Kategorie: Gedankenchaos

zuhören

Zuhören können ist der halbe Erfolg. Calvin Coolidge

Von Natur aus sind wir mit zwei Ohren und einem Mund ausgestattet.

Auf einigen Seminaren habe ich reden gelernt – mit meiner Rhetorik habe ich so manche an die Wand geredet. Die Junioren hatten zwei Eltern, die beide nicht auf den Mund gefallen waren. MamS konnte mühelos aus dem Stand eine fundierte Rede halten. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass meine Kinder fremde Menschen verblüffen. Wegen ihrer Körpergröße unterschätzen Personen Carsten und Wiebke, weil diese nicht für möglich halten, dass beide auch reden und sogar denken können.

Als Carsten noch jünger war, hatte er bei mir den Spitznamen >>Radio<<, weil er morgens sofort nach dem Wachwerden anfing zu reden und erst wieder aufhörte, als er abends hundemüde ins Bett fiel. Unser geheimes Zeichen – meine linken ausgestreckten fünf Finger – es bedeutet fünf Minuten Sendepause – missfiel dem Kerle sehr, hatte er doch wichtiges und großartiges zu berichten. Zu meinem Erstaunen hielt er sich aber immer dran. Der Nebeneffekt war, Carsten lernte die Uhr!

Lange Zeit wollte oder konnte (ich kann es nicht genau sagen was es wirklich war) – Wiebke sprach nicht; sie hatte ihren wortgewaltigen Bruder, mit dem sie eine Geheimsprache immer noch hat. Carsten übersetze für sie. So etwas schweißt zusammen.

Jetzt ist es so, dass beide Junioren reden, reden wie ein Buch; ohne Punkt und Komma. Ohne aufeinander Rücksicht zu nehmen und schon gar keine Rücksicht auf den ausgesuchten Zuhörer.

Ich vermute, dass sie denken: Mama hat zwei Ohren, dann können auch zwei reden!

Ihre zwei Ohren, so vermute ich noch einmal, sind dazu da – wenn ich etwas von ihnen verlange – dass es in das eine Ohr rein geht und ohne Umwege durch das Gehirn aus dem anderen Ohr wieder rauskommt.

Reden ist eine Kunst, zuhören muss man lernen. Aber sicherlich nicht nur meine Junioren.

tja

Wat dem eenen sien Uhl, ist dem aneren sien Nachtigall!  Oder nochmal auf Hochdeutsch: Was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall.

Also jeder sieht die Sache in seiner Sicht und jeder aus seiner eigenen Perspektive. Was die eine stresst, ist für den anderen ein Spaß. 

Was für mich dahinter steckt ist Respekt. Einfach anerkennen, dass nicht alle alles toll finden, was ich mache und andersrum genauso.  Meine Grenzen akzeptieren, so wie ich die Grenzen der anderen akzeptiere. Meine Normalität ist ist zwingend, die von dir.  

Jedem der Vogel, der ihm/ihr gefällt, aber bitte den anderen nicht immer – weil man es doch kann – den Kanarienvogel aufzwingen. 

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