Behinderung, Kuddelmuddel

Atemlos

Montagmorgen um kurz nach halb sieben. Carsten sitzt schon in der Wanne, ich habe ihm Haare gewaschen und zumindest die Rotzbremse rasiert – der Kerle ist versorgt! Ich kann Wiebke wecken. „Carsten kümmern!“ Töchtings Laune ist unterirdisch. „Die Hose mag ich nicht! Das T-Shirt ist doof! Müsli will ich nicht!“ Meine Ohren schalten auf Durchzug – es rächt sich. Denn, als beide gemeinsam im Badezimmer sind und ich Vesper für die Werkstatt richte, kommt von dort betäubender Lärm. Die Welt geht unter oder irgendjemand wird ersäuft. Der arme Carsten – nein, er ist nicht arm – aber er hat Dinge ins Wasser geschmissen bekommen, die dort nichts zu suchen haben. Wiebke hat wahllos alles gepackt, was sie greifen konnte und ihrem Bruder hingeworfen.

„Carsten hat mich geärgert!“ „Was hast du gemacht?“ „Nichts!“, ziemlich unschuldig guckt er, aber ich kenne diesen Blick. Denn, am Tumult ist nicht immer derjenige schuld, der laut, sondern manchmal auch der, der leise und subtil ist. „Was hat Carsten denn gesagt?“ „Er hat gesagt, ich soll nicht in die Hose pissen. Aber das habe ich doch gar nicht gemacht!“ „Aber fast!“

Minna wäscht jetzt zwei Betten. Carsten hat ohne Windeln geschlafen und Wiebke hat fast nur ein bisschen ins Bett gepinkelt! Was bin ich froh, dass es Waschmaschinen und Wäschetrockner gibt!

…und warum atemlos? Weil ich die ganze Zeit nicht dazu gekommen bin, mein Lungenspray zu nehmen.

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Nachtrag – 8:46 Uhr: Es wird wirklich langsam zur Plage, aber das muss ich noch schreiben!

Gerade haben sie aus der Werkstatt angerufen! »Das müssen wir unbedingt erzählen bevor wir es vergessen! Carsten sollte eine kleine Aufgabe erledigen und hat das Werkstück in die linke Hand genommen. „Du nimmst doch sonst immer die rechte Hand, warum heute links?“ Seine Antwort: „Weil ich es kann, ich bin nämlich Ambidexter!“«

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*-  In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

5 Gedanken zu „Atemlos“

  1. mo sagt:

    Also der Kerle ist schon eine Marke!

  2. christine b sagt:

    wie cool ist denn das?! suuuupercarsten!

  3. Paula sagt:

    Carsten ist ein Scherzkeks!

  4. Wechselweib sagt:

    So ein Kommentar versüßt einem den Tag!

  5. B sagt:

    Spätestens jetzt erkennen andere auch sein Potential!

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