Behinderung

diskutieren um des diskutieren willen

Manchmal wünschte ich mir, meine Kinder könnten nicht reden. Oder besser, andere würden sie auch gut verstehen, dann bräuchte ich nicht ständig mit ihnen Streitgespräche führen. Bräuchte ich nicht nur! Dann müssten auch andere sich mit ihnen auseinandersetzen und zuhören!

Nein, natürlich wünsche ich mir nicht, dass sie nicht reden könnten. Dann würde mir sehr viel entgehen – natürlich hätte es heute morgen kein Gemecker gegeben, aber wir hätten auch keinen so schönen Tag gehabt, denn ich wäre das Wagnis nicht eingegangen mit ihnen auf die BuGa zu gehen. Der Pastorenfreundin danke ich, sie ist mutig und lässt sich nicht abschrecken, wenn Wiebke diskutiert, dass sie unausgeschlafen keine gute Laune hat und dass eine schlechte Laune uns den Tag verdirbt. – Hat sie nicht, denn ihre schlechte Laune währte 10 Minuten. Carsten diskutiert wegen der Astronautenkost, die er nicht trinken will. Oder beide streiten um Anorak, die sie nicht anziehen wollen – wir hätten sie tatsächlich Daheim lassen können. „Was zu trinken brauchen wir nicht mitnehmen!“ … und dann war es gut, dass ein Fläschchen Wasser dabei war. Um noch 10 Minuten länger im Park bleiben zu können, haben sie geredet – auch da haben die Junioren gewonnen. Wir großen haben uns gerne breitschlagen lassen.

Angeschaut sind wir worden, angegafft, Exoten gleich – nicht immer konnte ich es leicht wegstecken. Wenn sich Leute immer wieder umdrehen und starren, dann habe ich – wenn es zu offensichtlich ist – ein dünnes Fell. Dann blaffe ich auch schon mal zurück und gaffe ebenso. Carsten bricht dann das Eis wenn er sagt: „Ich bin behindert, na und!“

In solchen Situationen möchte ich, dass andere Menschen die Junioren verstehen – akustisch verstehen – denn dann wäre diskutieren mit ihnen wunderbar und auch erfüllend für ‚fremde Leut‘.

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

9 Gedanken zu „diskutieren um des diskutieren willen“

  1. Wechselweib sagt:

    Coole Reaktion von deinem Sohn! :good:

    1. piri ulbrich sagt:

      Eigentlich bleibt ihm nur die Offensive!

  2. B sagt:

    Ist Schauen immer schlecht? Ich finde ignorieren nicht besser. Die gesunde Mischung wäre wohl wünschenswert. Man sollte sich anschauen, wie Kinder natürlich mit der Situation umgehen und davon lernen.
    PS: wirklich cool Dein Sohn

    1. piri ulbrich sagt:

      Interessiertes gucken ist per se okay. Aber anstarren, gaffen, das nervt. Meine Kinder sehen ungewöhnlich aus, aber nur gucken und dann wegrennen, verschämt zu Seite gucken, wenn sie ertappt sind – die Gaffer – das ist wie im Zirkus. Manchmal ist es okay, aber miteinander sprechen ist immer besser/schöner!

      1. B sagt:

        Das kann ich verstehen. Das ist richtig blöd und auch nicht fair. Man sollte schon in der Schule den natürlichen Umgang beibringen, damit nicht solche Berûhrungsängste entstehen.
        Ich glaube in den Niederlanden funktioniert das besser, ich sehe da oft Teenager, die Ausflüge mit Behinderten machen. Da schaut auch niemand.

        1. piri ulbrich sagt:

          Nein, man sollte im Kindergarten damit anfangen. Es sollte normal sein, verschieden zu sein!

        2. B sagt:

          Ja, das kenne ich dort aber auch. Später eben nicht mehr.
          Das sehe ich auch so. Jeder kann von jedem lernen!

  3. Paula sagt:

    Trotz der blöden Gaffer dorthin zu gehen, finde ich ausgesprochen mutig. Hut ab! Zurückstarren finde ich angemessen, denn dumme Leute fühlen sich immer unbeobachtet und merken erst dann, was sie tun, wenn man genau das gleiche macht.
    Das mache ich auch so mit kleinen Kindern, die mich ungeniert oder bohrend anstarren, wenn ich dasselbe mache, sehen sie auch wieder weg.

    1. piri ulbrich sagt:

      Sollen wir uns verkriechen? Manchmal ist mir schon danach. Aber es bringt nichts. Deswegen, rausgehen, uns zeigen und aufmerksam aufs Andersein machen! i

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