Behinderung, Kuddelmuddel

Managerin

Leider bin ich keine, müsste aber eine sein, bei dem Kuddelmuddel hier vor Ort!

  • Uniklinik Tübingen hat eine Privatrechnung geschickt.
  • Krankenkassenmitarbeiterin – inzwischen eine sehr verständnisvolle – schickt laufend Mails wegen der Inkontinenzversorgung vom Kerle. Nach langem Hin- und Her sind wir auf einem guten Weg. Der Medizinische Dienst muss nun entscheiden. Der tut das leider meist nach Aktenlage, ohne den Patienten überhaupt gesehen zu haben.
  • Das Vormundschaft Betreungsgericht fordert den jährlichen Bericht ein, dass meine Junioren immer noch nicht selbstständig leben können und nicht über ihre Finanzen eigenständig verfügen können.
  • Vierteljährlich wird geprüft, ob ich meine Junioren auch gut versorge.
  • Assistenzkräfte gibt es immer noch nicht ausreichende.
  • Mein Bauch brummelt und der Hausarzt sagt, dass das psychosomatisch ist, weil nämlich kein Medikament wirkt. Inzwischen nehme ich ein Psychopharmakon, das Heißhungerattacken hervorruft – sehr kontraproduktiv zu meinen Magenschmerzen.
  • Bandprobe fällt kurzfristig aus.
  • Werkstattangehörigenfest ist morgen – ein Kuchen muss ich backen.
  • Nächste Woche ist Tag der offenen Tür in der Lebenswerkstatt und sie möchten doch bitte gerne auch einen Kuchen.
  • Carstens Astronautenkost ist zur Zeit nicht lieferbar! 

…und das normale Leben geht nebenbei auch weiter. Der Garten, den ich nicht liebe, das bisschen Haushalt, die tägliche Waschmaschinenladung, Betten ab- und wieder beziehen, Köstlichkeiten des täglichen Bedarfs einkaufen …

  • Vergessen hab ich Wiebkes Rollstuhl, dessen Sitzschale nicht mehr passt. Mein Töchting sitzt nicht sehr aktiv und fällt fast raus.
Junioren, Kuddelmuddel

Du Mama

Heute habe ich neunundsiebzig Stück gemacht!
Was hast du gemacht?
Carsten guckt mich an, als ob ich mich absichtlich blöd stelle: Neunundsiebzig Ablassschrauben!
Aha, ist das viel? – Jetzt stelle ich mich wirklich absichtlich blöd an, weil ich nämlich weiß, dass das relativ wenig ist.
Ach Mama, ich hab doch bloß ganz kurze Zeit gearbeitet.
Aus dem Töchtingzimmer kommt ein ziemlich frecher Ton angeflogen: Und ich hab gar nichts gemacht!

Gedankenchaos, Kuddelmuddel

Wie nur?

Wie bekomme ich hier die Schwere raus? Es sind nicht alles Steine, es gibt ebenso schöne Momente. Zum Beispiel wenn Wiebke ungefragt ihre Trinkflasche in die Spüle stellt und bei Carsten vorbeirollt und sich sein Glas geben lässt, um dies dann auch in die Küche zu bringen. Oder, ich laufe in die Weinberge, finde dort ein Wengerterhäuschen mit Schatten und sitze dort sinnierten. Die Winzerfreundin (ich nenn sie jetzt mal so) kommt vorbei und reicht mir eine Flasche Wasser: „Hier trink was, du hast schon einen roten Kopf!“ Das hatte ich nämlich völlig vergessen.

Meine Sorgen kann ich leider nicht abstellen – es ist einfach viel zu viel für eine allein! Die Junioren sind bei der Bandprobe und heizen den ohnehin warmen Probenraum kräftig ein.