Schlagwort: behinderte Angehörige

nur ein Fragment

In der Lebenslotterie
haben wir das Chancenlos
gezogen
ganz unverhofft
– so nebenbei

©petra ulbrich

 

Alles ist surreal. Ich schwebe. Falle. Bete. Fahre das Auto durch die Waschanlage. Atme ein und atme aus – immer automatisch. Ein. Aus. Ein. Aus.

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21:13:42: Es ist Abend und alles ist gut!

sie lesen es nicht

Ja, sie lesen es nicht – die Leute, von denen ich denke, dass sie mir Trost spenden könnten! Aber das ist okay! Nicht okay ist, dass Sachbearbeiter der Krankenkassen, die sich als »Sozialer Dienst« bezeichnen, nicht zurückrufen. Das ist keine Wertschätzung! In meinen Augen ist das eine Hilflosigkeit, die feige ist. Wie so immer greift der Spruch: Den Letzten beißen die Hunde! Ich bleibe hier mit meinen Sorgen allein, nur weil das Gesundheitssystem in Deutschland Menschen mit Behinderung, wenn sie erwachsen sind, nicht adäquat betreuen kann, weil es zum Beispiel keine Psychologen gibt, die mit diesen Menschen arbeiten. Es gibt generell zu wenige solcher Therapeuten und um mit geistig behinderten Klienten zu arbeiten, braucht es noch mehr Anstrengung als ohnehin nötig.

Jeder Morgen ist ein Morgen, an dem ich bangend aufstehe. Auch wenn ich in der Nacht den Kerle umgedreht habe, so weiß ich dennoch morgens nicht, ob er nicht unterzuckert ist. Auch ist es immer wieder ein Kampf – ja tatsächlich, mit wem auch immer, aber es ist kämpfen, dass mein Sohn noch im Bett etwas trinkt! Wer hier schon länger liest, weiß, dass er diskutieren kann und ohne Punkt und Komma redet. Politiker machen das so, aber wir haben keine in der Familie. Woher er das hat, ich weiß es nicht. Aber dies ganze Reden macht es doppelt schwer. Seine Argumente sind nicht einfach wegzuwischen, sie haben Hand und Fuß. Er hat einen kleinen Magen, seine Anatomie ist verschoben, seine Speiseröhre ist angegriffen – er hört bei Arztgesprächen immer sehr aufmerksam zu. Auch, dass es jenes nicht mag, was doch sehr gesund ist – ich kann es nachvollziehen! Wenn Carsten sich dann in Rage redet, kommt aus der anderen Ecke Schützenhilfe. Manchmal in Form von miteinsteigen in die Diskussion, manchmal von weinen, weil sich Wiebke überfordert fühlt und manchmal einfach von schreien und zetern, dass ich doch endlich was machen soll!

Jetzt sind beide in der Lebenswerkstatt, ich wuchte den noch feuchten Teppich zurück auf die Terrasse und verschwinde zum Aufräumen in den Keller!

10:52:36 Nachtrag: Irgendwelche dummdoofen Kommentare kann ich jetzt auch noch brauchen, wie Bauchweh!
13:29:34: Sorry – fremde Kommentare, die mit dem Beitrag nichts zu tun haben, schalte ich auch nicht frei, auch wenn sie noch so nett sind!

und eine Stippvisite

Sie wollen uns nicht! Alle drei dürfen wir nur in die Notaufnahme. Dort müsste ich mich dann teilen. Mit dem einen Teil dableiben, beim Kerle – mit dem anderen Teil nach Hause fahren, mit dem Töchting. Da hilft kein noch so vieles reden, keine Argumente, noch nicht einmal Tränen. Warten wir die Infusion ab und fahren wieder.

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen. […]
Heinrich Heine

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