Schlagwort: Angst

andere Leute haben das auch

Es tröstet mich: andere Leute haben auch Angst! Es gibt sogar welche, die wie ich jeden Morgen mit Bauchbrummeln aufwachen. Das sind Menschen, die mitten im Leben stehen – ich bräuchte mir also über ein Alleinstellungsmerkmal keine Gedanken machen, sagt mir eine Psychologin, das wäre gar nicht so selten. Ich solle bloß versuchen, mich nicht von der Angst vereinnahmen zu lassen. Das schaffe ich an manchen Tagen schon gut. Es ist auch (für mich) hilfreich zu benennen aus was die Angst besteht. Dann kann ich sie nämlich zerpflücken. Nicht immer gelingt mir das. Heute vielleicht. 

Hier ist Gruselwetter. Gestern Sommer und nun grau und gleich wird‘s regnen. Die Junioren sollen noch schlafen – Carsten pennt, nur Wiebke kann nicht weiterschlafen weil ‚ihre Augen auf sind und mit offenen Augen kann man doch nicht schlafen, da sieht man doch so viel!‘ Als ich ihr sagte: „Mach die Augen einfach zu!“ „Geht nicht, die gehen immer wieder auf!“ Hoffentlich hält sie das Schlagerkonzert am Abend durch, zum vorschlafen kann ich sie nicht zwingen. Auch so etwas mach mir Angst, ich würde sie so gerne beschützen, kann es nicht und das bedrückt mich dann doch. Gebt mir jetzt bitte keine Ratschläge, wie den im anonymen Kommentar, dass auch nichtbehinderte Menschen einmal Langeweile haben. Interpretation von mir: dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen. Ich will jetzt nicht mit Ableismus kommen. Versteckt war es das dennoch.

wie ist das, Angst zu haben?

Eigentlich, so dachte ich, dass die Luft zum bloggen verpufft ist. Aber wie so oft habe ich mich getäuscht. Es passiert viel Unblogbares, in meinem Inneren und um mich herum. Eine ältere Helferin verlässt uns und so haben wir kaum noch zuverlässige regelmäßige Helfer. Ich brauche diese aber, sonst drehe ich durch. Ich benötige Menschen auch für mich und Menschen für die Junioren damit ich nicht alles alleine verantworten muss, damit auch einmal andere das immer gleiche Gerede der Junioren aushalten und wir hier rauskommen. Es gibt niemanden, schon gar keinen, der/die regelmäßig wöchentlich kommt…

Ich wiederhole mich, es ist nichts neues und es langweilt sicherlich so manche – Leben besteht eben auch immer aus Wiederholungen, aber genau das Beständige macht es berechenbarer und ebenso entschieden leichter!

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Was hat das alles mit Angst zu tun? Eine ganze Menge. Angst vor Veränderungen, Angst zu scheitern, nicht zu genügen und Angst davor mit der Pflege der behinderten Junioren  – nein, nicht mit der körperlichen Pflege, sondern mit der, die Beiden adäquat zu beschäftigen, ihnen etwas zu bieten und dabei mich selbst nicht völlig zu vergessen. Ich komme zu kurz und wenn jetzt noch jemand abspringt, dann bin ich, fühle ich mich, für alles zuständig und habe die berechtigte Angst durchzudrehen!

Glaubt mir, das ist kein Einzelproblem. Sehr viele pflegende Angehörige haben kaum Möglichkeit ein eigenständiges Leben zu führen, denn sie sind nicht allein – aber oft einsam.

gut gehen

Heute Morgen ging es mir endlich einmal gut. Ich hatte keine Angst, ich war frei. Hab mich noch mal ins Bett gelegt und Charité geguckt – die ganze Staffel. Fast am Ende klingelt das Telefon, und die Lebenswerkstatt ist dran. Mein Puls pocht, mein Herz rast, und mir wurde schlagartig übel. Carsten hat gekotzt und ihm geht es nicht gut. Er atmet schwer und er hat geweint. Er, der selten weint, hat geweint!

Ich bin hin, in die Werkstatt und fand ein Häufchen Elend vor! Empfangen hat mich allerdings ein hustendes Töchting – natürlich habe ich sie auch mit heimgenommen!

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