Kategorie: Kuddelmuddel

hab noch nicht mal einen Namen

… dafür Schuhe! Woher ich bin weiß ich nicht. Wem ich gehöre auch nicht. Ich sitze immer da, wo ich nicht sitzen soll – auf der Lampe, oder zwischen der Wäsche, die zusammengelegt werden muss. Meistens bin ich aber im Schlafzimmer, da wo die anderen Bären auch sind. Im Bücherregal herrscht nicht nur Gedränge an Lesbaren – nein, auch noch ne Menge andere Bären sind dort. Wartet‘s mal ab, es kommen noch einige!

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Namenlos zu sein, ist auch heimatlos. Nirgendwo hinzugehören, immer herumgeschubst zu werden macht etwas!

Willy

Was soll sie über mich schreiben?

Ich habe mich mal hingesetzt, um eine Autobiografie zu schreiben, aber wie ihr seht, bin ich nicht weit gekommen. Es gibt einfach zu viel zu erzählen und viel zu wenig Platz hier im Blog.

Zu Beginn war ich nackt, als mich diese Frau aus dem Regal holte, in dem ich gut nachdenken konnte. In der Secondhand-Fundusschublade fand ich dann ein kariertes Hemd, aber mir war immer noch kalt. Die orangefarbene Fleecejacke wollte mir die Frau nicht anziehen, das wäre angeblich etwas für Mädchen. Unsinn! Männer dürfen das in Zeiten der Emanzipation genauso tragen. Leute, das war eine Wohltat endlich nicht mehr so zu frieren.

Jetzt muss ich aber meine Geschichte erzählen: Dem Carsten wurde ich geschenkt, als er einmal wieder mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus musste. Der kleine Junge mit Behinderung hatte sich den Schädel gebrochen. Ein Mitschüler hatte mit voller Wucht gegen seinen Rollstuhl getreten, wodurch Carsten umgefallen und der Rollstuhl auf ihn gefallen war. – Ich weiß das auch nur aus Erzählungen. Im Rettungswagen gab es noch zwei von meiner Sorte. Meine Aufgabe war es, Carsten zu trösten. Ich sollte ihm über den ersten Schmerz und Schreck hinweghelfen, ihn beruhigen und ihm das Gefühl geben, dass er nicht allein ist. Das habe ich sehr gut gemacht, und so durfte Carsten mich behalten. Ich wurde auch geröntgt, bekam einen Verband, und dann sind wir gemeinsam nach Hause gegangen.

Lilli

Hallo! Ich bin die Lilli. Aber wollt ihr mich wirklich sehen, mich kennenlernen? Mein rechter Arm ist doch ganz schief angenäht und meine Schnauze ist auch ganz dwars gestickt. Als die Bärenmama mich genäht hat – in dem Kurs bei der Volkshochschule – da hat die Dozentin gesagt, sie solle doch lieber einen größeren Teddy nähen, das wäre leichter. Aber nen großen Bären hatte die Mama schon genäht, sie wollte es einfach klein machen. 

Ich passe in eine Tasse. Ja, und da hab ich auch drin gesteckt. Der Mann von der Mama hat sich gefreut und dann habe ich ganz lange hinter einer Tastatur gesessen, im Büro vom Papa auf der Arbeit. Und alle Kollegen und Azubis, sogar der Chef vom Papa fanden mich knuffig – gerade, weil ich nicht so groß bin. Zurück zu dem grauen Bären mit den Kreuzen bin ich erst wieder gekommen, als der Papa in Rente gegangen ist. Und als der Papa dann gestorben ist, da hab ich mich erst mal verkrochen. Ich wollte nichts mehr sehen und dann holt die Mama mich raus und will mich mit meinem ärgsten Feind verkuppeln. Nee, das fand ich gar nicht gut. Ich hab ihn dann umgeschubst und seitdem lässt er mich in Ruhe. 

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