denke ich, dass heute ein schöner Tag ist mag ich mal nichts tun mag ich nicht an morgen denken spüre ich im Nacken eine juckende Hautstelle freue ich mich über die zufriedenen Junioren fühle ich den Wind im Haar trage ich Shorts und ein hellblaues T-Shirt brauche ich nichts höre ich Nachrichten mache ich mir keine Gedanken lese ich nichts – ich höre doch Nachrichten trinke ich Wassermelonenschorle vermisse ich einen erwachsenen Menschen an meiner Seite schaue ich auf die Tastatur träume ich vom nächsten Biergartenbesuch
Gefunden habe ich diese Stichworte vor einigen Tagen in einem mir unbekannten Blog – ich hab‘s mir nur nicht gemerkt wo. Schade, denn ich hätte gerne einen kleinen Dank dagelassen – die Idee finde ich nämlich sehr schön.
Schon den ganzen Vormittag denke ich an einen Freund. Roland ist tot, viel zu früh gestorben. Noch keine 60 Jahre alt. Er war lustig. Er war komisch – in jeder Hinsicht komisch. Er konnte ein Clown sein und wunderbar kluge Witze machen, aber er konnte auch wunderlich komisch sein. Verschroben und nicht von dieser Welt. Dabei war er ein herzensguter Mensch, ein toller Gesprächspartner und Spielepartner. Was haben wir uns Gesprächsfetzen an den Kopf geworfen? Er war grundehrlich, so ehrlich, dass es manchesmal höllisch wehgetan hat. Als er das erste Mal den Gehirntumor bekam, hat er sich zurückgezogen. Ich habe ihn wieder aufgespürt und habe nicht locker gelassen. Lange Zeit dachten wir, alles ist gut. Es schien auch so, nach der schwierigen OP. Als nach drei Jahren die Wortfindungsstörungen wieder einsetzten und die halbjährliche Untersuchung ein kleines Knötchen im Hirn zeigte, waren wir – seine Freundin und wir anderen Freunde – optimistisch, war das Geschwulst nur ein paar Milimeter groß. Dass es so schnell wachsen und aggressiv streuen würde, daran hat niemand, auch die Ärzte nicht, gedacht! Er selbst wusste es wohl, bzw., er ahnte es.
Wir haben oft hier im Garten gesessen. Früher sind wir viel spazierengegangen. Roland hat so gerne unsere Zitronenlimonade getrunken. Sushi war sein Leibgericht und durch ihn habe ich das schätzen gelernt.
Ist das jetzt schon drei Jahre her, dass er gestorben ist, oder erst zwei? Die Zeit vergeht und Erinnerungen verblassen. Ich sehe ihn noch bei uns auf dem Sofa liegen und schlafen: „Nur ein Viertelstündchen ausruhen!“ Er war nicht der schnellste. Er war es nie. Mit dem Tumor im Kopf wurde er langsam und langsamer. Manchmal, so schien es mir, wäre er fast im gehen eingeschlafen. Aber er war auch ein begnadeter Musiker, spielte Gitarre, Flöte, Dudelsack und vor allem Saxophon. Diesen Klang, diese oft klagenden Melodien habe ich heute im Ohr – will aber nichts davon hören. Will einfach nur an einen sehr, sehr guten Freund denken.