Behinderung, Gedanken

und doch

Jetzt erst recht – das Leben ist schön!
Nicht leicht, aber dennoch schön! Abwechslungsreich – ja genau, das trifft es. Zu meinem Zeitvertreib hat mal nicht Carsten gekotzt, sondern Wiebke hat sich in den frühen Morgenstunden übergeben. Macht nichts, ich brauchte noch nicht einmal das Bett neu beziehen, lediglich eine Baumwolldecke habe ich unter ihren Körper geschoben und jetzt schläft sie wieder. Carsten findet das geil, dass er deswegen auch nicht in die Werkstatt muss. Ich sollte dazu sagen, dass beide eigentlich gerne gehen, aber grottenfaul sind und lieber im Bett bleiben, zumal es regnet und das Bett so mollig warm ist. Mir kommt das entgegen, mein Husten ist zurück.

… und das Leben ist schön! Fürs Wochenende haben wir ausreichend Lesestoff, was zum Vorlesen und selber lesen. Die Junioren haben gute Laune, ich gute Medikamente – das ist zum Glück in unserem Land Usus. Wenn ich woanders leben würde, wäre das schon nicht der Fall. Carsten sagt: “Mama, du hast kein Covid und dass mit deiner Lunge ist ja nicht erst seit gestern!” Wiebke meint trocken, nachdem sie wieder im Bett lag: “Mama, gut, dass wir noch solche Tücher haben, denn sonst müsstest du das Bett abziehen, ich müsste frieren und du müssest dich beeilen, dass ich nicht auch noch krank werde!” Die Logik meiner Kinder ist manchmal ziemlich krude, aber aus ihrer Sicht völlig nachvollziehbar. Ergo, das Leben ist immer lebenswert – egal was kommt!

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

6 Gedanken zu „und doch“

  1. dergl sagt:

    Ich finde das gar keine krude Logik in den Aussagen von Carsten und Wiebke. Ich nehme das so wahr, dass die beiden einfach nur Fakten benennen. Ich mag solche Leute. Okay, für Leute, die gar keine Erfahrungen mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder gar keine Erfahrungen mit Autist:innen haben kann das erstmal sehr gerade heraus wie ein Schlag vor den Kopf wirken, weil die solche Äußerungen nicht erwarten, aber wenn man dann drüber nachdenkt, müsste man auch ohne Erfahrung mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Autist:innen merken Oh, da werden ja einfach nur Tatsachen benannt. Das bin ich vielleicht gar nicht mehr gewohnt Weißt du, wie ich meine? Aber als “krude” würde ich es dann immer noch nicht sehen.

    1. piri ulbrich sagt:

      Deine Meinung, aber viele unserer Bekannten finden es belustigend und auch krude!

      1. dergl sagt:

        Und das, also den letzten Satzteil, wiederum finde ich sehr schade, insbesondere das “belustigend”, weil das bei mir so ankommt, als würden diese Leute Carsten und Wiebke nicht ernst nehmen. (Das ist meine Empfindung, es ist möglich, dass ich das fehlinterpretiere.) Sie haben da aber erwachsene Menschen Mitte 40 und Ende 30 vor sich, also gestandende Leute, die bloß etwas ungewohnter kommunizieren, und keine kleinen Kinder, wo man dann in den Oh wie drollig!-Modus verfallen kann. Es kann natürlich sein, ich stecke nicht in euch drin, dass ihr es nicht als abwertend oder diskriminierend empfindet. Ich würde mich oder meine:n Angehörige:n, ginge es um eine:n, dann als mindestens verlacht empfinden, wenn dann jemand käme und sagen, das ist krude oder belustigend, anstatt zu akzeptieren, dass eben nicht alle Menschen auf genau die gleiche Art ernsthaft kommunizieren und man vielleicht einfach mal die Perspektive wechseln muss. Wie vereinfacht gesagt zum Beispiel auch wenn Dr. Prof. und jemand mit Handwerksgesellenbrief sich unterhalten, das sind ja auch unterschiedliche Sprachlevel, aber wenn beide die andere Person respektieren, kann sich trotzdem gut ausgetauscht werden, Dr. Prof. darf halt nur nicht die Dr. Prof. Kommunikationsmaßstäbe anlegen und den Mensch mit dem Handwerksgesellenbrief nach diesen Maßstäben bewerten.

        1. piri ulbrich sagt:

          Ja, meine Junioren werden von vielen Menschen, auch von guten Bekannten, nicht ernst genommen. Da bei zusätzlich auch noch sehr klein sind und ‘niedlich’ ist das doppelt schwierig für mich und für Carsten & Wiebke erst recht. Sehr viel Frust steckt manchmal in meinen Antworten an Fragesteller. Wie viel Frust steckt dann in Carsten, der sehr gut reflektieren kann?

          Professoren oder Chef- oder Oberärzte gehen an meine Junioren ganz anders heran. Viel mehr auf Augenhöhe, mit Respekt und würdevoll.

  2. dergl sagt:

    Ich kann nicht mehr direkt antworten, ich hoffe also, es kommt an die richtige Stelle.

    Natürlich seid ihr in einer sehr viel frustrierenderen Situation. Zumal auch noch deshalb, weil je nachdem, welche Leute du mit Bekannten meinst ja auch eine gewisse Abhängigkeit besteht, falls man mal Hilfe benötigt. Dieses Machtgefälle an sich ist schon eklig. Dazu kommt, dass wenn ihr die Frustration dann artikulieren würdet und Carsten ist sprachlich ja tatsächlich recht kompentent, dann das Gegenüber vielleicht diese ätzende Ihr seid so undankbar-Karte spielen würde… Das ist ein Stück weit ein Teufelskreis, weil man einerseits weder sich selber entwickeln kann (indem man Grenzen setzt zum Beispiel, “Ich bin kleiner als du, ich habe vielleicht auch eine lustige Stimme und ich brauche vielleicht auch deine Hilfe, aber ich bin kein Baby, also behandele mich nicht so!” wäre auch ‘ne Grenze) noch die Beziehung zu der anderen Person weiter entwickeln kann, eben wegen dem Machtgefälle…

    Ich kenne das auch, wobei ich natürlich ganz andere Möglichkeiten habe da mal sinnbildlich gesprochen auf den Tisch zu hauen.

    1. piri ulbrich sagt:

      Und wieder gebe ich dir voll und ganz Recht! Oft sind wir tatsächlich in der Helferfalle und besonders ich muss diplomatisch sein. Aber gerade Diplomatie fällt mir schwer, habe ich nicht das Feingefühl der Zwischentöne! Auf den Putz hauen, ist bei mir im übertragenen Sinn eben nicht sanft in Wort und Sprache – ich haue vermutlich verbal wirklich so zu, dass Putz blättert. Wenn ich dann auch noch auf die Person angewiesen bin, ihre Hilfe gebrauche und niemand anderes zu Verfügung steht, dann bin ich lieber still und ziehe mich frustriert zurück.

      Ausbaden tut es meine Lunge – sie pfeift dann drauf!

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