Kategorie: Gedankenchaos

Blätter fallen

… und Tränen. Tränen der Scham, der Überforderung. Wenn etwas gemacht wird, was man während man es tut schon bereut, dann ist es so, dass weinen ein Ventil ist.

Den Junioren gehts gut, der Kerle guckt Fußball, das Töchting spielt und meine Gedanken drehen sich munter weiter – ich lese ein Buch über Gesichter, wie man sich selber sieht und von anderen gesehen wird. Dabei hadere ich gerade mit meinem eigenen Spiegelbild!

Guten Morgen Angst

Heute laufe ich ihr nicht davon! Außerdem habe ich genug im Garten zu tun, meine Kakteen retten und das massenhafte Laub fegen. Und dann ist auch noch Fußball-WM. Der Kerle guckt und kommentiert. Manches Mal ist es schon laut, wenn z. B. ein Foul gespielt wird. Wie er das mit seinem eingeschränkten Sehvermögen sieht und welche Kraft ihn das kostet, sich so konzentrieren zu müssen, das kann ich nicht einschätzen und genau deswegen bewundere ich meinen Sohn sehr. Er hat (fast) nie Angst, nur ab und zu vielleicht Wut.

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Applaus

Anfangs von Corona wurde für die Pflegekräfte geklatscht! Wer klatscht für die pflegenden Angehörigen? Die Mütter, die tagtäglich unentgeltlich ihre Kinder versorgen, die Töchter, die das ebenso für ihre alten Eltern tun. Wer klatscht für die Söhne, die ihrem Vater den Hintern abwischen und für die Väter, die die Kinder sondieren. Nicht vergessen möchte ich die minderjährigen Kinder, die ihre Geschwister oder auch Eltern versorgen – wer klatscht für die? Aber was soll’s klatschen überhaupt?

Die billigsten Pflegekräfte dieses Landes sind die pflegenden Angehörigen und für die wurde noch nicht einmal geklatscht. Mir scheint, es wird als Selbstverständlichkeit angesehen, dass Nächte durchwacht werden, dass jede Nacht das Kind gedreht wird, weil es sonst wund liegt oder wie mein Töchting aus dem Bett fallen würde. In wie weit wird das wertgeschätzt, was wir leisten? Was ist das überhaupt für ein Wert? Wer legt den Wert fest? Die Pflege daheim kostet einen Bruchteil dessen, was ein Heimplatz kostet und ist meist besser, persönlicher, inniger, respektvoller, mit mehr Liebe und wird dennoch nicht honoriert.

Wir dürfen nicht klagen. Wir sollten immer dankbar sein, wenn Helfer*innen kommen. Auch wenn diese Fehler machen, oder wir zum xten Mal erklären, dass etwa so und nicht anders sinnvoll ist. Helfer wollen ja nur helfen. Auf die Idee, dass manches kontraproduktiv sein könnte, kommen sie nicht. Stattdessen sind wir übellaunig und unhöflich…

Ich weiß inzwischen warum ich wir schreibe. Nicht pluralis majestatis, nein solidarisch mit anderen pflegenden Angehörigen. Ich bin nicht allein und bin es doch! Allein zu wissen, dass es vielen ähnlich geht wie mir, ändert nichts – macht aber dennoch nicht ganz so wuttraurig – jedenfalls nicht immer.

Ich klatsche jetzt mal für mich. Der Tag heute war ein ganz normalstressiger Samstag und ehrlich, ich habe das toll gemeistert!

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