Aber sich dabei aufzugeben, das empfinde ich als verhängnisvoll, denn dann bleibt man unter seinen Möglichkeiten.

Meine Junioren zum Beispiel kennen gar nichts anderes, als Unikate zu sein. Es gibt niemand anderes, der oder die so ist, wie sie. Sie wissen das und genießen es dennoch manchmal unterzutauchen – bei anderen Kleinwüchsigen oder in der Lebenswerkstatt unter ‚behinderten Menschen‘. Und doch wird auch dort jede/r als Individuum gesehen. Das ist gut so. Sie dürfen sein! Nicht auf Kosten anderer, miteinander, sich ergänzend, voneinander lernend, Spaß zusammen haben und ihre Eigenheiten werden gesehen, es wird darüber gelacht und geredet.

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Ach, ich fange an zu schwafeln, aber denkt mal darüber nach, wer ihr seid. Ihr seid nicht jemand anderes, auch wenn ihr ihn oder sie noch so sehr bewundert: Du bist Du!

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