Kuddelmuddel

Das Loch in der Straße

– Autobiografie in fünf Kapiteln

1. Kapitel
Ich gehe die Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren … Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder heraus zu kommen.

2. Kapitel
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann es nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, heraus zu kommen.

3. Kapitel
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Dieses Mal sehe ich es.
Ich falle hinein … aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine Schuld
Ich komme sofort heraus.

4. Kapitel
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5. Kapitel
Ich gehe eine andere Straße!

 Sogyal Rinpoche: Das tibetische Buch vom Leben und Sterben

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So langsam sollte ich auch endlich eine andere Straße nehmen. Das Loch werde ich nicht mehr zuschütten und solange es kein anderer tut …

Kuddelmuddel

Geht nicht, gibtˋs nicht oder über die Dankbarkeit

Na ja, so einfach ist es dann nun doch nicht. Manchmal ist aufgeben schon eine Alternative. Dieses Projekt aufgeben, diese eine Sache! Dafür eine neue beginnen. Nicht das Leben aufgeben! Manches geht wirklich nicht und es ist keine Schande, wenn man sich das eingesteht. Manchmal ist es sogar so, dass wenn man etwas begräbt, wenn man sich eingesteht, dass es unmöglich ist.  Es tun sich dann andere Möglichkeiten auf, die viel besser zu einem passen.

Eine Menge Theorie – oder? Ich habe jetzt auch kein konkretes Beispiel. Gerade heute nicht. Unsere Helferin, mit der wir heute Morgen auf dem Weinfestgottesdienst waren, kam viel zu früh. Ich war noch nicht einmal richtig angezogen, Carsten gerade der Badewanne entstiegen und Wiebke nicht gekämmt. Damit hat sie mich unter Druck gesetzt. Bei ihr fühle ich mich sowieso bemüßigt, sie auch noch zu unterhalten und ihr Gutes zu tun. So habe ich in der Hektik vergessen meine Lungenmedikamente zu nehmen, weil ich Carsten was zu trinken geben, Wiebke kämmen, die Pastorenfreundin unterhalten und mich noch fertig anziehen musste. Wäre sie, wie abgesprochen, eine Viertelstunde später erschienen, hätte ich viel entspannter in den Tag starten können. So habe ich wieder einmal gehudelt …

Nach dem Gottesdienst, das wusste ich, wollte die Begleitung gleich nach Hause. Sie mag keine Bratwurst und den ‚Viehauftrieb‘ (wie sie es nennt) auch nicht! Wir wären gerne geblieben. Aber dann wäre sie auch geblieben und ich hätte ihr leidendes Gesicht – weil ich doch weiß, dass sie so etwas (das Weinfest) nicht mag – ständig im Nacken gehabt. Carsten war’s recht, Wiebke fühlt sich in Menschenmassen überhaupt nicht wohl und Carsten brauchte so nichts zu essen.  Nur haben wir auch nichts daheim – und nebenbei haben wir uns wieder abgesondert. Trotzdem bin ich dankbar für diese Helferin, ist sie doch eine sehr treue Seele mit – leider – ziemlichen Macken und manchmal möchte ich sie auf die Rückseite des Mondes schießen, denn ihr Getue zieht uns runter. Einerseits mag ich sie ja, andererseits ist sie ein GutMensch erster Güte und stellt das so in den Vordergrund. Ich bin dankbar, dass sie da ist, aber ich kann mir die Dankbarkeit nicht auf die Stirn tätowieren …

Kuddelmuddel

Päckele

Überraschung 

Heute kam ein merkwürdiges Päckchen bei uns an. Wenn es nicht angekündigt gewesen wäre – ich hätte es nicht angenommen! Einen Router haben wir nämlich schon.

Wiebke hat einen Luftsprung gemacht. Tja, leider kann sie ebendies nicht. Aber sie hat sich ein Loch in die Mütze gefreut. „Endlich, endlich habe ich wieder einen Papa Schlumpf!“ Sie hat ihn geküsst, erst mal verdroschen – was ein großer Liebesbeweis ist – hat ihn einen Ehrenplatz zugewiesen und dann erst hat sie Schlumpfine auf dem Roller und den verletzten Schlumpf mit dem eingewickelten Finger entdeckt. Liebe isa, du hättest es sehen müssen – mein Töchting hat sich riesig gefreut!

Carsten hat sich den Fußballanhänger geschnappt und ich musste diesen standepedes an seinen Rolligurt hängen.

… und ich? Ich trage nicht nur lila Haare, sondern seit einer Stunde auch einen lila Schal um den Hals – so ein edles Teil, so ein feines Stöffchen, so weich, so schön! – und die Schokolade ist gar nicht geschmolzen!