Gedankenchaos

drei Schwestern

Ich habe zwei Schwestern. Zusammen sind wir drei Schwestern und drei Brüder.  Und obwohl wir dieselben Eltern haben, könnten wir unterschiedlicher kaum sein.

Als Älteste habe ich vieles zuerst erlebt. Vieles zuerst ausgefochten. Ich war die, die Grenzen verschoben hat, damit sie für die beiden anderen selbstverständlich wurden. Nicht immer mit Erfolg, aber oft genug.

Ich war auch die, die aus dem Dachfenster auf die Birke kletterte, weil das einfacher war, als durch die Haustür zu gehen. Später mussten meine Schwestern diesen Weg gar nicht mehr nehmen. Sie durften einfach zur Tür hinaus. Ein kleines bisschen, weil ich vorher dafür gekämpft hatte.

Aber eigentlich geht es gar nicht darum.

Es geht um zwei Schwestern.

Die mittlere ist mir fremd geworden. Nicht erst seit gestern, sondern Stück für Stück. So langsam, dass ich es lange nicht wahrhaben wollte. Ich habe immer wieder versucht, eine Brücke zu bauen. Habe erzählt, zugehört, Verständnis gesucht. Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich die Einzige war, die auf diese Brücke zuging.

Wir leben nicht nur unterschiedliche Leben. Wir schauen auch mit völlig unterschiedlichen Augen auf die Welt. Was sie begeistert, lässt mich kalt. Was mir wichtig ist, versteht sie nicht. Unsere Gespräche enden oft dort, wo sie eigentlich erst beginnen sollten. Statt Nähe bleibt Distanz. Statt Leichtigkeit bleiben Sticheleien.

Das Schlimmste daran ist nicht einmal, dass wir so verschieden sind.

Das Schlimmste ist, dass ich irgendwann aufgehört habe zu hoffen.

Sie ist meine Schwester. Das wird sie immer sein. Aber sie wird vermutlich nie der Mensch sein, den ich anrufe, wenn mein Herz schwer ist. Und dieser Gedanke tut manchmal mehr weh, als ich zugeben möchte.

Dann gibt es meine kleine große Schwester.

Auch wir sind verschieden. Sie ist groß, ich klein. Sie trägt hohe Schuhe, ich lieber bequeme. Sie ist sportlich, ich mache Sport eher aus Vernunft. Sie hat studiert, ich bin meinen eigenen Weg gegangen.

Und trotzdem verstehen wir uns.

Nicht, weil wir gleich sind. Sondern weil wir einander sein lassen.

Wir können diskutieren, lachen, albern sein, lästern, weinen und schweigen. Wir können unterschiedlicher Meinung sein, ohne dass einer den anderen kleiner macht. Wir können ehrlich sein, ohne Angst haben zu müssen, dass Ehrlichkeit gegen uns verwendet wird. Das ist ein Geschenk. Vielleicht sogar das größte.

Mit der mittleren Schwester haben wir es versucht. Immer wieder. Sie wahrscheinlich auf ihre Weise, ich auf meine. Aber manche Beziehungen lassen sich nicht retten, nur weil man sie retten möchte.

Das einzugestehen, hat lange gedauert.

Heute weiß ich: Nicht jede Schwester wird zur Freundin. Und das ist traurig. Aber noch trauriger wäre es, immer wieder an einer Tür zu klopfen, von der man längst weiß, dass sie verschlossen bleibt.

Wir drei können austeilen. Jede auf ihre ganz eigene Art.

Die mittlere darf das auch.

Nur eben ohne mich.

Denn irgendwann kommt der Moment, an dem man nicht mehr kämpfen muss, sondern loslassen darf.

Und manchmal ist genau das der größte Akt von Selbstfürsorge.

Gedankenchaos

Überschriften

Es kommt vor, dass ich Überschriften sammle. Mehr als das schaffe ich nicht, denn nach den Überschriften folgt ein leeres Blatt Papier, das mich anzugrinsen scheint und mir dabei zu verstehen gibt, dass ich es niemals füllen werde – weder mit Worten, noch mit Bleistiftstrichen, und schon gar nicht mit Farbe.

Dieses leere Blatt Papier höhnt mich: „Auch wenn du mich füllst, wird es niemand sehen wollen! Du hast es doch schon so oft ausprobiert, was ist dabei herausgekommen? Kaum jemand hat reagiert. Diejenigen, für die du es gemacht hast, tun sogar so, als hätten sie es nie gesehen!“

Trotzdem werde ich weiterhin Überschriften sammeln und mich bemühen, leere Seiten nicht leer zu lassen. Ich hoffe immer noch, dass die richtige Person kommt, sich verstanden fühlt und mit mir ein sinnvolles Gespräch führt.

Behinderung, Gedankenchaos

Steine wegräumen

Kann mir mal bitte jemand die Steine wegräumen?

Nein, muss ich wohl schon selber machen. Wiebke sagte letztens: „Die Steine sehen schön aus!“ Ja, das tun sie und ich kann mich erinnern, dass mein Vater extra, als er unseren Familiengarten angelegt hat, große Findlinge (wirklich große) zusammengesucht hat und schön drapiert hat. Ich habe die Möglichkeit hier nicht, denn hier in der Gegend gibts nur Feldsteine und bescheuerte Steinvorgärten.  Aus diesen wird jegliches Grün entfernt. Möglichst steril und Bienenunfreundlich. Sowieso sind die Bienen manchen Nachbarn suspekt. Er wedelt mit den Händen sobald er nur ein kleines Fliegetier sieht. Steine hat er dennoch nicht im Garten – nur englischen Rasen!

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weiter gehts …