Kategorie: Gedanken

Biergarten

Es sind Fotos von den Junioren und wir haben gemeinsam beschlossen diese nur geschützt zu zeigen. Das Passwort ist immer noch der jiddische Begriff. 

Wir waren am Neckar spazieren. Die ehemals so häßliche Stadt bekommt zumindest am Fluss etwas Charme und Flair. Wenn denn noch ein leichtes Lüftchen weht, dann sind 29°C gut auszuhalten. Zwei ukrainische junge Männer, die nicht in den Krieg ziehen wollen, haben uns die Rollstühle ans Ufer getragen. Ohne zu fragen, völlig uneigennützig. Der Kerle hat gefragt warum sie nicht arbeiten, da haben sie auf deutsch geradebrecht, dass sie niemanden totschießen wollen und deswegen desertiert sind. 
Mein Kerle hat beide Daumen gereckt…

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06:56 – am nächsten Tag: Ich weiß, es wäre hilfreich wenn ihr ein Bild von den Junioren hättet. Dann könntet ihr sie euch wahrscheinlich besser vorstellen. Sie sind, besonders der Kerle, sehr klein und sehr speziell, sie fallen auf und ich mag nicht, wenn sie vorgeführt werden.

Zwanzigsechzehn

Egal, wie es dir geht, steh auf, zieh dich an und zeig dich!

Ilona wischt sich die letzte Träne vom Kinn. In dieser Nacht konnte sie vor Schmerzen wieder einmal nicht schlafen. Ihr Rücken war kaputt, daran gab es nichts zu rütteln. Dieser Auffahrunfall vor Jahren, als ihr der dicke Mercedes auf ihre kleine Ente gedonnert ist, hat ihr Leben grundlegend geändert. Zum Glück war nur ein Wirbel angebrochen, aber seitdem hat sie einen leichten Buckel. Sie trägt schwer daran, lastet doch so schon viel auf ihren Schultern und nun haben diese einen zusätzlichen Knacks. 

Als ihre Tochter geboren wurde – nein, wir müssen anders anfangen. Ilona studierte auf Lehramt. Sie wollte nicht an ein Gymnasium: „Ich gehöre zu denen, die nicht vom silbernen Teller essen.“ Grund- und Hauptschule war ihr Ziel. Eine möglichst kleine Schule! Dort ist sie auch hingekommen und unterrichtete von Anfang an dritte und vierte Klassen. Dann wurde eine Tochter geboren. Nach einem halben Jahr stand sie wieder auf der Matte. Corinna war ein liebes Kind, ordnete sich gut unter und war sehr pflegeleicht. Nach drei Jahren war Ilona wieder schwanger und gebahr noch eine Tochter. Catharina war allerdings ganz anders. Catharina hat eine Chromosomenanomalie, mit Herzfehler und diversen anderen Kleinigkeiten. Ilona fuhr mit ihrem kleinen Auto ohne Knautschzone lange Wege zu diversen Krankenhäusern ihre Tochter zu Untersuchungen bringen, sie abholen oder um sie dort zu besuchen. Ihren Lehrerinnenberuf hatte sie für zwei Jahre ausgesetzt. Ja, und dann fuhr ihr dieser dicke Schlitten ins Heck. Schleudertrauma, angebrochene Halswirbelsäule.

Wir haben uns aus den Augen verloren, weil ich umgezogen bin. Lange haben wir uns nicht gesehen – noch nicht einmal telefoniert. Zwischenzeitlich hatte ich einen ähnlichen Unfall, vierter Halswirbel angebrochen. Ich meldete mich bei Ilona, weil ich wissen wollte, wie sie wieder auf die Beine gekommen ist. Ich selbst hatte kaum Schmerzen, spüre sogar jetzt nur einen leichten Knubbel im Nackenwirbelbereich.  Bei Ilona war das anders – ihr tat es immer weh.

Ilona ist  – nein, sie war wunderbar, denn Ilona lebt auch nicht mehr. Ihre behinderte Tochter ist ein Bandmitglieder und manchmal, so auch gestern sehe ich in der kleinen langsamen, etwas ungelenken behinderten Frau den Schalk von ihrer Mutter aufblitzen. Dann nehme ich Catharina in den Arm, so wie ihre Mutter mich in den Arm genommen hat, wir wiegen uns ein bisschen und dann gehen wir laut prustelachend auseinander. Wir wischen uns gegenseitig die Tränen vom Kinn – und gut ist‘s.

Du Mama

Der Kerle liegt im Bett, den Kopf auf die Hände gestützt und mit gerunzelter Stirn: „Du Mama, ich denke nach!“ „Worüber denn? Jetzt kannst du erst einmal noch ein Weilchen schlafen!“ „Wie läuft das mit dem Auftritt? Was zieh‘ ich an? Und wenn das heiß wird, ich komme doch auf der Bühne nicht an mein Trinken ran!“ Das sind tatsächlich wichtige Fragen, besonders der letzte Einwand. Der Bandleader mag mich nicht auf der Bühne haben: „Da hast du nichts zu suchen!“ Stimmt. Nur, dann muss er sich auch um seine Bandkollegen sorgen. Dass sich der Kerle über den Durst Gedanken macht ist mir jedenfalls ein Hinweis, mich einzumischen.

„Du Mama, weißt du was? Wir rocken den Platz!“ Er trinkt einen Schluck süßen Kaffee, deckt sich den Plüschelch übers Gesicht und schläft noch ne Runde.

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