Familie, Gedankenchaos, Kuddelmuddel

nachts

Manchmal, nachts, in der großen Stille, wache ich auf, lausche und flüstere dann wie lautlos ins Dunkle: „Bist Du da?“

Ich sollte mal etwas Kluges schreiben, nicht nur immer wehmütig an das denken, was nicht geht. Das sehen, was machbar ist, und stolz darauf sein.

Stolz? Warum denn ausgerechnet stolz auf etwas sein, das ich für selbstverständlich halte? Somit komme ich zum Zitat: Oftmals greife ich, nach so vielen Jahren – inzwischen habe ich sogar ein anderes Bett – links neben mich und fasse ins Leere. Oder ich taste Bücher, die ich lesen möchte und nicht lesen will. Nicht lesen kann, weil ich entweder dazu zu müde bin oder mich momentan kognitiv überfordert. Seichte Literatur – was auch immer man sich darunter vorstellt –, meist hochgeschätzte Jugendliteratur – verschlinge ich, es bleibt aber nichts hängen. Ich vermisse MamS – und jetzt bin ich wieder dort gelandet, wo ich immer lande – ich vermisse ein Gegenüber, mit dem ich mich auch mal streiten kann.

Ich vermisse ihn aber nicht nur deswegen. Vor Jahren wären wir an einem Pfingstsonntag wie diesem weggefahren und hätten etwas erlebt. Wären vielleicht sogar an den Gardasee gefahren, in irgendeine Pension, denn die Unterkunft war nicht so wichtig, Hauptsache weg aus dem Alltag, woandershin …

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Ist das jetzt etwas Kluges? Garantiert nicht! Aber ich mag gerade nicht über Politik schreiben. Weder um die im eigenen Land noch weltweit. Es liegt so viel im Argen. Meine kleinen eigenen (politischen) Differenzen mit den örtlichen Behörden und die Kämpfe um Teilhabe reichen mir vollkommen im Moment.

Gedankenchaos

Erkenntnis

Ich wohne gern allein in mir. Hin und wieder freue ich mich über Besuch. Und zu Dir hinüber würde ich sogar eine feste Brücke bauen.

Diejenige, für die diese Zeilen bestimmt sind, wird es erkennen! Ich denke allerdings – und das ist ganz neu für mich – dass ich viel mehr, als nur eine Brücke bauen könnte.  Es liegt an mir, ich habe mein Misstrauen hinterfragt und festgestellt, dass es (oft) total unnötig ist.

Behinderung, Kuddelmuddel

Mut

Es gibt keinen Mut ohne Angst!

Meine Erinnerungen an das letzte Jahr sind sehr ambivalent. Im Frühjahr war ich verzweifelt, hatte Panikattacken ohne Ende und mein Tagesablauf war von unspezifischer Angst geprägt. Ich bin mit meinem Autismus – auch, weil ich ständig provoziert worden bin – an jede Wand geknallt, die im Weg stand. Ich habe mich verbogen, habe mich bemüht, mich meinen Mitmenschen anzupassen, und wurde zunehmend unglücklicher.

Die Zeit in der Tagesklinik und die Zeit vorher war sowohl für mich eine Strapaze als auch für die Menschen, die mir helfen wollten, aber nicht wussten, wie. Als meine Erklärungen falsch gedeutet worden sind – als Depression – und mein ständiges Verneinen dessen, wurde mir das so ausgelegt, dass ich die Symptome nicht richtig erkennen würde. Je frustrierter ich wurde, je mehr ich versuchte, klarzustellen, umso mehr wurde es mir als Querulantentum ausgelegt. Ich bekam den Stempel der Systemsprengerin. Ich störte. Störte schon durch meine Anwesenheit, weil man mit mir nichts anzufangen wusste.

Schlussendlich habe ich mich selbst entlassen und weiter gequält. Hatte keine Medikamente und die Psychologin hat verständnisvoll getan, war aber eigentlich nur genervt von mir – so wie ich genervt von ihr war.

Erst im Herbst bekam ich einen längeren Termin beim Psychiater und Neurologen und doch keine Psychopharmaka. Aus Gründen, die er mir erläuterte und die ich verstand. Wegen des Brugada-Syndroms, das ich habe, gibt es große Einschränkungen in der Medikation und das wollte er erst nach anderen Untersuchungen verordnen.

Mitte Oktober war es endlich so weit – meine generalisierte Angststörung wurde als solche erkannt und medikamentös behandelt.

Wir haben immer gelebt. Ich habe den Junioren auch in diesen schweren Zeiten ein schönes Leben bieten wollen und es geschafft (oftmals sehr zu meinen Ungunsten). Zum Handball sind wir alleine gegangen. Ich habe mich damals getraut und habe gefragt. Habe meinen ganzen Mut zusammengeklaubt und habe nach Begleitung gefragt.

Von da an ging’s bergauf. Erst fanden wir durch Hilfe einer langjährigen Freundin eine tolle verrückte Frau und dann durch Vermittlung des Herrn, den ich beim Handball fragte, eine andere tolle verrückte Frau: Diese hat uns zwei unterschiedliche Männer zugespielt. Sie ist inzwischen eine Freundin geworden.

Ich selbst bin offener, verstelle mich nicht mehr, bin mehr ich, als ich es je war, und bin authentisch. Ich finde mich gut – eigentlich das erste Mal in meinem Leben. Mein Umfeld ist entspannter, weil ich entspannter bin und mich nicht mehr so verbiegen lasse …

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Es ist noch nicht vorbei. Ich stehe am Anfang und ich habe Angst, aber auch einen riesengroßen Mut!