Kategorie: Junioren

Du Mama

Der Kerle liegt im Bett, den Kopf auf die Hände gestützt und mit gerunzelter Stirn: „Du Mama, ich denke nach!“ „Worüber denn? Jetzt kannst du erst einmal noch ein Weilchen schlafen!“ „Wie läuft das mit dem Auftritt? Was zieh‘ ich an? Und wenn das heiß wird, ich komme doch auf der Bühne nicht an mein Trinken ran!“ Das sind tatsächlich wichtige Fragen, besonders der letzte Einwand. Der Bandleader mag mich nicht auf der Bühne haben: „Da hast du nichts zu suchen!“ Stimmt. Nur, dann muss er sich auch um seine Bandkollegen sorgen. Dass sich der Kerle über den Durst Gedanken macht ist mir jedenfalls ein Hinweis, mich einzumischen.

„Du Mama, weißt du was? Wir rocken den Platz!“ Er trinkt einen Schluck süßen Kaffee, deckt sich den Plüschelch übers Gesicht und schläft noch ne Runde.

ein Theaterbesuch im Dorf

Es gibt nur noch die Grundschule im Dorf, eine mit sehr engagierten Lehrkräften wie mir scheint. Eine Schule mit musischem Schwerpunkt. Drei Jahre hat Corona die Schüler*innen ausgebremst – alle haben das sehr bedauert. Vorgestern und gestern gab es endlich wieder einen Musischen Abend.  Schneewittchen und die sieben Zwerge stand auf dem Programm. Die Junioren sind dort ja nicht zur Schule gegangen, kennen sie aber, weil die Ortsbücherei unter dem Musiksaal im Souterrain ihre Schätze bereithält. Immer wieder sehen wir dort Kinder und manchmal kommen wir sogar ins Gespräch. Der Kerle kannte so tatsächlich so manche Akteurin – leider sind die Jungs dort wenig Theaterbegeistert. 

Massen stürmten den kleinen Saal, heiß wars, schwül und leider hat nur das Töchting daran gedacht, sich was zu trinken mitzunehmen.  Der Kerle platzierte sich mittenmang, mit bester Sicht auf die Bühne. Das Töchting saß bei mir ein bisschen abseits – konnte aber gut sehen. Zu sehen und zu hören war einiges. Es war eindrucksvoll. Allein der Chor, einheitlich mit dem gleichen T-Shirt – auch in Grundschulen gibts schon Sponsoring* – der Chor war musikalisch einwandfrei. Sie haben echt geübt. 

Ihr kennt das Märchen, ich brauche es nicht erzählen. Die böse Stiefmutter tritt auf und nimmt mich  gefangen. Unprätentiös spielt sie sehr überzeugend ihre Rolle. Aber auch die schöne Prinzessin mit rotem Kussmund und Diadem im Haar – toll. Nein, eigentlich darf ich niemanden hervorheben, denn das Stück war stimmig vom Anfang bis zum Ende. Alles eine Leistung der vierten Klasse! Der Chor ist sogar eine Jahrgangsstufe niedriger. 

Der Kerle hat mitdirigiert, das Töchting war im Stillen die Prinzessin – beide, besonders mein begeisterungsfähiger Sohn wollen heute in der Werkstatt vorschlagen, dass es dort auch eine Theater-AG geben soll.

Schweißnass sind wir raus. Zuhause erst mal trinken und dann hat sich mein Töchting die Lippen knallrot geschminkt und der Kerle sich seine Mundharmonika geschnappt, hat noch ein bisschen was geübt – für den Auftritt morgen und irgendwann sind Beide beseelt ins Bett…

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*Notiz für mich: nach so jemanden für die Band Ausschau halten!

es regnet

Es regnet
Gott segnet
die Erde wird nass

Es regnet sutsche vor sich hin – herrlich! Die Pflanzen freut‘s. Meinem Töchting nicht – denn, sie könnte ja nass werden! Tatsächlich tröpfelt es nur noch, als der Malteserbus vorfährt. Ihr müsst wissen, meine Tochter ist aus Zucker und schmilzt sobald sie mit Regen in Verbindung kommt! Außerdem ist es empfindlich kalt, ca. 20°C und da braucht sie mindestens eine lange Hose, wenn nicht noch einen Pullover. Der Kerle zu ihr: „Sag mal das ist doch nur peripher, ändert sich doch ganz schnell wenn die Sonne wieder rauskommt!“ Ich habe den Mund nicht mehr zubekommen und auch darüber hat er lachen müssen.

Dem Kerle geht’s grad phasenweise ein bisschen besser, immer dann, wenn er ausreichend Nahrung gegessen hat. Jetzt wünsche ich mir nur noch, dass er das auch selber so sieht.

„Du Mama, ich habe in der Werkstatt erzählt, dass wir am Wochenende endlich einen Auftritt haben. Alle sind begeistert, aber wahrscheinlich kann keiner kommen. Das ist irgendwie gemein!“ Mein Töchting ist traurig und der Kerle sagt dazu gar nichts. Schade ist das! Allerdings liegt es nicht nur daran, dass niemand eine Iklusionsband sehen und hören will, auch daran, dass so wenig Werbung dafür gemacht wird. 

 

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